Zwischen Glück und Anspannung

Gastronomen in Fritzlar: Vor der Öffnung geht’s rund

So langsam kommt die Gastronomie am Fritzlarer Marktplatz wieder in Schwung: Armin Ochs vom Nägel (rechts) und Florian Hetzler vom Café Hetzler haben auf dem Weg zur Öffnung alle Hände voll zu tun.
+
So langsam kommt die Gastronomie am Fritzlarer Marktplatz wieder in Schwung: Armin Ochs vom Nägel (rechts) und Florian Hetzler vom Café Hetzler haben auf dem Weg zur Öffnung alle Hände voll zu tun.

Es ist der Moment, auf den insbesondere die Gastronomen lange hingefiebert haben: Endlich dürfen sie im Schwalm-Eder-Kreis wieder Gäste empfangen. Denn die Notbremse ist ausgelaufen. 

Fritzlar – Die Inzidenz sinkt stetig – die Freude steigt mit den ersten Lockerungen. Seit Montag, 31. Mai, dürfen sie wieder Gäste im Außenbereich bewirten. Die Inzidenz im Landkreis lag fünf Werktage am Stück unter 100 - und sinkt weiter. Gleichzeitig sei da aber auch eine gewisse Anspannung zu spüren, berichten Armin Ochs vom Restaurant „Das Nägel“ und Florian Hetzler vom Café Hetzler.

Beide haben alle Hände voll zu tun, um den Marktplatz der Domstadt wieder kulinarisch in Schwung zu bringen. Während Hetzler bereits am Montag erste Kaffeegäste im Freien begrüßen durfte, soll es bei Ochs erst am Mittwoch (2. Juni) so richtig losgehen. Wir haben mit beiden über die aktuelle Lage und die damit verbundenen Gefühle gesprochen.

Die Freude überwiegt eindeutig. „So lange haben wir auf diesen Tag X gewartet. Und jetzt ist er doch so plötzlich da“, sagt Hetzler. Sowohl er als auch seine Mitarbeiter und auch viele Gäste, mit denen er im Kontakt stand, sind in erster Linie euphorisch.

Auch Ochs bestätigt: „Es ist eine Last, die von uns fällt.“ Endlich mal wieder mit seinen Stammgästen draußen zu sitzen und zu plaudern– darauf freut sich der Inhaber des Nägel schon jetzt tierisch. Die Coronazahlen sind vielversprechend niedrig, die Zahl der Impfungen vielversprechend hoch – alles fühle sich nach einem „bergauf“ an. Dafür sind beide Gastronomen dankbar.

Gastronomen in Fritzlar: Die Verunsicherung beim Blick in die Zukunft

Doch es ist bei Weitem nicht nur die Freude, die sich in den Teams der Restaurants breitmacht. Da ist auch ganz viel Verunsicherung. Da ist die Angst, etwas falsch zu machen, erzählt Hetzler. „Was kommt auf uns zu? Wie wird es wohl? Haben die Gäste doch Angst vor dem zu hohen Risiko? All das sind Fragen, die uns beschäftigen“, so der Fritzlarer, für den sein Familienbetrieb einfach zu ihm gehört.

Eines steht für ihn ohnehin fest: „Wenn das Spiel noch mal von vorn losgehen würde, das wäre tödlich.“ Ein weiterer Lockdown, nach dem es glücklicherweise zurzeit nicht aussieht, verkrafte die Gastronomie nicht. Ochs bestätigt: „Die letzten Monate waren eine echte Belastungsprobe.“ Und auch jetzt, mit Blick auf die Öffnung, ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.

„Nicht nur wir, sondern auch viele Gäste sind hinsichtlich der Regelungen ziemlich verunsichert.“ Kein Wunder. Gerade haben die Menschen im Schwalm-Eder-Kreis registriert: Die Inzidenz bleibt fünf Werktage am Stück unter 100, also ist Außengastronomie inklusive Test erlaubt – da tritt schon bald die nächste Stufe in Kraft. Fünf Tage unter 50 bedeutet nämlich unter anderem: Auch drinnen darf geöffnet werden, ein Test draußen ist dann nur noch eine Empfehlung.

Gastronomen in Fritzlar: Die Aufregung vor der Wiederöffnung

Die Aufregung ist riesig. Denn jetzt muss wirklich alles laufen. Wer kein Café und kein Restaurant betreibt, kann sich das vermutlich nur schwer vorstellen. Hetzler und Ochs haben eine endlos lange Liste vor sich.

„Wir müssen die Maschinen checken, die Kühlung prüfen, die Ware bestellen, die Mitarbeiter informieren, den Dienstplan schreiben, alles mit der Versicherung und der Gema regeln“, zählt Ochs auf und das ist noch nicht alles, was auf seinem Zettel steht. Auch ganz banale Aufgaben wie die Anmeldung der Müllentsorgung gehören dazu.

Die Verwendung der Luca-App soll die Zettelwirtschaft, die die vergangene Öffnung mit sich brachte, vermeiden. Ochs und Hetzler sind klare Befürworter der App.

Für die größte Freude und Aufregung sorgt nun die Rückkehr der Gäste. Sie seien schließlich das Allerwichtigste im Gastronomiebetrieb. Daran habe auch die finanzielle Unterstützung der Regierung nichts ändern können. „Geld ist eben nicht alles“, sagt Ochs. (Daria Neu)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.