Kreisteil Fritzlar-Homberg

Schul-Öffnung während Corona: Lehrer, Schüler und Eltern über Sorgen und Hoffnungen

Präsenzunterricht im Lockdown: Die halbe Klasse 1A der Ernst-Reuter-Schule in Edermünde mit Klassenlehrerin Claudia Müller.
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Präsenzunterricht im Lockdown: Die halbe Klasse 1A der Ernst-Reuter-Schule in Edermünde mit Klassenlehrerin Claudia Müller.

Der Trend der deutlich sinkenden Corona-Fallzahlen stagniert auch im Schwalm-Eder-Kreis. Trotzdem haben am 22. Februar die Schulen wieder ihre Türen geöffnet.

Fritzlar - Homberg – Vorsicht und klare Corona-Regeln sind das Gebot der Stunde. Neben Sorge und Skepsis ist es aber auch die Hoffnung über die geänderte Impfreihenfolge, die Lehrer, Schüler und Eltern derzeit beschäftigt. Wir haben im Kreisteil Fritzlar-Homberg an Schulen und bei Elternvertretern nachgefragt.

Schul-Öffnung während Corona: Das sagen die Lehrer

Corinna Beilharz, Schulleiterin der Ernst-Reuter-Schule Edermünde, befürwortet, die Präsenzpflicht für Grundschüler. „Der Start ist gut gelaufen“, sagt sie. Damit das Infektionsrisiko für alle möglichst gering gehalten wird, habe man die Klassenstärke halbiert. Eine Hälfte hat Präsenzunterricht, die andere erledigt einen Packen Aufgaben zu Hause. Am nächsten Tag ist es umgekehrt. Schüler und Lehrer halten Abstand, tragen im Unterricht Masken und die Fenster der Klassenräume sind geöffnet. Auf dem Schulhof hat jeder Jahrgang sein eigenes Areal. Das Abstandhalten falle den Jungen und Mädchen jedoch schwer. „Ohne Erwachsenenaugen halten die Schüler den Abstand nicht ein“, sagt Beilharz. Für Kinder, die, weil beide Elternteile berufstätig sind, nicht an jedem zweiten Tag zu Hause betreut werden können, gibt es eine Notbetreuung des Fördervereins. Zur Debatte um frühere Impfungen für Lehrer sagt Beilharz: „Sie möglichst bald zu impfen wäre sinnvoll.“

Dr. Christine Sperlich, Schulleiterin der Gustav-Heinemann-Schule in Borken, findet es gut, wenn schnell so viele Menschen wie möglich gegen das Coronavirus geimpft werden. Über eine Priorisierung von Lehrern in diesem Zusammenhang müsse jedoch die Politik entscheiden. Seit gestern sind die Jahrgänge fünf und sechs wieder im Präsenzunterricht. Zwar sind auch hier die Klassen geteilt, ein Wechselmodell ist laut Sperlich aber nicht nötig, da die höheren Jahrgänge noch im Distanzunterricht sind und es so genug freie Räume gibt. Auch an der Gustav-Heinemann-Schule gilt für alle: Abstand halten, Masken tragen und viel Lüften. Neben den Jahrgängen fünf und sechs werden auch die Abschlussklassen, die Intensivklassen für die Deutsch-Sprachförderung und Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf vor Ort unterrichtet.

Schul-Öffnung während Corona: Das sagen die Eltern

Jürgen Mück ist stellvertretender Schulelternbeirat der Fritzlarer Grundschule an den Türmen. Dass Lehrer in puncto Impfen vorgezogen werden sollen, hält er für die „absolut richtige Entscheidung“. Lehrkräfte müssten geschützt werden, damit diese wieder mit einem guten Gefühl in die Schule gehen können. Außerdem sei es durch einen besseren Schutz der Lehrer möglich, Langfristigkeit zu gewährleisten. Schule öffnen, Schule schließen – dieses Prinzip könne man auf Dauer nicht durchhalten. „Sowohl Eltern als auch Schüler und Lehrer müssen sich ständig auf neue Situationen einstellen.“ Klarheit fordert Mück dabei seitens der Landesregierung.

Schul-Öffnung während Corona: Das sagen die Schüler

Isabelle Reinhard, Schulsprecherin der Christophorusschule in Oberurff berichtet, dass auch dort die Schüler der fünften und sechsten Klassen im Wechsel Präsenzunterricht haben und wohl fast alle glücklich seien, einen Teil ihrer Klassenkameraden wiedersehen zu können. Das Schulgelände sei weitläufig, sodass auch in den Pausen die Abstände gewahrt werden könnten.

Die Schüler freuen sich laut Jürgen Mück, stellvertretender Schulelternbeirat der Fritzlarer Grundschule an den Türmen, fast durchgehend auf die Schulöffnungen: „Das ist aber eher eine soziale Geschichte, denke ich“, sagt er. Der Beginn des Wechselunterrichts sei eine große Erleichterung für viele Eltern – aber eben auch für die Schüler.

Schul-Öffnung während Corona: Das sagt der Schulamtsleiter

„Die Schulen in der jetzigen Form zu öffnen, ist die richtige Entscheidung und ein guter Kompromiss zwischen Infektionsschutz und Recht auf Bildung“, sagte Schulamtsleiter Stephan Uhde gestern gegenüber der HNA.

Die besondere Bedeutung des Präsenzunterrichts dürfe nicht übersehen werden. Dank des Tragens von Masken, regelmäßigen Lüftens und der strenge Einhaltung der Hygienemaßnahmen seien die Schulen vergleichsweise sichere Lernorte. „Da verschiedene Formen der Beschulung zeitgleich umgesetzt werden müssen, war der organisatorische Aufwand für viele Schulen sehr hoch“, so Uhde weiter. Zum Thema Impfreihenfolge fügt er hinzu: „Grundsätzlich sollten möglichst alle schnell geimpft werden. Für die Lehrkräfte gilt dementsprechend, je eher diese geimpft sind, desto besser.“

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