Arbeiten schreiten voran

Fritzlarer Hochzeitshaus zeigt Stadtgeschichte: Museum öffnet Anfang 2022 

Arbeiten an einem Jahrhunderte alten Hundeskelett: von links der Architekt Volker Umlauf, die Museumsleiterin Stefanie Mnich und der Wirbeltierparläontologe Dr. Hans-Volker Karl begutachten einige Exponate.
+
Arbeiten an einem Jahrhunderte alten Hundeskelett: von links der Architekt Volker Umlauf, die Museumsleiterin Stefanie Mnich und der Wirbeltierparläontologe Dr. Hans-Volker Karl begutachten einige Exponate.

Das Fritzlarer Hochzeitshaus verwandelt sich mehr und mehr in ein modernes, barrierefreies Museum, das auf drei Etagen die Fritzlarer Stadtgeschichte erzählt.

Noch stehen einige handwerkliche und konzeptionelle Aufgaben aus, aber Bürgermeister Hartmut Spogat und Museumsleiterin Stefanie Mnich prognostizieren: Anfang nächsten Jahres soll endlich eröffnet werden.

Schon oft musste die Stadt den Termin verschieben. Grund dafür seien Rohstoffprobleme und der Mangel an handwerklichen Fachkräften, berichtet Spogat. In wenigen Monaten soll es aber wirklich losgehen. Bei einem Probebesuch der rund 20 unterschiedlichen Stationen ist zu erkennen: Die Arbeiten im Hochzeitshaus sind trotz der Verzögerungen deutlich vorangeschritten. Im Oktober 2017 wurde das Gebäude entkernt. Insgesamt hat man rund drei Millionen Euro in die Hand genommen, die das hessische Landesprogramm „Lebendige Zentren“ zu 70 Prozent fördert.

In zwei Dauerausstellungen wird die Geschichte Fritzlars im Erdgeschoss bis ins 16. Jahrhundert und im ersten Obergeschoss nachfolgend ab 1526 bis heute dokumentiert. Die Interaktion mit den Museumsbesuchern soll dabei ein wichtiger Bestandteil sein, sagt Mnich. Hör- und Videostationen sowie Filmschnitte sind auf allen Etagen geplant. „Solche Elemente gehören in ein modernes Museum“, erklärt die Leiterin.

Zuletzt kannten die Menschen aus Fritzlar und Umgebung das Hochzeitshaus als Regionalmuseum, in dem zahlreiche Exponate ausgestellt waren. Gezeigt wurden Keramiken, eine Sammlung gusseiserner Öfen, sogenannter Feierabendziegeln und verschiedene Möbel. Beim neuen Museum gehe es darum, den Fokus auf die Fritzlarer Historie zu legen, sagt Mnich. Es handele sich also um eine völlig neue konzeptionelle Ausrichtung.

Neben den Dauerausstellungen wird es auf der dritten Etage des Hochzeitshauses einen Raum für Sonderausstellungen geben. Zudem ist ein Raum entstanden, indem man sich standesamtlich trauen lassen kann – so wird das Hochzeitshaus seinem Namen einmal mehr gerecht.

Verein und Stiftung betreiben das Museum 

Der Museumsverein und Stiftung betreiben das Museum, die Stadt hat sich um den Bau gekümmert. Große finanzielle Unterstützung habe die Stadt vom Hessischen Museumsverband bekommen, berichtet Bürgermeister Hartmut Spogat. Dieser habe das Projekt, das eines der größten in der Umgebung sei, außerdem die ganze Zeit wissenschaftlich begleitet. Die inhaltliche Konzeption übernahm das Büro Hau & Krause aus Marburg. 

Arbeiten im Hochzeitshaus sind weit vorangeschritten

Fritzlar – Die Jahrhunderte alte Geschichte der Domstadt ist demnächst komprimiert auf mehreren Ebenen in einem einzigen Gebäude zu finden. Die Stadt lädt sozusagen zu einer Zeitreise von der Geologie über die Reformation bis hin zur Gegenwart im Hochzeitshaus ein. Das im 16. Jahrhundert erbaute Haus, das ab Anfang des kommenden Jahres als modernes Museum eröffnet wird, ist dabei selbst ein Ausstellungsstück.

Auf mehr als 2000 Quadratmetern können die Museumsbesucher künftig stöbern, entdecken und ausprobieren. Alte Gefäße, Werkzeuge und Knochenfunde liegen im Erdgeschoss aus. Ein historisches Fenster gleich hinter der Eingangstür macht den Anfang einer Reise in vergangene Jahrhunderte. Museumsleiterin Stefanie Mnich steckt schon voller Tatendrang „Wir wollen ganz Aktionen und Führungen anbieten.“ Lesungen, Workshops für Kinder, Kulinarisches – Ideen gebe es viele.

Interaktion sei ohnehin das zentrale Element in einem modernen Museum. Ohne zu viel verraten zu wollen, verspricht Mnich schon jetzt: „Es wird ein 3D-Steinkammergrab geben. Wir gestalten Ausziehschubladen mit Frage-Antwort-Spielen, bieten Hörstationen und Filmschnitte an.“ Die Historie der Domstadt inklusive der tausende Exponate, die es bereits vorher im Regionalmuseum gegeben habe, sei äußerst komplex. „Wichtig ist aber, das Ganze gut portioniert für die Besucher herunterzubrechen.“ So hätte man sich am Ende für die Ausstellung von etwa zwei Dritteln des ursprünglichen Inventars entschieden.

Das Hochzeitshaus in Fritzlar wurde zu unterschiedlichen Zwecken genutzt: Es war schon Festhaus, Schule und Militärlazarett – bald ist es ein modernes Museum.

Im ersten Obergeschoss können die Besucher dann noch weiter in die Fritzlarer Stadtgeschichte eintauchen. „Wir beginnen dort zur Zeit der Reformation“, erklärt Mnich und zeigt auf einige Ausstellungsstücke, die bereits im Raum inszeniert sind. Dazu gehört zum Beispiel eine alte Fotokamera aus dem frühen 20. Jahrhundert. Was das Museum genau in den beiden Dauerausstellungen zeigt, wollen Spogat und Mnich natürlich noch nicht vollständig verraten. „Die Menschen sollen Lust auf einen Besuch bekommen.“ Denn beide seien sich sicher: Er lohnt sich.

Aber nicht nur das, was im Hochzeitshaus ausgestellt ist, sondern auch das Gebäude selbst habe hohen historischen Wert. Die oberste Etage soll somit etwas über das Museale hinaus bieten. Ganz oben sind ein Zimmer für Trauungen sowie ein Raum für Sonderaustellungen gebaut worden. Außerdem gibt es einen Bereich, in dem man sich beispielsweise für Workshops treffen könne, sagt Spogat.

Experten beschäftigen sich derzeit damit, die Exponate – vor allem die, die zum Teil Jahrtausende alt sind – genau zu begutachten, einzuschätzen und aufzubereiten. Der Wirbeltierparläontologe Dr. Hans-Volker Karl arbeitet unter anderem an einem uralten Hundeskelett, das gefunden wurde. Ob es Teil der Ausstellung wird, sei noch nicht entschieden.

Wenn das Museum Anfang nächsten Jahres eröffnet wird, kommt Fritzlar mit einem umfangreichen Angebot für Besucher aus der Gegend und Touristen daher. Denn neben dem Hochzeitshaus wurde im September dieses Jahres auch das Dommuseum im Stiftsgebäude komplett saniert und neu gestaltet. Das Bistum Fulda rückt dabei den kirchlichen Werdegang der Domstadt in den Mittelpunkt. „Wir sehen das Museum nicht als Konkurrenz“, betont Spogat. Vielmehr überlege man Kombi-Karten zu verkaufen, um den Besuchern am Ende ein ganzes Paket bieten zu können. (Daria Neu)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.