1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fritzlar-Homberg
  4. Fritzlar

Große Geschichte im großen Haus: Stadtmuseum eröffnet im Fritzlarer Hochzeitshaus

Erstellt:

Von: Daniel Seeger

Kommentare

Nach der umfassenden Sanierung bietet das Hochzeitshaus Platz für eine Dauerausstellung auf zwei Etagen, eine Sonderausstellung sowie einen Tagungsraum und ein Trauzimmer.
Nach der umfassenden Sanierung bietet das Hochzeitshaus Platz für eine Dauerausstellung auf zwei Etagen, eine Sonderausstellung sowie einen Tagungsraum und ein Trauzimmer. © Daniel Seeger

1300 Jahre Stadtgeschichte präsentiert das Museum Hochzeitshaus in Fritzlar seinen Besuchern – nach langer Renovierungspause und einer umfassenden Neukonzeption. Aus dem Regionalmuseum wurde ein Stadtmuseum.

Fritzlar – Fast vier Jahre wurde gebaut – nun konnte das Museum Hochzeitshaus in Fritzlar endlich seine Türen für die Öffentlichkeit öffnen. Auf drei Etagen können die Besucher einen Überblick zur Stadtgeschichte bekommen. Eine Sonderausstellung beschäftigt sich mit dem Umbau und der umfassenden Sanierung des Hochzeitshauses. Das soll künftig wieder seinem Namen gerecht werden: Im extra dafür eingerichteten Zimmer können sich Paare das Ja-Wort geben.

„Wir zeigen in unserem Museum, was Fritzlar besonders macht“, sagt Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat im HNA-Gespräch. Vor dem Umbau war das Haus ein Regionalmuseum – das ist nun anders. „Um die Besonderheiten von Fritzlar und seiner 1300-jährigen Geschichte zu dokumentieren, haben wir uns entschieden, den Schwerpunkt auf die reichhaltige Stadtgeschichte zu legen“, so Spogat weiter.

Stadtmuseum Fritzlar: Hochzeitshaus ist eines der größten Fachwerkhäuser der Region

Nach Auskunft der Stadt betragen die Sanierungskosten des Gebäudes 3,2 Millionen Euro, wovon 70 Prozent durch Fördergeld aus dem Landesprogramm „Lebendige Zentren“ gedeckt sind – was für die Stadt tatsächliche Kosten von 1,03 Millionen Euro bedeutet.

Für Mobiliar wie Vitrinen, Schränke und neue Medien sei die Stiftung Museum Fritzlar zuständig, die Träger des Museums ist. Die Gesamtfläche des renovierten Hochzeitshauses beträgt 2100 Quadratmeter, allein die Dauerausstellung nimmt rund 1200 Quadratmeter Fläche ein. Das Hochzeitshaus, erbaut zwischen 1580 und 1590 ist laut Stadt eines der größten Fachwerkhäuser Hessens.

Der erste Teil der Dauerausstellung im Erdgeschoss des nun auch barrierefrei zugänglichen Ausstellungshauses zeigt die Geschichte der Dom- und Kaiserstadt bis ins 16. Jahrhundert. Im ersten Obergeschoss geht es weiter bis in die Zeitgeschichte. Neu sind auch Video- und Audioinstallationen. „In der Ausstellung gibt es auch einiges zum Anfassen und Ausprobieren“, sagt Museumsleiterin Stefanie Mnich.

Ursprünglich war die Eröffnung des Museums für 2020 geplant, musste aber immer wieder verschoben werden. Sie verzögerte sich wegen Rohstoffproblemen und des anhaltenden Fachkräftemangels insgesamt um rund zwei Jahre.

In 20 Stationen können die Besucher jetzt die Fritzlarer Stadtgeschichte kennenlernen. Los geht die chronologisch angeordnete Ausstellung im Erdgeschoss des ungewöhnlichen großen und mit hohen Decken ausgestatteten Fachwerkhauses nicht etwa mit der Ersterwähnung vor 1300 Jahren, sondern weit vorher – mit geologischen Funden.

Wer das Museum betritt, wird empfangen von historischen Gemälden – Stadtansichten von einem Fritzlar aus einer anderen Zeit. Und trotzdem ist vieles sehr vertraut. „Der Blick auf die Stadt ist das Hauptthema der Ausstellung“, sagt Mnich. Dabei nimmt diese ganz unterschiedliche Perspektiven ein und wirft Schlaglichter auf verschiedenste Ereignisse, die prägend für die Geschichte der Dom- und Kaiserstadt waren. „Das Hochzeitshaus bleibt der inhaltliche Ankerpunkt“, so Mnich weiter. Insbesondere im Obergeschoss, das die Zeit ab der Reformation behandelt, wird das Hochzeitshaus zu einem zentralen Element der Erzählung.

Museum Hochzeitshaus in Fritzlar geht mit neuem Konzept an den Start

Und auch konzeptionell hat sich einiges getan. So gibt es nicht nur Dinge zu bestaunen und Texte zu lesen, sondern auch Hör- und Multimediastationen. Neu ist, dass es auch vieles zum Ausprobieren und Anfassen gibt. Wie zum Beispiel Karnevalsbekleidung zum Anziehen – zur Verfügung gestellt von den Eddernarren. In Schubladen, die unterhalb der Vitrinen eingebaut sind, befinden sich Objekte und Texte, die für eine inhaltliche Vertiefung sorgen sollen – oder zum Anfassen sind. Wie etwa ein handgefertigtes Brigida-Kreuz aus Stroh, das heute noch von Kindern in Irland gebastelt wird, wie Mnich berichtet. In Fritzlar steht es im Zusammenhang mit der Christianisierung, im Frühmittelalter „Wir haben mit zahlreichen Institutionen kooperiert“, sagt Museumsleiterin Mnich über die Ausstellung. Zum Beispiel mit dem Naturkundemuseum Ottoneum in Kassel, das bei der Restauration half. Experten der Uni Mainz erstellten eine 3-D-Animation vom Züschener Steinkammergrab, das um 3500 vor Christus entstanden ist.

Nicht wenige Objekte sind Spenden oder Leihgaben von Fritzlarer Bürgern. Viele stammen aus Betrieben, die in der Dom- und Kaiserstadt ansässig sind oder waren. „Ich habe die Hoffnung, dass sich der ein oder andere Besucher noch an dieses Ausstellungsstück erinnert“, sagt Mnich über eine große Plattenkamera, die im ersten Obergeschoss des Museums steht.

Die stammt aus dem 19. Jahrhundert, wurde aber auch später noch beim Fotografen Roland in der Kasseler Straße in Fritzlar verwendet. „Das Gerät ist übrigens immer noch funktionstüchtig“, ergänzt Mnich.

Informationen: Das Museum ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 12 bis 16.30 Uhr geöffnet. Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Schulklassen, Kindergärten und Kinder bis 6 Jahren haben freien Eintritt. Turnusmäßige kostenfreie Führungen finden jeden Donnerstag ab 15 Uhr statt. fritzlar.de/freizeit-tourismus/tourismus/museen-sehenswuerdigkeiten/

Auch interessant

Kommentare