Diensthunde-Weiterbildung

Fritzlarer Soldaten üben Einsatz im Steinbruch

Sind ein eingespieltes Team: Oberfeldwebel Florian Kurz und sein Schäferhund Rocky.
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Sind ein eingespieltes Team: Oberfeldwebel Florian Kurz und sein Schäferhund Rocky.

Die Diensthundeführer der Fritzlarer Feldjäger und ihre Hunde vertrauen sich auf ganzer Linie. Bei einer Weiterbildung im Steinbruch haben sie dieses zwingend notwendige Teamwork intensiviert.

Fritzlar – Schäferhund Arko macht keinen Mucks. Er hängt brav in seinem Geschirr auf dem Rücken seines Herrchens Oberfeldwebel Oliver Fronk und bewegt sich solange nicht, bis er wieder Boden unter den Pfoten hat. Das, was Arko gerade erlebt, ist für die meisten Hunde undenkbar. Bis vor wenigen Sekunden hing er gemeinsam mit seinem Diensthundeführer an einem Seil und wurde Meter für Meter an einer Steinbruchwand in die Tiefe gelassen.

Der Grund: Die Diensthundeführer der Fritzlarer Feldjägereinsatzkompanie haben gemeinsam mit einigen anderen Soldaten aus den USA und Belgien eine multinationale Diensthundeführerweiterbildung auf dem Standortübungsplatz Hellenwarte mitten im Wald absolviert. Gemeinsam mit dem Regimentsbeauftragten Hauptfeldwebel Stefan Beck und einem externen Ausbilder haben rund 20 Feldjäger mit jeweils einem Hund einen Parcours bewältigt. Vom Abseilen an der steilen Wand des Steinbruchs über das Abgehen einer gelegten Spur und das Balancieren auf einem doppelten Seilsteg bis hin zu dem Erklettern einer Leiter hatten Mensch und Tier vielfältige, vor allem aber anstrengende Aufgaben vor sich.

Vorne muss Platz für die Waffe sein

Oberfeldwebel Florian Kurz und sein Diensthund Rocky sind als Team zum ersten Mal mit dabei. „Ich merke schon, dass er ein bisschen aufgeregt ist und weiß, dass da jetzt etwas kommt“, sagt er und krault dem Schäferhund die Ohren, bevor es losgeht. „Wir verstehen uns blind“, sagt Kurz.

Und das ist auch nötig. Denn im Fall eines Auslandseinsatzes beispielsweise muss alles reibungslos funktionieren. Beim Abseilen wird der Hund auf den Rücken geschnallt wie ein Rucksack. „Anders als die Bergrettung müssen wir Soldaten schließlich vorne Platz für eine Waffe haben, müssen frei agieren können“, erklärt Oberstabsfeldwebel Thomas Prinz. Das könne dann auch schon mal anstrengend werden. So ein Schäferhund wiege schließlich um die 30 Kilogramm. „Das geht echt in die Beine“, ruft Oberfeldwebel Fronk passend dazu und lacht.

Schritt für Schritt an der steilen Wand hinab: Die Soldaten haben sich im Steinbruch mit dem Hund auf dem Rücken abgeseilt.

Der Parcours ist nur eines von vielen Elementen in der Übungswoche. Teil der Weiterbildung ist unter anderem auch das Fliegen im Hubschrauber. „Die Hunde der Feldjäger werden schon als Welpen spielerisch an ihre Aufgaben herangeführt“, sagt Hauptfeldwebel Beck. Die lauten Geräusche der Rotorenblätter, das komische Gefühl beim Fliegen, die Unsicherheit, wenn dem Hund plötzlich der Boden unter den Pfoten fehlt – auf all diese Herausforderungen müssen die Tiere ab dem ersten Tag langsam vorbereitet werden. Bis sie einen Parcours wie den im alten Steinbruch unbeeindruckt hinter sich bringen, dauert es lange, müssen die Hunde viele Kurse, Ausbildungen und Prüfungen hinter sich gebracht haben. „Das, was wir hier machen, ist kein Alltag für die Hunde“, sagt Beck. Es sei vielmehr der Feinschliff, die Detailarbeit, auch für die Diensthundeführer selbst.

Die Hunde suchen nach Sprengstoff ab 

„Von Tag zu Tag wächst das Vertrauen, intensiviert sich die Bindung zwischen Mensch und Tier.“ Man lerne den Hund mit der Zeit lesen. Ist er entspannt? Nervös? Kaputt?

Die Arbeit mit Hunden sei für den Alltag der Feldjäger unerlässlich, bestätigt auch die Kompaniechefin der Fritzlarer Feldjäger, Major Ramona Bernhard. „Wir haben vier Diensthunde in der Fritzlarer Kompanie“, erklärt sie. Drei von ihnen seien Sprengstoffspürhunde, einer spüre Rauschgift. „Häufig werden die Hunde zur Absicherung von Veranstaltungen eingesetzt.“

Bei Gelöbnissen mit hochrangigen Gästen beispielsweise werden Plätze im Vorfeld von Hunden abgelaufen, um Sprengstoffangriffe auszuschließen. Aber auch bei Auslandseinsätzen würden Hunde mitgenommen. „Ja, die fliegen tatsächlich auch mit nach Afghanistan und Mali“, sagt sie.

An der Seilrutsche geht es zwar nicht in die Tiefe – der Boden unter den Füßen und Pfoten fehlt trotzdem.

„Bei der Bundeswehr gelten die Hunde, so hart das klingen mag, als Material“, erklärt Bernhard. Das Leben eines Spürhundes sei äußerst anstrengend und arbeitsintensiv. Nach etwa acht Jahren dürfen die Tiere daher in eine Art „Ruhestand“. Auch bei Ramona Bernhard im Büro liegt ein ehemaliger Diensthund und schlummert in seinem Körbchen.

„Es gibt dann einen Pflegevertrag. Der Hund gehört zwar weiterhin der Bundeswehr, ich nehme ihn aber immer mit nach Hause.“ Die Rasse ihres flauschigen Schützlings ist nicht ganz eindeutig. „Ich glaube, es ist vor allen Dingen auch ein bisschen was vom Schläferhund mit drin“, sagt sie und zwinkert.

Schäferhund

Bei der Übung der Fritzlarer Feldjäger sind sowohl Deutsche als auch Belgische Schäferhunde eingesetzt worden. Deutsche Schäferhunde sind zwar als umgängliche Familienhunde bekannt, eignen sich aber auch hervorragend als Diensthunde ein besonderes Talent haben sie laut Experten für die Fährtensuche. Schäferhunde sind seit jeher sogenannte Gebrauchshunde. Der Belgische Schäferhund wird als wachsam, lebhaft und blitzschnell in seinen Reaktionen beschrieben. Er ist als Hütehund gezüchtet worden und ist jederzeit bereit, sein Rudel zu verteidigen. Belgische Schäferhunde sind zu großen sportlichen Leistungen fähig. 

(Daria Neu)

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