Ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk

Fritzlarer sammelt Flaschen und schenkt Schwiegertochter den Erlös - Die Summe ist beachtlich

Heinz-Peter Göbel, rechts neben ihm ein Sack voller Pfandflaschen, links neben ihm Glasflaschen mit zusammengerollten Geldscheinen.
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Der Erlös von über einem Jahr Sammeln: Heinz-Peter Göbel verstaute die 6050 Euro in Flaschen.

Dass ein Mann seiner Schwiegertochter zum Geburtstag ein Geldgeschenk macht, ist eigentlich normal. Nicht normal ist, wie die Geldsumme im Fall eines Fritzlarers zustande gekommen ist.

Fritzlar – Heinz-Peter Göbel hat durch das Flaschenpfandsammeln mehr als 6000 Euro zusammenbekommen. Für Schwiegertochter Zina aus Freudenthal bedeutet das einen Geldsegen zum 30. Geburtstag.

Heinz-Peter Göbels Freizeitaktivitäten sind aus beruflichen Gründen auf die Wochenenden beschränkt. Wenn er Zeit hat, unternimmt er unter anderem gern Radtouren mit Ehefrau Heike. Bei solchen Touren fiel sein Augenmerk vor einigen Jahren auf den Unrat, darunter auch viele Pfandflaschen und -dosen, der an den Straßen- und Wegesrändern achtlos entsorgt wird. Ein Ärgernis für den 63-Jährigen. Bei einer Feier im Kreis der Familie kam Göbel auf die Idee, Pfandflaschen zu sammeln und den Erlös seinem Sohn Dominik zu schenken.

Von allen Familienmitgliedern belächelt, schaffte er es ab dem Frühjahr 2014 innerhalb eines halben Jahres, Flaschen im Wert von 380 Euro zu sammeln. Irgendwie hatte Heinz-Peter Göbel Spaß daran gefunden und die Flaschen- und Dosensammelei wurde fast zur Sucht. Von 2015 bis 2017 ging die Sammelei weiter, diesmal bekam Tochter Sarah den Erlös von knapp 2500 Euro zum Geburtstag.

„Beruflich bin ich während der Woche im ganzen Bundesgebiet unterwegs und nutze Pausen auf Rastplätzen, um Flaschen und Dosen zu sammeln. An jeder Sitzbank mit Abfallbehälter schaue ich nach, ob was dabei ist, was ich zu Geld machen kann“, erzählt Heinz-Peter Göbel. Unter anderem hat er vom Pfanderlös auch die E-Bikes für sich und seine Frau gekauft. Die vorerst letzte Sammelaktion lief vom 20. Oktober 2020 bis zum 8. November 2021. In dieser Zeit stellte er mit 6050 Euro einen persönlichen Rekord auf.

Fritzlarer sammelt Flaschen: Gelegentlich erhält er einen unfreundlichen Kommentar

„Natürlich gibt es da auch den einen oder anderen unfreundlichen Kommentar von anderen Leuten. Auf einer Raststätte auf der A 1 beim Kreuz Unna wurde eine ältere Frau auf mich aufmerksam. Sie beschimpfte mich ganz übel und wetterte weiter, als ich ihr den Grund für die Sammelei nannte“. Aber auch durch diese Kommentare lässt sich der in Linnich/NRW geborene Rheinländer nicht vom Sammeln abhalten. Ärger gab es auch in der Anfangszeit der Sammelei in einigen Getränkemärkten, wenn Göbel mit Säcken voller Leergut anrückte. Um dem ganzen Ärger aus dem Weg zu gehen, gab er die Flaschen und Dosen fortan wöchentlich ab.

Nach Fritzlar kam Göbel das erste Mal 1994, als er für seinen Arbeitgeber, einer Hochbaufirma aus Nordhorn, am Bau des Reinhold-Koch-Hauses beteiligt war. Da lernte er seine Frau Heike kennen, sechs Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken.

Göbel freut sich auf das Gesicht von Schwiegertochter Zina, wenn sie heute einige Flaschen zum Geburtstag bekommt. Da ist zwar nichts Hochprozentiges drin, dafür aber ganz viele Scheine und Münzen. Und als kleine Beigabe gibt es noch einen Müllsack voll mit Pfandflaschen und -dosen. Nah dann Herzlichen Glückwunsch.

Von Peter Zerhau

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