Lockdown light

Gastronomie: Geschäfte laufen schleppend

In der Mittagszeit bestellen nur wenige Kunden beim Homberger Fischmarkt: Inhaber Jürgen Dillenberger öffnet täglich von 12 bis 14 Uhr und bietet zusätzlich Speisen nach telefonischer Bestellung an.
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In der Mittagszeit bestellen nur wenige Kunden beim Homberger Fischmarkt: Inhaber Jürgen Dillenberger öffnet täglich von 12 bis 14 Uhr und bietet zusätzlich Speisen nach telefonischer Bestellung an.

Gaststätten und Restaurants mussten wegen steigender Corona-Infektionen erneut den Betrieb herunterfahren. Wir haben in der Region nach der Stimmung in einigen Betrieben gefragt.

Die Coronapandemie ist für alle Menschen weiterhin stark belastend, auch für viele Gastronomen im Schwalm-Eder-Kreis ist die Lage weiterhin schwierig: Sie dürfen in diesen Wochen keine Kunden in ihren Gasträumen bewirten. Die meisten Betriebe bieten daher Lieferdienste oder Speisen zum Abholen an – doch vielerorts reichen die Einnahmen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.

„Die Stimmung in der Branche ist sehr verhalten“, sagt Theresia Liebermann, Vorsitzende des Hotel- und Gastronomieverbands im Schwalm-Eder-Kreis (Dehoga). Liebermann steht im Austausch mit den Betreibern in der Region und bekommt Rückmeldung, wie die Geschäfte unter Pandemiebedingungen laufen.

Viele Kollegen litten unter der angespannten Situation auch psychisch, erklärt Liebermann. Viele Betreiber versuchten aber, das Beste aus ihrer Lage zu machen.

Gastronomie: Im ländlichen Regionen haben Gäste eine starke Bindung zu den Betrieben

Positiv sei, dass sich an vielen Orten Abholangebote etabliert hätten, sagt die Neukirchenerin. Besonders in ländlichen Regionen hätten Gäste eine starke Bindung zu den Betrieben. „Dieses Verhältnis zu den Stammgästen kommt den Betreibern jetzt zugute.“

Allerdings lohnt sich dieser Service nicht für alle Betreiber. Das betrifft auch Lanulo Carmine von der Pizzeria al Parco in Bad Zwesten. Er bietet weiterhin an sechs Tagen seine Speisen an, viel Umsatz mache er aber nicht, sagt er. „Während der Beschränkungen im Frühling war das deutlich besser. Ich hatte doppelt so viel Umsatz“, so Carmine.

Bedrohlich sei die Situation im Hinblick auf den nächsten Monat. Das Weihnachtsgeschäft ist für viele Betriebe eine Haupteinnahmequelle, doch seien viele Weihnachtsfeiern abgesagt worden. Zudem stünde noch nicht fest, wie es ab Dezember für die Gastronomie weitergeht: „Einige Betreiber fürchten um ihre Existenz.“

Für Neugründer ist die Situation noch weitaus gravierender: Häufig verfügten sie nicht über größere finanzielle Rücklagen. „Das ist für sie eine ganz bittere Pille und es wird sehr schwierig, wenn sie nicht wieder demnächst öffnen können“, so Liebermann.

Das sind die Regeln in der Gastronomie

Seit dem 6. November dürfen Speisen oder Getränke nur zur Abholung oder Lieferung angeboten werden. Gastronomen müssen auch darauf achten, dass keine Wartezeit für Abholer entstehen. Zudem müssen geeignete Hygienemaßnahmen getroffen und Hinweisschilder zum erforderlichen Abstand angebracht werden. Die Regeln des Landes Hessen gelten mindestens bis zum 30. November. Bars und Kneipen müssen bis Monatsende schließen. 

Gastronomie in Zeiten des Lockdown light: Schleppendes Geschäft

„Eigentlich lohnt es sich kaum, das Geschäft mittags zu öffnen“, sagt Jürgen Dillenberger, Betreiber des Homberger Fischmarkts am Marktplatz in der Altstadt. Im Schnitt habe er zur Mittagszeit ein bis zwei Kunden, die bei ihm Speisen abholen würden.

„Manchmal kommt auch keiner.“ Freitags – am traditionellen Fischtag vieler Familien – würde er ein bisschen mehr Umsatz machen, allerdings reiche dies nicht aus, damit es sich lohnen würde. „Die laufenden Kosten muss ich ja weiter zahlen“, so Dillenberger. Er hofft auf eine gute Lösung für die nächsten Monate, damit seine Kollegen und er wieder Gäste bewirten können. „Mir macht die Arbeit ja Spaß. Momentan ist das aber wirklich schwer.“

Mit einem ähnlich schleppenden Geschäft kämpft auch Xhevat Thaqi. Er ist Inhaber des Bistros 254 in Unshausen. Unter der Woche habe er kaum Gäste: „Ich versuche weiterhin, meine Kunden glücklich zu machen“, sagt Thaqi. Die Wochenenden liefen bisher zu seiner Zufriedenheit. „Viele kommen vorbei und holen ihre Speisen ab“, so Thaqi.

Gastronomie: Gänsegerichte sind gefragt

Lothar Schmidt vom Hotel Rosengarten in Schwalmstadt ist dankbar, dass viele Stammgäste Gänsegerichte bestellen und diese bei ihm abholen. „Ich habe an den Wochenenden Vorbestellungen. Das ist wirklich gut“, sagt er. Unter den gegebenen Umständen laufe das Geschäft soweit, trotzdem sei die Situation für seine Mitarbeiter sehr schwierig. Schmidt musste sie in Kurzarbeit schicken.

Bei Avanti in Fritzlar ist die Situation ähnlich. Inhaber Duru Seyhan versucht aber, das Beste aus der momentanen Lage in der Gastronomie zu machen. „Wir haben weiterhin normal geöffnet und bieten alle Gerichte an.“ Bereits vor den erneuten Beschränkungen hatte Seyhan Probleme mit Scherzanrufen. „Es werden falsche Adressen genannt. Sind wir dann vor Ort, treffen wir auf verwirrte Anwohner.“ Das sei zwar generell ein Problem, doch momentan doppelt ärgerlich.

In Bad Zwesten ist Lanulo Carmine von der Pizzeria al Parco mit der Situation nicht zufrieden: Im Vergleich zum Frühling mache er weniger als die Hälfte Umsatz. Für die Kunden, die ihre Speisen abholen wollen, bietet Carmine einen besonderen Service an: „Ich rufe sie an, wenn die Pizza fertig ist.“ So vermeide er zudem, dass sich bei ihm größere Menschenmengen bilden.

Gastronomie: Abholservice für die Gäste

Katja Hack vom Gasthof Hack in Kerstenhausen freut sich in der Situation über die Treue ihrer Stammkunden: „Viele bestellen bei mir an den Wochenenden. Es sind auch neue Gäste hinzugekommen“, so die Inhaberin des Gasthofes.

Die Lage sei ähnlich wie im Frühjahr, insgesamt sieht Hack die Situation aber positiv – zumindest unter den jetzigen Umständen. „Die Hauptsache ist, dass meine Kunden weiterhin zufrieden mit dem Essen sind“. Hack bietet auch samstags einen Abholservice an.

„Das kommt gut an, die Kunden machen die Gerichte dann am Sonntag warm“, so Hack.

Von Felix Busjaeger

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