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Fritzlar: Messdiener bestätigen Vorwürfe gegen Priester

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Fritzlar. Im Fritzlarer Priesterskandal gibt es erstmals einen greifbaren Hinweis auf sexuelle Handlungen des inzwischen verhafteten Ordensbruders.

Zwei ehemalige Ministranten sollen sich bei der Missbrauchsbeauftragten in Fritzlar gemeldet und von Berühungen berichtet haben. Die Fritzlarer Rechtsanwälting Meike Schoeler bestätigte auf Anfrage diese Entwicklung. „Für mich verdichten sich die Hinweise, dass er (der Priester und Prämonstratenser Michael L.) einige seiner Opfer sexuell berührt hat.“

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Ort der Handlung soll jenes Haus gewesen sein, in dem sich die Ministranten regelmäßig trafen. L. war der Betreuer der Messdiener und außerdem Schulpfarrer der katholischen Ursulinenschule in Fritzlar. Mit den Kindern und Jugendlichen habe er, wie uns die Rechtsanwältin berichtete, Sport getrieben und die Jungen trainiert.

Dabei sei es zu den unsittlichen Berührungen gekommen. Bislang war nur bekannt, dass die Kripo Fotos von Kindern und Jugendlichen sichergestellt hat. Die Staatsanwaltschaft sagte gestern auf Anfrage, es gebe keine neuen Erkenntnisse. Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Auch im Bistum in Fulda gibt es keine neuen Nachrichten zu dem Fall.

Zuletzt war bekannt geworden, dass auch im Umfeld des verhafteten Priesters recherchiert wird um zu prüfen, ob den vier Mitbrüdern von Michael L. der Missbrauch bekannt war. Die beiden Zeugen, die sich bei Rechtsanwältin Schoeler gemeldet haben, sollen inzwischen vor der Kriminalpolizei ausgesagt haben. Erstaunlich sei, so die Juristin, dass ihnen der Missbrauch erst jetzt klar geworden sei. Sie hätten sich seinerzeit nicht missbraucht gefühlt. Einer der beiden ehemaligen Messdiener übrigens gehöre zu den zehn jungen Leuten, die auf den sichergestellten Fotos abgebildet sind. (rbg)

Leitlinien: Orden soll sich auch um Therapie kümmern

Opfer und Täter spielen bei sexuellem Missbrauch eine Rolle in den Leitlinien der Deutschen Ordensobernkonferenz e.V. „Die Fürsorge des Ordens“, heißt es, „gilt zuerst dem Opfer. ... Auch dem Verdächtigten gegenüber bleibt die Pflicht zur Fürsorge. Er steht bis zum Erweis des Gegenteils unter Unschuldsvermutung.“

HILFE. In einem Absatz über Hilfe für Opfer und Täter wird gefordert, dass sich der Täter einer therapeutischen Behandlung zu unterziehen hat: „Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft erweist sich Pädophilie als von der Neigung her strukturell nicht abänderbar ... Unbeschadet dieser Erkenntnis trägt eine ... fachkundige Therapie dazu bei, Wiederholungsfälle zu verhindern.“

STRAFE. Neben der staatlichen Ahndung von Verbrechen gibt es auch eine kirchenrechtliche Strafe: „Es können Sühnestrafen, die den Täter auf Dauer oder für eine bestimmte Zeit treffen, verhängt werden. ... In Einzelfällen wird eine Entlassung aus dem Klerikerstand notwendig sein, gegebenenfalls auch eine Entlassung aus dem Ordensstand.“

ÖFFENTLICHKEIT. Das alles soll nicht hinter verschlossenen Türen passieren. Die öffentliche Beteiligung ist jedoch eingeschränkt: „Die entsprechende Information der Öffentlichkeit wird durch eine speziell mit dieser Aufgabe betrauten Person durchgeführt. Um zusätzlichen Schaden für die Opfer oder die ungerechtfertigte Diskriminierung eines Täters zu vermeiden, wird die Öffentlichkeitsarbeit sich um eine Ausbalancierung zwischen notwendiger Transparenz und dem Persönlichkeitsschutz bemühen.“

VORBEUGUNG. Ordensmitglieder sollen von der Ausbildung an begleitet werden. „Bei der Aufnahme von Kandidaten in die Ordensgemeinschaft ist auf mögliche Vorbelastungen zu achten.“ Weiter heißt es: „In der Ausbildungsphase ... wird ... die Auseinandersetzung mit Fragen und Problemen der Sexualität thematisiert. Außerdem werden Hilfen für den Umgang mit der eigenen Sexualität gegeben. Dies gilt ebenso für die lebenslange Fortbildung aller Ordensmitglieder, in deren Rahmen auch Kenntnisse über Anzeichen sexuellen Fehlverhaltens zu vermitteln sind.“ (rbg)

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