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Der Schlüssel zum Verständigen: Hörhaus Fritzlar bietet kostenlose Hörgeräte für geflüchtete Ukrainer

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Von: Lea Beckmann

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Das Hörhaus Fritzlar will hörbeeinträchtigen Ukrainern helfen: Sie bieten kostenlose Hörgeräte, wie Imke Leonhardt in der Hand hält, an.
Das Hörhaus Fritzlar will hörbeeinträchtigen Ukrainern helfen: Sie bieten kostenlose Hörgeräte, wie Imke Leonhardt in der Hand hält, an. © Peter Zerhau

Auch das Hörhaus von Inhaberin Xenia Woskowski in Fritzlar unterstützt Geflüchtete aus der Ukraine.

Fritzlar – Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert nun schon zehn Monate an. Doch die Hilfsbereitschaft für die geflüchteten Ukrainer reißt nicht ab. Auch das Hörhaus von Inhaberin Xenia Woskowski in Fritzlar unterstützt Geflüchtete – und das ganz direkt.

„Wir bieten allen Geflüchteten mit Hörbeeinträchtigung Hörgeräte und die entsprechende Beratung kostenlos an“, sagt Hörakustikmeisterin Imke Leonhardt. Das sei durch die Zusammenarbeit mit der Firma Signia möglich, die Hörgeräte kostenlos zur Verfügung stelle. Es seien alles Neugeräte. „Es ist schön, wenn wir in dieser grausamen Zeit den Menschen aus der Ukraine helfen können“, sagt Leonhardt.

Normalerweise braucht man für ein Hörgerät ein Rezept vom Arzt, aber das benötigen geflüchtete Ukrainer nicht

Normalerweise brauche man ein Rezept vom Arzt, um ein Hörgerät zu bekommen, aber das benötigen geflüchtete Ukrainer nicht. „Wir wollen nicht, dass sie womöglich noch zwei Monate auf einen Arzttermin warten müssen, um dann endlich vernünftig hören zu können“, sagt sie. Denn: Kommunikation sei der Schlüssel dafür, um sich zurechtzufinden.

Und dazu gehöre nun mal das Hören. „Es ist schrecklich, wenn man flüchten muss, die deutsche Sprache dann wahrscheinlich nicht versteht und wenn dann noch eine schlechte Akustik dazukommt – wie soll man sich dann verständigen?“, fragt die Hörakustikmeisterin. Daher sei es ihnen wichtig, die Hörbarrieren für die betroffenen Ukrainer zu beseitigen.

Meldebestätigung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge reicht aus für Hörgerätbestellung

Um ein Hörgerät in Fritzlar zu bekommen, genüge eine Kopie der Meldebestätigung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge oder eine Registrierung bei der Stadt oder dem Landkreis. „Wir wollen auch nicht, dass unser Angebot ausgenutzt wird, daher sollen diese Unterlagen nach Möglichkeit mitgebracht werden“, erklärt Leonhardt. Liegen sie vor, wird ein Hörtest gemacht. Der bestehe eigentlich aus einem Ton- und Sprachaudiogramm.

„Das Sprachaudiogramm ist auf Deutsch, daher lassen wir das weg“, sagt Leonhardt. Im Anschluss wird das Hörgerät an das Ohr angepasst. Auch die anschließenden Kontrolltermine, wenn das Hörgerät zum Beispiel noch nicht richtig im Ohr sitzt und noch mal angepasst werden muss, und die Reinigungen sind kostenfrei.

Hörhaus Fritzlar hofft, dass Betroffene von der Aktion erfahren

Bislang habe allerdings nur eine ukrainische Frau das Angebot in Anspruch genommen. Sie wurde mit zwei Hörgeräten ausgestattet. „Sie war sehr dankbar und hatte Tränen in den Augen“, sagt Leonhardt. Die Begleitung der Frau habe sogar später noch mal Pralinen als Dankeschön zum Hörhaus gebracht. „Vielleicht ist die Hemmschwelle zu groß oder sie haben ihre Hörgeräte auf der Flucht nicht zurückgelassen beziehungsweise nicht verloren“, sagt Leonhardt mit Blick auf die noch geringe Nachfrage. Sie hofft, dass Betroffene von der Aktion erfahren.

Wie lange das Angebot noch gelte, stehe noch nicht fest. „Es wird aber auch im Februar niemand weggeschickt, wenn er oder sie ein Hörgerät braucht“, sagt sie. (Lea Beckmann)

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