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Kampf um die Zukunft der Geburtshilfe

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Von: Maja Yüce

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Gefragt bei werdenden Eltern: Jährlich kommen fast 700 Kinder im Hospital zur Welt. Doch gibt es finanziell massive Probleme bei der Geburtshilfe.
Gefragt bei werdenden Eltern: Jährlich kommen fast 700 Kinder im Hospital zur Welt. Doch gibt es finanziell massive Probleme bei der Geburtshilfe. © Daria Neu

Hospital-Geschäftsführer Dr. Carsten Bismarck fordert klares Bekenntnis von Politikern.

Fritzlar – „Es ist höchste Zeit zu reagieren“ – mit eindringlichen Worten wendet sich Dr. Carsten Bismarck, Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar an die Politik. In einem Brandbrief, der an Ministerpräsident Boris Rhein, Staatsminister Kai Klose, die Mitglieder der Landesregierung und an Regierungspräsident Mark Weinmeister gerichtet ist, kämpft Bismarck erneut um die finanzielle Gleichstellung und somit die Sicherung der Geburtshilfe am Hospital. Und: Seine Worte – der Brief liegt der HNA-Redaktion vor – scheinen in Wiesbaden zumindest bei einigen Politikern Gehör zu finden. Denn als es jetzt im hessischen Landtag um die Klinikförderung ging, forderte die Opposition – auch mit Blick auf das Hospital – eine bessere staatliche Finanzierung der Krankenhäuser.

Es sei an den Politikern, die künftige Gesundheits-Landkarte Nordhessens zu gestalten, so Bismarck. „Sollten Sie der Überzeugung sein, dass die Frauen Nordhessens auf eine weitere Geburtsklinik verzichten können, wäre es fair und vor allem nachvollziehbar, würden Sie uns dieses offiziell mitteilen“, schreibt Bismarck. Auf HNA-Anfrage sagt der Geschäftsführer der Klinik, dass der Erhalt der Geburtshilfe ein Grundbedürfnis des Hospitals sei. Für das Hospital sei es unabhängig von dem nun zusätzlich drohenden Energiekosten-Kollaps, der alle Kliniken bedrohe, immer schwieriger, die Geburtshilfe innerhalb des Hospitals quer zu subventionieren. „Die internen Reserven schwinden.“

Das Hospital in Fritzlar sei eines der letzten beiden funktionierenden Krankenhäuser im Kreis

Und: Die geburtshilfliche Abteilung des Hospitals sei unterfinanziert. Maßgeblicher Grund dafür sei, dass das Krankenhaus, anders als die Mitbewerber in Schwalmstadt, Frankenberg und Korbach, den seit 2019 bestehenden „Sicherstellungszuschlag für geburtshilfliche Kliniken im ländlichen Raum“ nicht erhalte. Somit fehlten jährlich 400 000 Euro (HNA berichtete). Bismarck nennt das eine massive Wettbewerbsverzerrung, die zu einer „vitalen Gefährdung der Geburtshilfe in Fritzlar führe“. Das Hospital sei eines der letzten beiden funktionierenden Krankenhäuser im Kreis. „Für das Krankenhaus Melsungen sind auch die jüngsten Rettungs- und Übernahmegespräche gescheitert.

Allerdings profitiert das Asklepios-Krankenhaus Schwalmstadt seit 2019 jährlich vom Sicherstellungszuschlag“, sagt Bismarck. Er erinnert auch an die millionenschweren zusätzlichen Zuwendungen des Landkreises Waldeck-Frankenberg und der Kommunen an die Krankenhäuser Frankenberg und Korbach. Diese hätten so ihren Fortbestand sichern können. Als unabhängiges Krankenhaus leiste das Hospital ohne diese zusätzlichen millionenschweren Sonderzahlungen seinen Beitrag zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung – auch in der Geburtshilfe. „Im Gegensatz zum derzeitigen Trend haben wir stabil hohe, sogar leicht steigende Geburtenzahlen. Über zwei Drittel der Neugeborenen des Schwalm-Eder-Kreises erblicken in Fritzlar das Licht der Welt“, betont Bismarck. Es gebe eine hohe Patientenzufriedenheit. Bismarck fordert die nachhaltige Unterstützung der Politik – rückwirkend ab 2019. „Sodass wir die erforderlichen Investitionen in Personal und Infrastruktur vornehmen und die Zukunft der Geburtshilfe sichern können.“ (Maja Yüce)

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