Pensum reduziert

Grundschule An den Türmen in Fritzlar reduziert Hausaufgaben

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Verzweiflung bei den Hausaufgaben: Vielen Schülern fällt es schwer, am Nachmittag nochmal zu lernen. Die Grundschule in Fritzlar geht daher neue Wege – und bietet eine Lernzeit an. 

Fritzlar. Eine Schule ohne Hausaufgaben. Davon träumt wohl jeder Schüler. Die Grundschule An den Türmen in Fritzlar ist diesem Wunsch einen Schritt nähergekommen.

Dort sind die Hausaufgaben zwar nicht abgeschafft, aber deutlich reduziert worden. Seit den Sommerferien gibt es eine Lernzeit. Die Kinder rechnen, schreiben und lesen überwiegend in der Schule. Die Nachmittage sind nicht mehr voll mit Hausaufgaben. Das bedeutet für die Schüler mehr Zeit für Freunde und Hobbys und weniger Stress.

Zumindest ist das die Erfahrung von Nicole Günther. Sie hat drei Kinder und arbeitet halbtags. „Seitdem es die Lernzeit gibt, ist es viel entspannter“, sagt sie. Die Kinder müssten nicht mehr bis 16 Uhr an den Hausaufgaben sitzen. Als die Lernzeit eingeführt wurde, waren nicht alle Eltern für das neue Konzept. „Die Elternschaft ist gespalten“, sagt Günther, die Vorsitzende des Schulelternbeirates ist.

Nicole Günther

Es gab zwei große Kritikpunkte: Zum einen konnten die Eltern anhand der Hausausgaben immer sehen, wie weit ihre Kinder sind. Jetzt erledigen die Mädchen und Jungen das meiste in der Schule - und den Eltern fehlt somit die Kontrollmöglichkeit am Nachmittag. Zum anderen fürchteten viele, dass die Kinder nicht selbstständig genug werden. Sie müssten lernen, sich zu organisieren. Dafür seien die Hausausgaben gut. Außerdem kämen die Mädchen und Jungen auf der weiterführenden Schule nicht um Hausaufgaben herum. Für Schulleiterin Gabriele Wolff sind diese Sorgen unbegründet. Schließlich arbeiten die Kinder in der Lernzeit selbstständig. Sie erhalten jede Woche einen Lernzeitplan, den sie sich einteilen müssen. Am nächsten Dienstag muss nämlich alles fertig sein. „Damit werden die Kinder gut auf die weiterführende Schule vorbereitet“, betont Wolff.

Die Eltern unterschreiben 

Gabriele Wolff

Eltern könnten zudem auch weiterhin einen Blick auf die Aufgaben ihre Kinder haben. Es gibt eine Lernzeitmappe, welche die Grundschüler jeden Tag dabei haben. Die wöchentlichen Aufgabenzettel müssen zudem von den Eltern unterschrieben werden. Auch die Schüler würden von der Lernzeitmappe profitieren.

Die Hausaufgaben seien noch nie so intensiv kontrolliert worden wie jetzt, sagt die stellvertretende Schulleiterin Franziska Bick. Im Klassenalltag habe dafür oft die Zeit gefehlt. „Wir sehen, wie die Unterrichtsinhalte aufgenommen werden und wo Förderungs- und Forderungsbedarf ist. Es ist eine echte Qualität, die zurückkommt.“

So funktioniert die Lernzeit 

Jeder Schüler bekommt jede Woche einen neuen Lernzeitplan mit den zu erledigenden Aufgaben. Die Kinder müssen die Aufgaben abarbeiten, abhaken und ankreuzen, ob ihnen die Aufgabe leicht, mittelschwer oder schwer gefallen ist. Die Mappen werden anschließend von den Lehrern eingesammelt und kontrolliert. Sie zeichnen die Aufgaben ab und vermerken für die Eltern und Schüler, welche Themen nachgearbeitet werden müssen.

Es gibt zu den wöchentlichen Aufgaben auch eine Langzeitaufgabe. Das können etwa Referate, Gedichte und Aufsätze sein. Mit der Lernzeit hat die Schule an den Türmen die Hausaufgaben also nicht abgeschafft.

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