Coronakrise

Restaurants in Fritzlar sind wieder geöffnet: Neustart unter schwierigen Bedingungen

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Sieht die Wiederöffnung unter den gegebenen Umständen skeptisch: Andreas Terstiege von der Weinstiege in Fritzlar. Die Fünf-Quadratmeter-Regel trifft ihn hart: Nur acht Sitzplätze darf er auf seinem 40 Quadratmeter Außenbereich anbieten.

Auf dem Marktplatz in Fritzlar stehen wieder Tische und Stühle vor den Lokalen. Nach Wochen sind sie erstmals wieder belegt. Wir haben uns umgehört.

  • Restaurants und Cafés öffnen wieder
  • Fünf-Quadratmeter-Regel gilt in Hessen
  • Gastronomen arbeiten in Zeiten von Corona unter erschwerten Bedingungen

Fritzlar – Restaurants, Cafés und Gaststätten dürfen wieder öffnen - unter schwierigen Bedingungen. Dadruch hat sich viel verändert. Restaurantbesucher müssen vorher reservieren und nach der Ankunft Name und Adresse in eine Liste eintragen. Auf den Tischen liegen keine Decken, es gibt keine Salz- und Pfefferstreuer und die Bedienungen tragen einen Mund-Nasen-Schutz.

Corona: Restaurants und Cafés in Fritzlar sind wieder geöffnet

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gilt in Hessen die Regel: ein Kopf pro fünf Quadratmeter – auch im Außenbereich. Gerade die letzte Vorgabe stößt bei vielen Gastwirten in Fritzlar auf Unverständnis. Cor van Leeuwen vom Café Hahn am Marktplatz sagt: „Diese Regel verstehe ich nicht.“

Hat im Freien wegen der Fünf-Quadratmeter-Regel nur zehn Plätze für Gäste: Cor von Leeuwen, Inhaber Café Hahn in Fritzlar.

Er ist der Meinung, dass im Freien ein Abstand von rund zwei Metern ausreicht. Vor Corona hatte van Leeuwen draußen 48 Sitzplätze, nun sind es noch zehn. „Ich hoffe, dass es anläuft“, sagt er. Für das Wochenende habe er bereits Reservierungen.

Wegen Corona müssen sich Restaurants und Cafés in Fritzlar bei der Wiederöffnung an strenge Auflagen halten

Im Eiscafé del Corso hat sich auf einem der 17 anstatt 100 Stühle im Außenbereich Dr. Otto Schlotthauer niedergelassen. „Ich freue mich, dass es wieder geöffnet hat, und genieße seit langer Zeit den Mittag vor der Eisdiele“, sagt der Fritzlarer. Die neuen Hygienevorgaben umzusetzen ist laut Inhaberin Simonetta Skamla aufwendig. „Wir benötigen mehr Personal, haben aber weniger Einnahmen.“

Jeder Gast muss sich mit Namen und Adresse in eine Liste eintragen - das ist allgemeine Vorschrift. Simonetta Skamla vom Eiscafé del Corso in Fritzlar trägt beim Bedienen eine Mund-Nasen-Maske.

Andreas Terstiege von der Weinstiege wischt seine Tische im Außenbereich ab. Auf seinen 40 Quadratmetern darf er lediglich acht Sitzplätze anbieten. Die Wiederöffnung lohne sich für ihn deshalb kaum. Die Fixkosten seien unter den gegebenen Umständen höher als die Einnahmen. „Aber wir sind froh, dass Gäste vorbeikommen.“

Wiederöffnung in Zeiten von Corona: Weniger Plätze in Restaurants und Cafés

Bei Florian Hetzler werden bereits die ersten Gäste bewirtet. Zwölf Leute anstatt 60 dürfen im Außenbereich des seines Restaurants Platz nehmen. Drinnen sind es auch zwölf anstatt 40. „Es lohnt sich eigentlich gar nicht, aufzumachen“, sagt der Inhaber. Sein Speisenangebot hat er um die Hälfte reduziert. Dennoch blickt er optimistisch auf das Wochenende.

Florian Hetzler hat die Speisekarte seines Restaurants reduziert. 

Seyhan Duru von der Pizzeria Avanti ist gespannt, wie sich alles entwickelt und schaut nach vorne: „Das wird schon.“ Seine 25 Plätze im Freien hat er auf vier reduzieren müssen, drinnen bleiben neun von 27.

Auch Seyhan Duru von der Pizzeria Avanti verfügt nach der Wiederöffnung über deutlich weniger Sitzplätze, blickt aber optimistisch in die Zukunft.

Monika und Norbert Schütz aus Fritzlar haben sich für ein Mittagessen bei „Das Nägel“ entschieden. Nachdem sie acht Wochen selbst gekocht haben, wollen sie nun die Gelegenheit nutzen, die heimische Gastronomie zu unterstützen.

Wiederöffnung: Das Ordnungsamt kontrolliert die Einhaltung der Corona-Auflagen in Fritzlar

Kontrolliert werden die strengen Hygiene- und Abstandsregeln von den Mitarbeitern des Ordnungsamts. „Bis jetzt sind uns noch keine gravierenden Verstöße aufgefallen“, sagt Jessica Kurz, die mit ihrem Kollegen in der Innenstadt unterwegs ist. Vorhandene Mängel würden am Wochenende noch mal überprüft.

Bürgermeister Hartmut Spogat kann die Sorgen der Fritzlarer Gastwirte hinsichtlich der Fünf-Quadratmeter-Regel verstehen. Doch er verweist auf die „Verordnung zur Beschränkung sozialer Kontakte und des Betriebs von Einrichtungen und Angeboten“ des Landes Hessen. 

Fritzlar: Bürgermeister Spogat über die Fünf-Quadratmeter-Regel bei Wiederöffnung

„Explizit wird darin benannt, dass maximal eine Person je angefangener für den Publikumsverkehr zugänglicher Grundfläche von fünf Quadratmetern eingelassen wird – und zwar sowohl im Innen- als auch im Außenbereich.“

Um das Problem für die Gastronomen weitestgehend zu beheben, will Spogat mehr Fläche auf dem Marktplatz zur Verfügung stellen, damit die Anzahl der Gäste nicht maßgeblich reduziert werden müsse. Außerdem wolle er das Dilemma in einer Telefonkonferenz Anfang der Woche mit den Verantwortlichen thematisieren.

Am Sonntag finden in vielen Orten erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise im März wieder Gottesdienste statt, so auch in Homberg.

Der Summer of Pioneers (Sommer der Pioniere) wird aufgrund der Coronakrise verschoben – und zwar um ein ganzes Jahr. 50 Menschen wollten an dem Projekt teilnehmen.

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