Fritzlarer auf Spurensuche

100 Jahre nach der Schlacht von Tannenberg gibt es auch Zeichen der Versöhnung

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Dr. Michael Tegtmeier aus Fritzlar hat Nachforschungen zur Schlacht bei Tannenberg angestellt.

Fritzlar. Die Schlacht von Tannenberg im Ersten Weltkrieg wurde vor 100 Jahren geschlagen. Die Ereignisse von damals beschäftigen den Oberst im Generalstabsdienst, Dr. Michael Tegtmeier, aus Fritzlar.

Die Schlacht, die im August 1914 stattgefunden hat, hatte zwar keinen Einfluss auf den Ausgang des Krieges, war jedoch aus militärischer Sicht kein unbedeutendes Ereignis.

100 Jahre nach dem Kriegsgeschehen im heutigen Polen bereiste er das Gebiet um Tannenberg, um auf Spurensuche zu gehen. Vom eigentlichen Schlachtfeld ist so viele Jahrzehnte nach dem Ereignis nichts mehr zu sehen. Das Besondere an der Schlacht, erklärt Tegtmeier, seien die ungleichen Truppenstärken gewesen, die sich gegenüber standen. 173.000 Soldaten auf deutscher und 485.000 auf russischer Seite. Trotz der anscheinenden Überlegenheit der Russen konnte Deutschland im Osten einen Erfolg verzeichnen, denn es hatte mehrere Vorteile auf seiner Seite.

Funksprüche abgehört 

Den deutschen Soldaten war es gelungen, die Funksprüche der Russen abzuhören. So waren sie über das Vorgehen der Feinde im Bilde. Ein weiterer Pluspunkt: die drei Befehlshaber General Max Hoffmann, Generalmajor Erich Ludendorff und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Mit einer Operations-Idee von Hoffmann und der Ruhe und Standhaftigkeit der beiden Generäle Ludendorff und Hindenburg gelang den deutschen Truppen in Tannenberg der Sieg.

Mehrere Friedhöfe und Kriegsdenkmäler erinnern noch immer an die Ereignisse von vor 100 Jahren. „Es ist erstaunlich, wie gut diese Orte erhalten sind“, sagt der Bundeswehrangehörige. Weder Vandalismus noch Verwahrlosung seien zu beobachten, und es sei immer mal wieder auf russischen und auch auf deutschen Gräbern, die dort direkt nebeneinander lägen, frischer Blumenschmuck.

Anders als bei seinen letzten Recherche-Reise nach Tannenberg, überflog Tegtmeier diesmal das Gebiet mit einer kleinen Maschine. Über das, was er von oben erkannte, war er erstaunt. Er habe zwar keine Mauerreste entdeckt, aber deutliche, durch Veränderung der Vegetation zu erkennende Spuren des einstigen großen Ehrenmals von Tannenberg, in dem General Hindenburg nach seinem Tod bestattet wurde, seien zu sehen. Der achteckige Prunkbau wurde 1945, nachdem man den Sarg von Hindenburg entfernt hatte, durch deutsche Pioniere gesprengt. Die Reste wurden zum Wiederaufbau der Warschauer Innenstadt genutzt.

Das Fazit des Fritzlarer nach seinem Besuch: Nach 100 Jahren sind Spuren der Schlacht von Tannenberg zu finden. Es sind jedoch keine Spuren von Feindschaft und Hass, es sind Spuren des Friedens und der Versöhnung.

Von Christl Eberlein

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