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Koffer weg, und jetzt? Reise-Experten aus dem Landkreis geben Tipps, was zu tun ist

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Von: Lea Beckmann, Peter Zerhau, Cora Zinn

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Auf dem Foto ist Pedro da Silva mit einem pinken Koffer zu sehen.
Ein auffälliger Reisekoffer, wie dieser in Pink, ist am Flughafen leichter zu finden: Pedro da Silva vom Reiseland in Fritzlar gibt Tipps zur Suche nach den Koffern. © Peter Zerhau

Das ist wohl ein schlimmer Start in den Urlaub: Man steht voller Vorfreude am Gepäckband am Flughafen, doch irgendwie kommt der eigene Koffer nicht an.

Fritzlar-Homberg – Wie verhalte ich mich dann? Wir haben Experten aus dem Kreisteil Fritzlar Homberg – Reisebüro-Mitarbeiter und die Verbraucherzentrale – um Tipps für solche Fälle gebeten.

Vorbereitung: Vorbereitung ist das A und O – auch beim Packen, sagt Eva Kastien vom „Take Off“-Reisebüro in Gudensberg: „Man sollte sich auf jeden Fall Ersatzkleidung und Toilettenartikel ins Handgepäck packen.“ Denn wenn der Koffer am Reiseort nicht ankomme, habe man wenigstens ein paar Kleidungsstücke für die ersten Stunden im Urlaub.

Auch Kathrin Reinhardt, Geschäftsführerin vom Reisebüro Reiseland MeerErleben in Homberg, rät dazu, die Sachen, die man für die ersten zwei Tage im Urlaub braucht, in das Handgepäck zu packen. „So kann man gut die Zeit überwinden, bis der Koffer dann ankommt“, sagt sie. Wichtig sei auch, dass man vor dem Hinflug die Adresse des Zielhotels und beim Heimflug die Heimatadresse am Gepäck befestigt, erklärt Pedro da Silva vom Reiseland in Fritzlar. Und als letzten Vorbereitungstipp: „Die Koffer sollten gemischt gepackt werden“, sagt Kathrin Reinhardt. Zum Beispiel sollten es bei Familien nicht einen Koffer für die Mutter, für den Vater und die Kinder geben, sondern von jedem sollte etwas in allen Gepäckstücken verpackt sein.

Wenn der Koffer weg ist, dann unbedingt eine Verlustanzeige bei der Fluggesellschaft aufgeben

Verlust: Wenn der oder die Koffer dann wirklich verschwunden seien, solle man am Flughafen zu dem „Lost & Found“-Schalter gehen und den Gepäckabschnitt vorzeigen. „Anhand des Barcodes beginnt dann die Suche nach dem verlorenen Gepäckstück“, sagt da Silva. Erfahrungsgemäß, so der Fritzlarer, werde das Gepäck zu 99 Prozent gefunden. Tauche es allerdings tatsächlich nicht auf, solle man schnellstmöglich eine Verlustanzeige bei der Fluggesellschaft aufgeben, erklärt Reinhardt. Wenn bei einer Pauschalreise der Koffer verloren gehe, solle man es auch dem Veranstalter mitteilen, rät Ute Bitter, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation der Verbraucherzentrale Hessen. „Und man sollte sich das schriftlich bestätigen lassen“, so Bitter.

Beschädigung: Neben dem Verlust von Gepäck kann am „Lost & Found“-Schalter auch beschädigtes Gepäck reklamiert werden, wie auch direkt auf der App der jeweiligen Fluggesellschaft. Das sollte der Fluggast möglichst sofort oder innerhalb von sieben Tagen machen, so Bitter. Außerdem sei es sinnvoll, den Schaden durch Fotos festzuhalten.

Auch die Farbauswahl der Koffer ist entscheidend – Bunte sind leichter zu entdecken

Farbauswahl: Auch die Farbauswahl der Koffer könne beim Suchen auf dem dunklen Gepäckband helfen: „Ein farbiger Koffer ist natürlich leichter zu finden. Die meisten Koffer sind aber in dunkler Farbe“, sagt Kastien. Doch wer schwarze Koffer hat, könne auch farbige Kofferbände kaufen. „So hat man im Handumdrehen einen schwarzen Koffer mit einem roten Band, der dadurch auffälliger wird“, erklärt Kastien.

Tipps: Die Gepäckaufkleber, die es beim Check-In gibt, sollten genau überprüft werden: „In ganz wenigen Fällen ist der falsche Reiseort notiert“, sagt Kastien. Das sei fatal, wenn die Urlauber an einen anderen Ort reisen als ihre Koffer. Deshalb: unbedingt überprüfen und auch aufheben. Falls das Gepäckstück erst mal nicht aufzufinden sei, könne man von der Airline ein „Notpaket“ mit Drogerieartikeln und gegebenenfalls Ersatzwäsche erhalten, erklärt Bitter.

Nicht erstattet werden Schmuck, Wertgegenstände, Geld und Laptops von Fluggesellschaften

Haftung: „Sobald die Fluggesellschaft das Gepäck angenommen hat, haftet sie für dessen Verlust, Zerstörung oder Beschädigung“, sagt Bitter. Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, hafte nach Wahl des Reisenden auch der Reiseveranstalter. Die Haftungshöchstgrenze für Zerstörung, Beschädigung oder Verspätung von Gepäck liege derzeit bei knapp 1400 Euro pro Passagier.

Nicht erstattet werden Schmuck, Wertgegenstände, Geld und Laptops. „Diese Dinge sollten auch lieber ins Handgepäck“, rät Kastien. Zudem entfalle die Haftung auch, wenn die Fluggesellschaft nachweisen könne, dass der Reisende selbst für den Schaden verantwortlich sei. „Zum Beispiel, wenn zerbrechliche Gegenstände im Koffer sind, die für die Beschädigung verantwortlich sind“, sagt Bitter.

Was „notwendig“ und „angemessen“ sei, hänge von der Art der Reise ab – Strandurlaub oder Luxuskreuzfahrt

Erstattung: Zu ersetzen sei der Zeitwert des verloren gegangenen oder beschädigten Gepäcks. „Für die Zeit, in der das Gepäck am Urlaubsort nicht zur Verfügung steht, können sich Reisende notwendigen und angemessenen Ersatz beschaffen, zum Beispiel Unterwäsche, Kleidung und Toilettenartikel“, erklärt Bitter. Was „notwendig“ und „angemessen“ sei, hänge von der Art der Reise ab – also ob es ein Strandurlaub oder eine Luxuskreuzfahrt sei – und von der Überbrückungszeit.

Allerdings sei man verpflichtet, die Kosten gering zu halten. „Taucht das Gepäck wieder auf, müssen Reiseveranstalter oder Fluglinie für den Transfer zur Reiseunterkunft oder nach Hause sorgen“, sagt Bitter. (Lea Beckmann, Cora Zinn und Peter Zerhau)

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