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Großer Abschied für Dr. Ulrich Skubella im Rathaussaal in Fritzlar

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Bekam zum Abschied ein Konzert der Klezmer-Band Nefesh : Fritzlars Ehrenbürger Dr. Ulrich Skubella (Mitte).
Bekam zum Abschied ein Konzert der Klezmer-Band Nefesh : Fritzlars Ehrenbürger Dr. Ulrich Skubella (Mitte). © Andreas Köthe

Kultur-Akteur, Pianist und Arzt: Ehrenbürger Dr. Ulrich Skubella verlässt Fritzlar.

Fritzlar – Es war ein Abschied ohne das ganz große Theater. Kein auf Hochglanz polierter Abend mit endlosen Danksagungen, Champagner und edelster Abendgarderobe, der sich mit opulenter Etikette in das Gedächtnis seiner Mitstreiter und den vielen Profiteuren seines Wirkens hätte verewigen sollen.

Dies hätte dem Charakter von Dr. Ulrich Skubella einfach nicht entsprochen, denn in seiner bescheidenen Art ging es ihm immer um die Sache und nicht um das Scheinwerferlicht, von dem sich so manches Ego aus Kultur und Politik so gerne ausgeleuchtet sieht.

Die Wortbeiträge der Vorsitzenden des Fritzlarer Kulturvereins Jutta Schröder-Wagnitz und von Bürgermeister Hartmut Spogat wirkten unprätentiös und herzlich und waren geprägt von Respekt und Zuneigung einem Menschen gegenüber, der in der Domstadt so viel bewegt hat. Es ging Skubella bei seiner Leidenschaft für Kunst und Kultur immer um das Aufwachen, das Engagement und um die kreative Ausgestaltung visionärer Formate.

Da, wo die Politik oft die Prioritäten auf einen von schwerfälliger Bürokratie ummantelten Pragmatismus setzt und der Kraft und Empathie kultureller Erfahrungen oft reserviert gegenüber tritt, sind Akteure wie er die Seele einer sozialen Gemeinschaft. Wenn er Ausstellungen und Konzerte organisiert, den Kultursommer Nordhessen einmal im Jahr mit einer spektakulären Eventreihe vor den Domplatz lockt und dem heiligen Bonifatius zu einer Bronzestatue verhilft, dann möchte er inspirieren und als Gegenspieler einer oftmals desillusionierenden Realität Hoffnung und Freude entgegensetzen.

Dass er nicht nur über organisatorisches Talent, sondern auch über musikalische Fähigkeiten verfügt, bewies er einmal mehr an diesem Abend im voll besetzten Rathaussaal. Schubert und Chopin gingen ihm so geschmeidig aus den Händen, dass auch eine Karriere als Konzertpianist möglich gewesen wäre. So verabschiedet sich der Ehrenbürger aus privaten Gründen nach 45 Jahren in Richtung Soest und hinterlässt eine gewachsene Infrastruktur, die so viele Gleichgesinnte vereint hat.

Dem Klezmerquartett Nefesh aus Frankfurt, deren Sängerin Margarita Ekineker viele Jahre in der Nähe von Fritzlar wohnte, war es vorbehalten, für einen ansprechenden musikalischen Rahmen zu sorgen. Manchmal wirkte der Auftritt etwas fahrig und langatmig. Doch mit dem jiddischen Repertoire, teilweise begleitet von Skubella am Flügel, generierte man eine gefühlvolle Atmosphäre. So wurde es ein unterhaltsamer, aber auch sehr langer Abend, der mit Geschenkübergabe und großem Applaus nach über drei Stunden sein würdiges Ende fand. (Andreas Köthe)

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