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Kulturscheune fehlen die Besucher: Veranstaltungen sind defizitär – Verein blickt mit Sorge aufs kommende Jahr

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Von: Daniel Seeger

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Der Blick von der Bühne offenbart immer öfter nur schlecht gefüllte Ränge. Das bereitet Thomas Abram von der Kulturscheune Fritzlar große Sorge.
Der Blick von der Bühne offenbart immer öfter nur schlecht gefüllte Ränge. Das bereitet Thomas Abram von der Kulturscheune Fritzlar große Sorge. © Daniel Seeger

Auch die Kulturscheune in Fritzlar bekommt es zu spüren: Es fehlen Besucher.

Fritzlar – Helene Fischer füllt die Arenen, Rammstein spielt vor ausverkauften Häusern. Auf den ersten Blick scheint die Kulturbranche nach den Corona-Einschränkungen wieder zu boomen. Doch bei genauerem Hinsehen bahnt sich eine Katastrophe an. Denn viele kleinere Künstler, die eben nicht die Hallen und Stadien füllen, treten derzeit vor deutlich weniger Zuschauern auf als vor der Pandemie. Das bekommt auch die Kulturscheune in Fritzlar zu spüren.

„Zuletzt hatten wir 25 Gäste bei einem Top-Kabarettisten aus Berlin“, sagt Thomas Abram, vom Vorstand des Vereins Kulturscheune Fritzlar. „Zwei, drei, vier defizitäre Veranstaltungen können wir als Verein verkraften, aber wenn es mehr werden, ist das ein großes Problem.“ Bereits der Start im Frühjahr sei sehr bescheiden gelaufen, man habe nur zwischen 20 und 40 Prozent der Gästezahlen vor der Pandemie erreichen können.

Sobald man in die Kulturscheune kommt, hat man ein Lächeln im Gesicht

Doch woher kommt der Besucherschwund? „Viele Menschen haben es die vergangenen zwei Jahre auch ohne Kultur ausgehalten“, vermutet Abram. Man habe sich eben, weil man musste, andere Beschäftigungen gesucht und es habe eine Umgewöhnung stattgefunden.

Aber: „Sobald ich in die Kulturscheune zu einer Veranstaltung komme, habe ich ein Lächeln im Gesicht.“ Und das gehe vielen Besuchern so.

Rund 30 Prozent der Gäste kämen im Schnitt aus Fritzlar, andere nähmen für die Künstler auch eine weitere Anreise in Kauf

Hinzu komme, dass vieles aus den vergangenen Jahren nun nachgeholt werde. Familienfeiern, Veranstaltungen und so weiter. „Die Zeit an den Wochenenden ist eben endlich“, sagt Abram.

Dabei ist das Konzept der Kulturscheune alles andere als eintönig. „Wir wollen Außergewöhnliches für eine kleine Mark aufs Land bringen“, so Abram weiter. Rund 30 Prozent der Gäste kämen im Schnitt aus Fritzlar, andere nähmen für die Künstler auch eine weitere Anreise in Kauf. Damit die Besucher sich wohlfühlen, habe der Verein investiert und im vergangenen Jahr die Lüftungsanlage erneuert. Doch all das scheint momentan nicht mehr zu genügen – mit schwerwiegenden Folgen.

Jetzt liegt es in den Händen des Publikums

„Es gibt einige Comedians, die nun in andere Branchen, wie die Pflege, gewechselt sind“, berichtet der Fritzlarer. Hinzu komme die fehlende Planungssicherheit. „Früher haben wir unser Programm mit einem Vorlauf von zwei Jahren gestaltet“, doch nun sei das undenkbar.

„Sollte der Herbst schlecht laufen, müssen wir tatsächlich darüber nachdenken, für das ganze Jahr 2023 zu schließen.“ So könne man die Kosten auf ein Minimum drücken, die Miete sei von den Vereinsbeiträgen gedeckt. „Doch daran möchte ich eigentlich gar nicht denken.“ Dass es nicht so weit kommen muss, liegt nun insbesondere in den Händen des Publikums. (Daniel Seeger)

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