Die Menschen brauchen jetzt viel Trost

Fritzlarer Dekanin spricht über Beerdigungen in Coronazeiten

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Erschwerter Abschied: An Beerdigungen dürfen in Coronazeiten höchstens 20 Personen teilnehmen.

Beerdigungen sehen in der Coronakrise anders aus:

Der Kreis der Trauernden wurde auf höchstens 20 Menschen beschränkt. Damit wird das Abschiednehmen von Verstorbenen für viele noch schwerer.

Sind Beerdigungen in diesen Zeiten emotional noch schwerer als sonst?

Sabine Tümmler: Ja, durchaus. Wenn ein nahestehender Mensch stirbt, wir Abschied nehmen müssen, brauchen wir Beistand. Eine Hand, die uns hält, eine Schulter zum Anlehnen, eine Umarmung, die uns tröstet. All das ist in dieser Zeit ja mit einem Male selten geworden.

Wie geht man als Hinterbliebener damit um, dass man nur mit wenigen anderen Abschied nehmen kann?

Das ist für die Trauernden nicht einfach. Die engste Familie wünscht sich oft die Nähe der Mittrauernden, andere würden gern den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten. Aber wir versuchen derzeit ja alle zu verstehen, dass Fürsorge und Mitgefühl sich heute anders ausdrücken muss als sonst: Fürsorge heißt jetzt, körperlich Abstand zu halten und nur im kleinen Kreis zusammen zu kommen.

Das schließt aber nicht aus, dass man von Herzen inneren Beistand gibt und fühlt. Auch wenn man sich nicht die Hand geben und umarmen kann.

Das ist aber doch für die meisten Menschen sehr schwer, oder?

Auf jeden Fall. Innerlich hat man doch den Impuls, den anderen in den Arm zu nehmen, Nähe zu zeigen. Aber das muss man sich leider immer wieder bewusst machen: In dieser Ausnahmezeit sieht Nähe anders aus als sonst.

Das ist für viele schwer zu lernen.

Es ist wichtig, das jetzt ganz schnell zu lernen. Sich zuwinken, liebevolle Blicke austauschen, eine Karte schreiben, sich anrufen – und auch füreinander beten – all das zählt. Nicht nur im Trauerfall. All das schafft Verbundenheit. Wir können Anteilnahme nur durch die Ausdrucksformen zeigen, die jetzt gerade möglich sind. Wenn man nicht an der Bestattung teilnehmen darf, kann man daheim eine Kerze für den Verstorbenen anzünden und so Anteilnahme ausdrücken.

All das ist aber nur ein Behelf oder ein Ersatz, um den anderen einfach kurz zu drücken und zu spüren.

Ja, es ist ein Behelf. Aber noch einmal: Fürsorge bedeutet in diesen Tagen vor allem eines – Abstand zu bewahren.

Wie ist das für die Seelsorger in diesen Zeiten?

Es ist auch für Pfarrerinnen und Pfarrer eine herausfordernde Situation. Sie möchten die Trauernden ja weiterhin aufmerksam und tröstend begleiten und nehmen selbst Anteil am Schmerz der Betroffenen. So gestalten sie selbstverständlich auch unter diesen Umständen eine würdevolle Trauerfeier, sind präsent.

Und auch wenn zurzeit keine Menschenmengen zu Beerdigungen kommen dürfen: Auch eine kleine Runde teilt die Hoffnung des Evangeliums – und den Trost, den es gibt.

Trost ist wohl einer der wichtigsten Begriffe dieser Wochen....

Ja. Und der Begriff Trost passt sehr gut in die Passionszeit. Das Leben hat unzählige Ecken und Kanten, ist immer wieder vom Tod bedroht. Der Glaube blendet das nicht aus: Jesus schenkt Hoffnung auf Leben über den Tod hinaus. Es tröstet mich, dass das Evangelium nicht vor der Grenze des Lebens haltmacht, Gott dem Tod nicht ausweicht.

Es ist aber für viele Menschen gerade richtig schwer, Trost zu finden.

Aber das ist eine Botschaft, die nicht nur in sonnigen Zeiten gilt! Niemand muss Angst vor Beerdigungen mit wenigen Menschen haben. Die Feiern verlaufen im Grunde genauso wie sonst auch. Würdevoll. Tröstlich. Und die Bestatter arbeiten ja auch weiter gut und hilfreich mit uns zusammen.

Auch wenn die meisten Trauerfeiern nicht wie sonst in der Friedhofshalle stattfinden, sondern draußen und mit viel Abstand. Dennoch: Als Pfarrerinnen und Pfarrer tun wir, was wir tun können. Wir wollen für die Menschen da sein. Und wir bleiben auch da.

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