Konzerte bei Fritzlar vor dem Dom und Parkbankkonzerten in Homberg

Alles vertraut und trotzdem neu: Gil Ofarim präsentiert neues Album in Fritzlar und Homberg

Sänger und Songschreiber Gil Ofarim steht am Strand und fährt sich lachend durch seine langen Haare.
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Liebt das Leben: Gil Ofarim hat in seinem aktuellen Album „Alles auf Hoffnung“ viele persönliche Erfahrungen verarbeitet. Seine Lieder präsentiert er bei Fritzlar vor dem Dom und im Homberger Stadtpark.

Er war der Teenie-Star der 1990er-Jahre, sein großer Durchbruch gelang Gil Ofarim in einer Foto-Love-Story der „Bravo“, fortan spielte er auf großen Bühnen. Nun tritt der 37-Jährige gleich zwei Mal im Landkreis auf und präsentiert sein neues Album „Alles auf Hoffnung“, mit dem er musikalisch rockiger unterwegs ist als vorher.

Fritzlar/Homberg - Die Auftritte bei Fritzlar vor dem Dom und im Homberger Stadtpark zählen zu den wenigen Konzerten, die er in diesem Jahr spielt.

Herr Ofarim, Sie standen mit Bon Jovi und den Backstreet Boys auf der Bühne. Jetzt singen Sie in Fritzlar vor dem Dom. Was ist der Unterschied zwischen riesigen Arenen und kleinen Bühnen?

Ich mache einfach. Ich gehe auf die Bühne und mache das, was ich liebe. Wenn Leute dafür bezahlen, mich zu sehen und zu hören, macht das stolz und dankbar. Das ist der schöne Lohn für meine Arbeit. Ich freue mich einfach.

Was wollen Sie dem Publikum mitgeben?

Ich bin nicht der Typ, der ballermannartig alle auf den Tisch springen lässt. Aber ich freue mich, wenn das Publikum mitfeiert. Gerade in diesem Jahr ist das wichtig.

Sie haben 2017 bei der RTL-Show Let’s Dance gewonnen. Bewegen Sie sich auf der Bühne jetzt anders?

Mit dem Hintern wackeln, das konnte ich vorher ja auch schon. Getanzt habe ich also schon immer; an diesem Abend werde ich sicher keinen Walzer oder Cha-Cha-Cha tanzen.

Viele Künstler sprechen von ihrem jeweils aktuellen Album als dem persönlichsten, das sie jemals aufgenommen haben. Sie beschreiben Ihres sogar als vertontes Tagebuch.

Ja und Nein. Man konnte dem, was über mein Privatleben geschrieben wurde, ja nicht entkommen. Ich hatte sehr viel zu verarbeiten. Ich habe wirklich noch nie so ehrlich geschrieben wie auf dieser Platte. Gleichzeitig war mir wichtig, nicht zu jammern. Ich stehe noch da und gebe nicht auf. Das sind Schlagwörter, die man schon tausendfach gehört hat. Aber ich habe dieses Ventil gebraucht. Ich schreibe Musik, der Zuhörer soll sie interpretieren, sich wiederfinden, aber auch eine eigene Geschichte zusammenbasteln.

Diese Platte aufzunehmen, war für Sie ein Befreiungsschlag. Inwiefern?

Mit allen Bands, mit denen ich gespielt habe, habe ich bestimmt sieben, acht Alben aufgenommen. Als Gil Ofarim und nicht als Gil, der ich in den 90ern war, ist es mein zweites Album. Alles ist so vertraut, aber gleichzeitig so neu.

In „Nach dir der Regen“ verarbeiten Sie den Tod Ihres Vaters Abi. Wie schwer ist es, so offen darüber zu singen?

Es ist jedes Mal aufs Neue ein Glücksspiel. Es ist hart. Noch nie zuvor habe ich einen Song geschrieben, bei dem ich jedes Mal, wenn ich ihn anstimme, in eine bestimmte Situation zurückversetzt werde. Mein Vater hatte einen Song für seine Mutter geschrieben. Ich wusste: Irgendwann kommt das auf mich zu. Das Lied zu schreiben, konnte ich bislang nicht. Nach einer Session mit Nicholas Müller von Jupiter Jones ist der Knoten geplatzt.

War das auch ein Gefühl von: Erlebtes von der Seele schreiben?

Absolut. Dieses Lied zu schreiben war eine intensive Erfahrung. Das habe ich mit Kollegen zusammen gemacht. Alleine hätte das nicht funktioniert. Am Ende der Session war ich erleichtert, meinen eigenen Papa-Song geschrieben zu haben.

Es ist nicht das einzige Lied, in dem Sie Erfahrungen verarbeiten. In „Pierrot“ geht es um einen Entertainer, der sich für das Publikum aufgibt. Ich tanz’ wenn’s muss, heißt es da. Wie oft mussten Sie tanzen?

Mein Privatleben ist das einzige, was noch mir gehört. Als Künstler steht man auf der Bühne und die Show muss weitergehen. Besonders bei Let’s Dance war ich in einer solchen Phase. Mein Vater war damals schon schwer krank, in meinem Privatleben lief es nicht. Aber jeden Freitag stand ich auf der Bühne. Das war eine große Pierrot-Nummer für mich.

Dabei kostet es wahrscheinlich viel Kraft, das durchzuhalten.

Es erfordert antrainierte Resilienz. Leicht ist es nicht. Was wäre die Alternative? Aufgeben ist nicht drin, ich liebe das Leben, meine Kinder, Familie und Band. Deshalb: Aufstehen und weitergehen.

Fritzlar und Homberg haben eine aktive Kulturszene. Wie wichtig ist es, dass sich Städte engagieren?

Wie wäre das Leben ohne Musik, Film, Kunst? Auf Englisch gibt es den Satz: What would be the earth without art (dt. Was wäre die Welt ohne Kunst)? Nimmt man aus dem earth das „art“ heraus, bleibt nur ein „eh“. So sehe ich das auch.

Freuen Sie sich auf die Auftritte?

Ich freue mich sehr, ganz ehrlich. Es ist eine bittere Pille, die Tour verschieben zu müssen. Von daher sind die Konzerte jetzt ein Geschenk, das ich sehr, sehr schätze.

Zur Person

Gil Ofarim (37) wurde in München geboren und lebt auch noch heute dort. Der Familienvater schaffte seinen Durchbruch 1997 mit einer Foto-Love-Story in der Bravo. Daraus entwickelte sich eine Musikkarriere. Heute ist der Sohn des irsaelischen Sängers Abi Ofarim als Singer-/Songwriter, Synchronsprecher und Schauspieler tätig. (chm)

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