18 Straftaten verhandelt

Fußballtickets kamen nie an: Zweieinhalb Jahre Haft für 28-Jährigen

Fritzlar. Weil er mehrfach Eintrittskarten für Spiele der Fußball-Bundesliga übers Internet verkauft, sie aber nie zugestellt hatte, wurde am Mittwoch ein 28-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis vom Amtsgericht in Fritzlar zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Ein Haftbefehl war gegen den Beschuldigten erlassen worden, weil er Vorladungen nicht beachtet, selbst Termine beim eigenen Anwalt nicht eingehalten hatte. Verhandelt wurden 18 Straftaten, begangen zwischen 2013 und 2015.

Unter wechselnden Namen wurden über Internet Eintrittskarten, auch Dauerkarten, für Bundesligaspiele zum Kauf angeboten. Besonders schmerzlich schien dem Gericht, dass ein Fan Gleichgesinnte betrog. Meistens zwischen 100 bis 300 Euro pro Scheinverkauf gingen auf dem Konto des Angeklagten ein.

Die Karten wurden nie zugestellt. Es gab sie nicht. Manchmal wurde ein leerer Briefumschlag geschickt, worauf sich beide Seiten die Schuld für die verschwundenen Karten zuschoben. Es gab auch telefonische Verabredungen für fingierte Treffen zur persönlichen Übergabe, wie etwa in Berlin. Zu jedem Verkauf wurde eine Geschichte erfunden.

Zur Lebenssituation befragt, schilderte der gelernte arbeitslose Koch, wie er täglich etwa sechs Liter Bier und zwei Flaschen Schnaps trank. Seine Familie mit drei kleinen Kindern ging zu Bruch, die Ehe wurde im Oktober geschieden. Jetzt sei er in einer Entziehungskur, und sollte er einen Platz finden, wolle er in eine Langzeittherapie gehen.

Wieder ein Plan ohne reellen Hintergrund: Es wurden noch keine Kostenanträge abgegeben und die betreffenden Stellen wissen nichts von diesem Wunsch. Die Wartezeiten dafür sind enorm.

Unbeeindruckt von einer Haussuchung gab es fortlaufenden Kartenverkauf. Nach dem Urteil in einer Hauptverhandlung in Bad Hersfeld lief das Geschäft hemmungslos weiter. Im März fand ein Vorgespräch zwischen Richterin, Anwalt und Angeklagtem statt, der trotzdem die Hauptverhandlung im Sommer nicht wahrnahm. Es folgten auch jetzt weitere Taten. Finanziert wurde damit ein Leben in kleinem Stil auf großem Fuß, wie es der Oberstaatsanwalt formulierte.

Die Richterin zeigte sich enttäuscht vom Verhalten des 28-Jährigen. Eine positive Sozialprognose sei nicht zu erkennen. Auch der Einwand des Anwaltes, sein Mandant drücke die Jacke im Arm wie ein 28 Jahre altes Kind einen Teddy, ließ den Mann nicht harmloser erscheinen. Einzig sein rückhaltloses Geständnis wirkte sich auf das Urteil aus, das an der unteren Grenze für die begangenen Delikte liegt. Revision ist möglich.

Von Michael Meinicke

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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