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Ein Naturerlebnis für alle Sinne – Übernachtung in einem Schäferwagen in Obermöllrich

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Von: Cora Zinn

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An diesem Schild wird das Auto abgestellt.
An diesem Schild wird das Auto abgestellt. © Cora Zinn

Keine Menschenseele weit und breit, die Eder zum Baden ist nur einen Katzensprung entfernt: Eine Nacht im Schäferwagen in Obermöllrich – Das probierte HNA-Redakteurin Cora Zinn in einem Selbstversuch aus.

Obermöllrich – Angekommen auf dem Grundstück in Obermöllrich, richtet sich mein erster Blick auf das liebevoll angebrachte Parkplatzschild: „Schäferwagen“. Dort stelle ich mein Auto ab und mache mich auf den Weg. Ganz von selbst richtet sich der nächste Blick auf den Boden: Helle Holzspäne kennzeichnen den Weg hoch zum Schäferwagen, welcher auch Tinyhouse genannt wird.

Und da steht er: Der Schäferwagen aus Holz. Nicht nur außen ist alles mit kleinen, liebevollen Details versehen, sondern auch der Wagen ist innen so ausgestattet. All das hat Cornelia Döring liebevoll eingerichtet. Sie ist die Vermieterin des Schäferwagens – ein neues Angebot. „Ich habe schon immer von einem Schäferwagen geträumt. Meine Gäste sollen hier komplett abschalten“, sagt Döring, als sie mir alles zeigt.

Der Schäferwagen: Der Schäferwagen steht im Fritzlarer Stadtteil Obermöllrich. Er ist ausgestattet für die Übernachtung in der Natur. Man kann allein oder zu zweit auf einem naturbelassenen Grundstück ganz ungestört verbringen – und abschalten. Das mit dem Abschalten funktioniert gut: Man hat dort nämlich keinen Handyempfang. So stört wirklich niemand mehr.

Übernachtungen im Schäferwagen können von April bis Oktober gebucht werden. Der Wagen verfügt über eine Bettnische mit einer Matratze, die 1,40 mal 2 Meter misst. Bettdecken und Kissen sind mit rot-weißer Bettwäsche bezogen. Der Schäferwagen aus Holz sorgt schnell für eine idyllische Atmosphäre. „Das Bett kann man hochklappen und bei schlechtem Wetter im Schäferwagen mit Tisch frühstücken“, sagt Döring.

Selfie vor dem Eingang des Schäferwagens. Damit keine Insekten reinkommen, ist ein Fliegengitter befestigt.
Selfie vor dem Eingang des Schäferwagens. Damit keine Insekten reinkommen, ist ein Fliegengitter befestigt. © Cora Zinn

Die Ausstattung: Für den Abend bieten Kerzen und eine solarbetriebene Tischlampe Licht und sorgen für Gemütlichkeit und etwas Romantik. In den Schäferwagen führen drei verschieden hohe Holzstämme als Treppe. Eine orange farbene Fußmatte mit dem Schriftzug „Home“ ziert den Eingang des Wagens. Doch das Wort hätte dort gar nicht stehen müssen – man fühlt sich sowieso gleich wie zuhause.

Im Schäferwagen stehen Bücher und ein Gästebuch. Außerdem gibt es Kartenspiele, damit es ohne Handy nicht zu langweilig wird. Zudem ist für Notfälle gesorgt: Ein kleiner Notfallkasten ist ausgestattet mit Pflastern, Salben und Verbänden. Cornelia Döring hat an alles gedacht: Hier fehlt es einem wirklich an nichts.

Links neben dem Schäferwagen steht eine selbst gebaute, stilgetreue „Minibar“. Döring hat einen Eimer gestaltet, beschriftet und diesen mit kühlen Getränken aufgefüllt: Bier, Wein, Säfte, Wasser – Alles, was das Herz begehrt.

Liebevoll eingerichtet: Der Schäferwagen von innen. Die rot-weiße Bettwäsche im Zusammenspiel mit dem Holz bietet eine schöne Atmosphäre.
Liebevoll eingerichtet: Der Schäferwagen von innen. Die rot-weiße Bettwäsche im Zusammenspiel mit dem Holz bietet eine schöne Atmosphäre. © Cora Zinn

Die Komposttoilette: Das große Grundstück hat auch eine Toilette zu bieten. Eine Kompost-Trenntoilette – funktioniert gut und ist zudem noch umweltfreundlich. Da wird selbst der Toilettengang zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Auch für die weitere Hygiene ist gesorgt: Außen gibt es einen Spiegel, Waschbecken und Handtücher. „Eine Dusche gibt es nicht“, sagt Döring. Die braucht man für den Kurztrip in die Natur auch nicht.

Die Anleitung: Innen an einer Wand des Wagens klebt eine liebevoll geschriebene Anleitung: „Bitte geht in diesen Schäferwagen nur mit Socken. Trinkt den Rotwein und die stark färbenden Getränke draußen. Betrunkene können hier leider nicht rein. Und Hunde nur, wenn sie nicht ins Bett gehen. Wir wünschen eine schöne Nacht.“

All diese Regeln wurden in der Test-Nacht selbstverständlich befolgt.

Der Abend: Ein Höhepunkt am Abend ist das Baden in der Eder. Nach einem 30 Grad warmen Sommertag sorgt das für die notwendige Abkühlung. Nach dem Baden tut eine Verschnaufpause in der Abendsonne einfach gut – sie wirkt wie ein Seelenwärmer.

Die Gäste sitzen direkt vor dem Wagen geschützt unter einem Sonnensegel. Ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen lädt zum Verweilen ein. Man hört nur die Vögel zwitschern, die Schafe blöken nebenan und sonst hört man nur noch den Wind rauschen. Ein perfekter Ort, um dem stressigen Alltag zu entfliehen. Mit einem Buch in der Hand, einer Decke über die Beine gelegt und einem Glas Wein ist der Abend am Schäferwagen vor allem eines: herrlich. Wenn dann noch die Abendsonne den Schäferwagen aus Holz in sanftes Licht hüllt, dann kann man ohne Übertreibung von einem perfekten Moment sprechen.

Die Nacht: Jetzt geht’s ins Bett – und zwar mit Solarlampe ausgestattet und dem Duft von Holz in der Nase. Der gesamte Wagen riecht am Abend noch mehr nach Holz. Gemütlichkeit pur. Von draußen hört man zum Einschlafen nur noch das Zirpen der Grillen. Da sind eine ruhige Nacht und wohlige Träume garantiert.

Frühstück am Morgen: Cornelia Döring liefert regionale Produkte vom eigenen Biohof in Zennern.
Frühstück am Morgen: Cornelia Döring liefert regionale Produkte vom eigenen Biohof in Zennern. © Cora Zinn

Der Morgen: Einem Hahn aus der Nachbarschaft gefällt es wohl, die Gäste zu wecken: Am Morgen wurde ich von seinem „Kikeriki“ aus dem Schlaf geholt. Um Punkt neun Uhr, wie verabredet, bringt Döring das bestellte Frühstück vorbei. Frischer Kaffee, frische Brötchen, Butter, regionaler Käse vom Kellerwaldhof Häusling aus Oberurff, selbst gemachte Marmelade und Honig von Cornelia Döring. Besonders köstlich sind die frischen Eier vom Biohof ihres Sohnes, Till Döring. Gesättigt und sehr zufrieden nach diesem tollen Frühstück genieße ich noch die Ruhe für einige Minuten, ehe mich das Auto wieder zurück in den plötzlich noch lauter wirkenden Alltag bringt.

Die Erfahrung: Wer dem Alltagsstress, dem Trubel und Telefonaten entfliehen möchte, ist beim Schäferwagen in Obermöllrich genau richtig. Insgesamt ist es sehr ruhig auf dem Grundstück. Wer sich darauf einlässt, hat die Möglichkeit, komplett bei sich und mitten in der Natur zu sein. Auch das Baden in der Eder ist ein Höhepunkt. Cornelia Döring zeigt gerne, wo sich der Badebereich befindet. Überhaupt ist die Gastgeberin sehr hilfsbereit und zugewandt. Fazit: Ein rundum gelungener Selbstversuch, den man nur zu gerne wiederholen würde. (Cora Zinn)

Kontakt: Cornelia Döring, Tel. 01 70/60 46 955.

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