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Fritzlar blickt auf die Flutkatastrophe im Ahrtal zurück

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Von: Daniel Seeger

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Starkregen und damit einhergehende Überflutungen hinterließen in Altenburg (Kreis Ahrweiler), wo die THWler aus Fritzlar im Einsatz waren, ein Bild des Grauens. Im Ort waren 95 Prozent aller Gebäude vom Hochwasser betroffen.
Starkregen und damit einhergehende Überflutungen hinterließen in Altenburg (Kreis Ahrweiler), wo die THWler aus Fritzlar im Einsatz waren, ein Bild des Grauens. Im Ort waren 95 Prozent aller Gebäude vom Hochwasser betroffen. © THW Fritzlar

Es ist eine der schlimmsten Naturkatastrophen, die Deutschland je erlebt hat: das Unwetter Mitte Juli 2021. Für das Technische Hilfswerk (THW) folgte der größte Einsatz in seiner mehr als 70-jährigen Geschichte.

Altenburg/Fritzlar – Unter den Helfern waren auch Ehrenamtliche des THW in Fritzlar, einem von insgesamt vier Ortsverbänden des THW im Schwalm-Eder-Kreis.

„Es war der belastendste Einsatz meines Lebens. Wir konnten das Ausmaß des Einsatzes und des Schadens am Anfang gar nicht begreifen“, erinnert sich Steffen Zeugner, Ortsbeauftragter des Ortsverbandes. Der Ortsverband Fritzlar war mit seiner Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung sowie einzeln abgestelltem Personal insgesamt acht Wochen im Ahrtal im Einsatz.

„Die ersten zwei Wochen haben wir tagsüber Keller ausgepumpt, bei der Räumung von Schutt und auch bei der Bergung von Leichen geholfen“, so Zeugner im Gespräch mit unserer Zeitung. Außerdem habe man für die Räumtrupps nachts die Areale ausgeleuchtet. Ungefähr 25 Helfer aus Fritzlar seien in dieser Zeit vor Ort gewesen.

Ehrenamtliche Helfer aus Fritzlar stellten Erkundertrupps

In der Folgezeit stellten die ehrenamtlichen Helfer aus Fritzlar Erkundertrupps. „Man fährt durch die Gegend, um festzustellen, wo momentan am dringendsten Unterstützung gebraucht wird“, erklärt Zeugner weiter. Im späteren Verlauf hätte ein Kamerad aus Fritzlar einen eigenen Unterabschnitt an einem Krankenhaus geführt – mit rund 120 Einsatzkräften.

„Die Belastung war für viele Helfer relativ groß“, sagt Zeugner. Als Berufssoldat, der mehrfach im Auslandseinsatz gewesen sei, sei er schwierige Situationen gewohnt. Dennoch unterschied sich die Lage im Ahrtal teils deutlich von dem, was Zeugner in der Vergangenheit erlebt hat. „Das schlimmste für mich persönlich war, das alle deutsch gesprochen haben“, erinnert sich der Ortsbeauftragte.

Flutkatastrophe im Ahrtal: THWler aus Fritzlar waren vor Ort

Immer wieder seien Betroffene auf die Helfer zugekommen und hätten ihre persönlichen Geschichten erzählt – eine Situation, die er so noch nicht erlebt habe. Eine betroffene Person erzählte den Helfern beispielsweise, wie Verwandte sich selbst auf dem Dachboden des eigenen Hauses nicht vor den Fluten retten konnten und ertranken. „Man kennt schreckliche Schadensbilder aus anderen Einsätzen, aber da sprechen die Leute oft andere Sprachen – hier war das ganz anders.“ Teilweise habe man erlebt, wie traumatisierte Betroffene in große Angst gerieten, sobald es anfing zu regnen.

Wichtig sei auch, dass kein Helfer mit dem Erlebten allein gelassen werde: „Wir haben das ganze mit dem Einsatznachsorgeteam aufgearbeitet.“ Vernünftige Einsatznachsorge gehöre zwingend dazu.

Doch neben all dem Leid, das die Freiwilligen aus der Dom- und Kaiserstadt im Ahrtal sehen mussten, sei es für viele auch ein gutes Erlebnis gewesen, den betroffenen Menschen helfen zu können. Die waren oftmals sehr dankbar für die Hilfe, die aus dem ganzen Land ankam.

So sah es nach dem Starkregen in Altenburg aus: Die THWler aus Fritzlar waren im Einsatz.
So sah es nach dem Starkregen in Altenburg aus: Die THWler aus Fritzlar waren im Einsatz. © THW Fritzlar

Reibungslos lief dennoch nicht alles. „Probleme hatten wir teils mit privaten Helfern“, erinnert sich der Ortsbeauftragte. So sei es einmal zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen. In der Folge mussten die Fritzlarer die Polizei rufen.

Aus dem Einsatz im Ahrtal habe man viel gelernt, sagt Zeugner. Zum Beispiel, dass man sich nicht immer auf die eventuell noch vorhandene Infrastruktur vor Ort verlassen könne, sondern sehr viel selbst mitbringen müsse. Kontinuität auf Führungsebene sei ein weiterer sehr wichtiger Punkt, der die Arbeit erleichtere. Viel durchtauschen müsse man aber die Einsatzkräfte – wegen der hohen Belastung und der Arbeit im gesundheitsgefährdenden Wasser.

THW Fritzlar sucht Unterstützung

„Wir suchen immer Unterstützer“, sagt Zeugner. Wer sich engagieren möchte, sei herzlich eingeladen beim Ortsverband vorbeizuschauen. „Wir haben hier eine sehr gute Gemeinschaft – hier wird jeder so akzeptiert und angenommen wie er ist.“

Die Helfer des THW-Ortsverbands Fritzlar treffen sich jeweils donnerstags von 18.30 Uhr bis 22 Uhr zum Übungsdienst. Am Samstag, 23. Juli, findet am Standort Fritzlar von 14 Uhr bis 16 Uhr ein Infotag für Kinder und Jugendliche statt.

Weitere Informationen unter thw-fritzlar.de

(Daniel Seeger)

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