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Fritzlarerin soll monatlich mehrere Hundert Euro mehr für Seniorenheim-Platz zahlen

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Von: Daniel Seeger

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Auf dem Foto sind Stefan und Doris Selzer vor dem Seniorenheim in Fritzlar zu sehen.
Stefan und Doris Selzer stehen vor dem St. Elisabeth Seniorenstift in Fritzlar. Doris Selzers Mutter wohnt dort. Auf sie kommen ab September mehrere Hundert Euro mehr für ihren Platz im Pflegeheim zu. © Peter Zerhau

Für Bewohner von Pflegeheimen stehen ab September gravierende Veränderungen ins Haus. Es wird deutlich teurer.

Fritzlar – Als Doris und Stefan Selzer kürzlich ihre Post öffneten, trauten sie ihren Augen kaum. Mehrere Hundert Euro mehr soll laut einem Schreiben der Eigenanteil der Kosten für einen Platz im Pflegeheim für Doris Selzers Mutter betragen. Wie aus dem Brief des St. Elisabeth Seniorenstifts hervorgeht, werden die Mehrkosten ab September fällig.

Bislang betrug der Eigenanteil laut nach Auskunft der Familie Selzer monatlich 2190 Euro. „Meine Mutter bekommt eine Rente von rund 1800 Euro“, sagt Selzer. Die Kosten für das Heim, die über diesen Betrag hinausgehen, finanziere die Rentnerin mit dem anerkannten Pflegegrad 2, aus ihren Ersparnissen. Die hätten eigentlich noch für viele Jahre ausgereicht. Doch durch die Erhöhung verkürze sich diese Zeit nun.

Preiserhöhungen in Seniorenheimen ab dem 1. September möglich

Bereits im Brief des Seniorenstifts wird auf die Möglichkeit hingewiesen, Sozialhilfe zu beantragen. Für die Selzers ein klares Indiz dafür, dass sich viele Menschen diese zusätzlichen Kosten nicht dauerhaft leisten können.

Hintergrund der Erhöhung ist das Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung. Das Gesetz sieht vor, dass Heime ihre Pflege- und Betreuungskräfte ab dem 1. September mindestens in Höhe eines bestehenden Tarifvertrages entlohnen. Wo das bislang nicht der Fall war, kommt es nun zu entsprechenden Preissteigerungen.

„Wir sind damals einfach davon ausgegangen, dass die Mitarbeiter im Stift nach Tarif bezahlt werden“, sagt Selzer. Und weiter: „Ich sehe auch, dass die Pflegekräfte besser bezahlt werden müssen“, aber das passiere auf dem Rücken der vielen alten Menschen. Die Selzers bemängeln außerdem, dass das Heim so kurzfristig über die Änderung informiert hat: „Wenn man tatsächlich einen Antrag auf Sozialhilfe stellen muss, wird ein Monat nicht ausreichen“, so Stefan Selzer.

Preise steigen: Menschen, die neu ins Heim kommen, sind direkt von den Mehrkosten betroffen

„Ich kann die Verärgerung der Angehörigen und der Bewohner sehr gut nachvollziehen, aber man muss es das etwas relativieren“, sagt Barbara Robert, Geschäftsführerin der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. Eine Tochtergesellschaft der Stiftung betreibt den Seniorenstift.

Die Mehrkosten würden zum Teil durch den zu Jahresbeginn eingeführten Leistungszuschlag aufgefangen, den die Pflegeversicherung zahlt. Je nachdem wie lange die betreffende Person bereits im Heim wohnt, fällt der unterschiedlich hoch aus, erklärt Robert. „Die Erhöhung ist sehr hoch – keine Frage. Richtig bitter ist es für die Menschen, die jetzt ganz neu in einem Heim sind. Die müssen den Betrag allein aufbringen.“

Seniorenstift Fritzlar habe Bewohner und Angehörige umgehend über Erhöhung informiert

Wie das Bundesgesundheitsministerium vermeldet, trägt die Pflegekasse im ersten Jahr fünf Prozent des pflegebedingten Eigenanteils, im zweiten Jahr 25 Prozent, im dritten Jahr 45 Prozent und danach 70 Prozent. Diese Zuschläge werden zusätzlich zu dem bereits nach Pflegegraden differenzierten Leistungsbetrag gezahlt.

Selbstverständlich sei es auch ein Anliegen des Seniorenstifts, dass man die Mitarbeiter angemessen und wettbewerbsgerecht vergüten könne, sagt Robert. Doch der Arbeitsmarkt sei leer gefegt. Sie glaube nicht daran, dass sich nun mehr Menschen für einen Pflegeberuf entscheiden. Der Seniorenstift habe Bewohner und Angehörige umgehend informiert, sobald die Erhöhung die nötigen Gremien passiert hatte.

Preise steigen

Eine Rollstuhlfahrerin aus Fritzlar zahlt für zwei Taxifahrten durch die Stadt viel Geld. Zu viel? Der Taxiunternehmer kann den Preis begründen.

Fest steht: Die Ersparnisse vieler pflegebedürftiger Menschen werden nun noch schneller schwinden

„Wir können unsere Leute jetzt besser vergüten, aber das wird auf dem Rücken der Bewohner und der Allgemeinheit ausgetragen.“ Eine Alternative gibt es für die Heime nicht. „Wer nicht Folge leistet, dem wird der Versorgungsvertrag entzogen.“, so Robert. Andere Heime stünden vor derselben Problematik. Bei Heimen, die ihre Mitarbeiter bislang schlechter bezahlt haben, falle die Erhöhung dementsprechend noch stärker aus. Fest steht: Die Ersparnisse vieler pflegebedürftiger Menschen werden nun noch schneller schwinden. Für einige Heimbewohner bleibt nur der Gang zum Sozialamt. Hinzu kommt, dass ein Ende der Kostensteigerungen noch nicht absehbar ist.

In regelmäßigen Abständen müssen die Heime mit den Pflegekassen neue Pflegesatzvereinabrungen aushandeln. Die aktuelle Vereinbarung des Stifts laufe bis zum Jahresende. „Die große Steigerung bei den Energiekosten kommt erst noch“, befürchtet Robert.

Der exakte Betrag der aktuellen Erhöhung steht bislang noch nicht fest, sondern ist vom Bescheid der Pflegekassen abhängig, die die Kalkulation des Heims prüfen muss, sagt Robert. Sobald der vorliegt, werde man umgehend die Bewohner und Angehörigen informieren. (Daniel Seeger)

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