Ende einer Ära

Fritzlarer Stadtarchivar Clemens Lohmann geht in Ruhestand

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In Fritzlar dürfte diesen Mann vermutlich jeder kennen: Stadtarchivar Clemens Lohmann gehört seit Jahrzehnten zum Inventar der Stadt– nicht zuletzt auch, weil er sich intensiv mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt hat.

Ende des Monats verlässt der Fritzlarer Archivar Clemens Lohmann seinen Posten im Spitzenhäuschen. Nach mehr als 30 Jahren erwartet ihn der Ruhestand.

Fritzlar – Eigentlich gibt es in Fritzlar zwei Archive. Einmal sind es die vielen Bücher, Dokumente und Akten, die sich wohl sortiert in unterschiedlichen Regalen im Spitzenhäuschen türmen. Und dann wäre da noch das Gedächtnis eines stadtbekannten Mannes: Clemens Lohmann.

35 Jahre lang arbeitete er als Stadtarchivar. Ende des Monats übergibt er die Arbeit an seinen Nachfolger Dr. Christian Wirkner. Doch für Lohmann ist klar: Das Eintauchen in die Vergangenheit hat noch lange kein Ende.

Fritzlar: Archivar Clemens Lohmann ist fasziniert vom historischen Fritzlar

„Tränen vergießen? Ach, das hatte ich jetzt eigentlich nicht vor“, sagt der 65-Jährige mit Blick auf seinen Abschied und schaut verlegen über seine Brille. So kennt man Fritzlars Stadtarchivar: bodenständig, handfest, unkompliziert, uneingebildet.

Dabei hätte Lohmann allen Grund dazu. Denn vermutlich kennt fast niemand die historische Entwicklung der Domstadt so detailliert wie er. Die jüdische Vergangenheit der Menschen in Fritzlar, die Bedeutung der Straßennamen, Familiengeschichten, politische Ären – all dies habe Lohmann bereits als Jugendlichen fasziniert.

Dass er sich später einmal mit Findbüchern, Verzeichnissen, Registern und alten Dokumenten auseinandersetzen würde, dafür trage maßgeblich sein Großvater die Verantwortung. „Er hat mich schon früher mit in die Kreissparkasse genommen und mir die Tresorfächer mit alten Schätzen gezeigt.“

Geht nach Jahrzehnten in den Ruhestand: Der Fritzlarer Archivar Clemens Lohmann verlässt das Stadtarchiv nach einer langen Zeit. Er ist eines der bekanntesten Gesichter in der Stadt.

Auch sein Opa sei fasziniert gewesen vom Vergangenen, habe gesammelt und sortiert. Jahre später entdeckt Clemens Lohmann in einem alten Dokument, dass sein Großvater seinerzeit selbst als Archivpfleger eingesetzt werden sollte. „Es war daher wohl Schicksal, was aus mir wird“, sagt er und lacht. Archivpfleger, findet Lohmann, sei ohnehin die richtige Bezeichnung für seine Arbeit.

„Einen solchen Bestand muss man mit Herzblut hegen und pflegen.“ Spaß am Ordnen, Nachforschen, Hinterfragen, Restaurieren, Sammeln – darum gehe es. „Bewahre das dir Anvertraute“ sei einer seiner Leitsätze dabei gewesen. „Ich habe sogar noch eine Kugel Zuhause, mit der einer meiner Vorfahren in die Wange geschossen wurde“, erzählt Lohmann. Und von wem hat er die natürlich übernommen? Klar, vom Großvater.

Fritzlar: Archivar Clemens Lohmann will auch im Ruhestand forschen

Für den Fritzlarer, der in Göttingen Politik, Soziologie und Geschichte studierte, hört das Forschen im Ruhestand keinesfalls auf. „Ich werde mich nun intensiv mit meiner eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen und diese schreiben.“ Archivar sei man schließlich für immer.

Wer eine Frage zur Fritzlarer Geschichte hat, sei nun auch bei Nachfolger Wirkner bestens aufgehoben, der das Stadtarchiv viel digitaler angehe. „Mit dem Computer war ich ja nie so gut befreundet“, sagt Lohmann und winkt ab. Für den einen oder anderen Fritzlarer wird der 65-Jährige aber ein lebendiges Lexikon und damit ein guter Ansprechpartner bleiben. „Ach, ich rufe den Lohmann an, der weiß das bestimmt“, dieser Satz sei schon oft gefallen und werde auch weiterhin fallen, ist sich Lohmann sicher.

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