Funktion des Verteidigungsrings wird erklärt

Im Grauen Turm in Fritzlar ist bald ein Stadtmodell zu bewundern

Die Stadtbefestigung Fritzlars im Modell: von links Stadtarchivar Clemens Lohmann, Dr. Ulrich Skubella (Pro Fritzlar), Künstler Johann Steffen und Alfons Brüggemeier (Museum) Fotos: Dellit

Fritzlar. Johann Steffen hat sich selbst übertroffen. Der Künstler hat im Grauen Turm die Stadt Fritzlar nachgebaut - komplett in Holz.

Von Steffen sind im Regionalmuseum Fritzlar bereits beeindruckende Intarsienarbeiten zu sehen. Bei dem Stadtmodell geht es in erster Linie um die Stadt, sondern um das Verteidigungssystem, das im 13. Jahrhundert aufgebaut wurde. Es bestand aus sieben Türmen (Warten), von denen fünf bis heute existieren. Eine wurde bereits im 15. Jahrhundert zerstört, eine zweite fiel dem Flugplatzbau 1936 zum Opfer.

Zentral für das Frühwarnsystem war der mächtige Graue Turm, der im Jahr 1274 erstmals urkundlich erwähnt wurde, weil sich Stadt und Stift um die Baukosten stritten.

Die Warten waren so um die Stadt verteilt, dass anrückende Feinde früh entdeckt werden konnten. Per Fahne und bei Nacht per Fackel wurde Alarm gegeben, so war die Stadt gewarnt. Dieses System soll man am Modell im Grauen Turm nachvollziehen können. Per Knopfdruck senden die Warten Lichtsignale an den Grauen Turm - per Laserstrahl.

Zwischen den Warten, auch das sieht man im Modell verlief eine „Landwehr“, ein aus zwei bis drei Meter hohen Hecken bestehender Streifen. So sollte dafür gesorgt werden, dass Angreifer nur auf bestimmten Wegen Richtung Stadt vorrückten und nicht etwa auf breiter Front - ein strategischer Vorteil für die Verteidiger, die mit Armbrusten, Lanzen, Schildern und Schwerten ausgerüstet waren.

Mit Rolandsbrunnen: Der Marktplatz im Modell.

Der Verteidigungsring war nach einer schmerzlichen Erfahrung für die Domstadt entstanden: 1232 war Fritzlar zerstört worden.

Das Modell in der 3. Etage des Grauen Turms zeigt eindrucksvoll, wie alles funktionierte. Noch eindruckvoller ist aber die Arbeit von Johann Steffen. Der aus der Ukraine stammende Holzkünstler war seit Sommer nahezu rund um die Uhr damit beschäftigt.

Finanziert wurde es von Pro Fritzlar, berichtet Dr. Ulrich Skubella. 6000 Euro habe der Verein investiert, inklusive Material, Beleuchtung, Beschriftung und Honorar für Steffen. Wirklich bezahlbar sei diese Arbeit aber nicht, ergänzt Stadtarchivar Clemens Lohmann. Hätte man es anderswo in Auftrag gegeben, so schätzt er, wären sicher 20 000 Euro fällig geworden.

• Eröffnung: Sonntag, 7. Dezember, ab 16 Uhr.

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