Aggressiv und rücksichtslos 

Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr: So lautet das Urteil gegen einen 23-Jährigen

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23-Jähriger aus Somalia wurde wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vom Amtsgericht Fritzlar unter anderem zu 90 Stunden gemeinnützige Arbeit verurteilt. 

Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr hat das Amtsgericht Fritzlar einen 23 Jahre alten Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einem „Katalog von Auflagen” verurteilt, wie es Richterin Riechers formulierte.

Wenn er die Auflagen nicht erfülle, müsse er vier Wochen in den Arrest. Der 2013 aus Somalia geflüchtete, bisher nicht vorbestrafte Mann, muss nun 90 Stunden gemeinnützige Arbeit nach Weisung der Jugendgerichtshilfe leisten, einen Deutschkurs absolvieren, mit Urinproben nachweisen, dass er keine Drogen und keinen Alkohol mehr konsumiert, an Beratungsgesprächen sowie am Programm „Jugend stärken im Quartier” des Starthilfe-Ausbildungsverbundes teilnehmen. 

Vorfall ereignete sich am 12. April 2018 in Kassel 

Der Beschuldigte verzichtete auf Rechtsmittel, damit ist das Urteil bereits rechtskräftig. „Sein Verhalten war sehr gefährlich”, kommentierte die Richterin bei der Urteilsverkündung das, was am 12. April 2018 auf der Erzberger Straße in Kassel passiert war. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hatte der junge Mann „im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit zwei weiteren Männern” vor einem Hotel vier leere Müllonnen vor einen voll besetzten KVG-Linienbus und einen Kleintransporter geworfen. 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten die beiden Fahrer einen Zusammenstoß nur durch eine Vollbremsung verhindern. Verletzt wurde niemand. Ein Mittäter war bereits zu einer Strafe von 1200 Euro verurteilt worden, der dritte Beschuldigte wird polizeilich gesucht. Er könne sich an nichts erinnern, sagte der 23-Jährige vor dem Amtsgericht. Er habe vorher Alkohol getrunken und Kokain genommen, gab er zu. 

Der Vater des Angeklagten war selbst Busfahrer 

Die Untersuchung ergab 2,32 Promille. „Ich weiß es nicht”, antwortete der Angeklagte auf die Frage der Richterin, wer auf die Idee gekommen sei, Mülltonnen vor die Fahrzeuge zu werfen. Der in Somalia getötete Vater sei auch Busfahrer gewesen, betonte die Richterin und sagte zum Angeklagten: „Stellen Sie sich vor, das wäre Ihrem Vater passiert.” 

Zwei Zeugen sagten aus, der Angeklagte sei „ganz aggressiv” und „völlig rücksichtslos” gewesen. Die Männer hätten die Tonnen mehrfach auf die Straße geworfen, die Fahrer von Bus und Kleintransporter hätten sehr stark bremsen müssen, der Verkehr sei von beiden Seiten beeinträchtigt worden. Der Angeklagte sei auch mit der Scherbe einer zerschlagenen Schnapsflasche auf sie zugegangen, berichteten die Zeugen. 

"Nichts Gravierendes passiert"

Die Staatsanwältin sprach von aggressivem Verhalten und Bedrohung. Sie schloss sich in ihrem Antrag den Empfehlungen der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe an, und dem folgte im wesentlichen auch die Richterin. Der Beschuldigte, der keinen Schulabschluss hat, in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt und monatlich 292 Euro vom Jobcenter bekommt, sei wegen des Alkohol- und Drogenkonsums bei der Tat „nicht komplett schuldfähig” gewesen. Beruflich habe er sich nicht integrieren können. 

Für ihn spreche, dass er die Tat nicht abgestritten habe und er nicht vorbestraft sei. Es sei ein Zufall, dass bei dem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr „nichts Gravierendes passiert ist”.

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