Gute Karten für die EM

Drescher und Röhrig sind Deutsche Schülermeister im Bridge

Sie haben gute Karten, bald für die Nationalmannschaft zu starten: Die Bridge-Spieler Jonas Drescher (links) und Christoph Röhrig (rechts). Unterstützt werden sie von Lehrer Torsten Skibbe. Foto: Laumann

Fritzlar. Wer beim Bridge aufs Glück setzt, hat schon verloren. Nur mit Logik, Psychologie und Können kommt man bei dem Kartenspiel weiter. Was viele abschreckt, macht für Jonas Drescher den Reiz aus. Drescher spielt seit drei Jahren, startet in der Regionalliga und ist zweifacher Deutscher Schülermeister. Den jüngsten Titel hat er kürzlich mit seinem Spielpartner Christoph Röhrig geholt.

Drescher und Röhrig: Die 17-jährigen Ursulinenschüler kennen sich aus der Bridge-AG der Schule und spielen erst seit wenigen Wochen zusammen. Trotzdem passt das Duo perfekt. Drescher geht im Spiel aggressiv voran, Röhrig ist besonnener und tritt lieber mal auf die Bremse. „Wir ergänzen uns sehr gut“, erklärt Christoph Röhrig das Erfolgsrezept, das bei den Deutschen Schüler-Meisterschaften aufgegangen ist.

„Unser Ziel war schon zu gewinnen“, sagt Drescher. Unterm Strich seien die beiden Spieltage weniger anstrengend gewesen als gedacht. „Am ersten Tag dauern die Spiele länger. Es sind viele dabei, die noch nicht so lange spielen. Es ist unruhig“, erklärt Drescher.

Das Schwierigste sei, die Konzentration hochzuhalten. Gespielt wurde an dem Samstag von 14 bis 22 Uhr. „Da musst du auf das Turnier fokussiert sein und auch mal mit drei Stunden Schlaf auskommen.“

Denn die Bridge-Partien beschäftigen Röhrig und Drescher auch, wenn die Karten längst aus der Hand gelegt worden sind. Dann würden die Spiele im Kopf noch einmal durchgegangen, Fehler analysiert. „Man muss über die Fehler reden können, ohne dass sich der andere angegriffen fühlt“, sagt Röhrig. Das können die beiden.

Das Schul-Duo setzte sich durch, holte den Titel und erhält eine Einladung für das Kader-Training der Junioren-Nationalmannschaft.

„Wenn sie sich dort beweisen, könnten sie einen Startplatz für die Europameisterschaft in zwei Jahren bekommen“, meint Torsten Skibbe. Der Lehrer ist davon überzeugt, dass seine Schützlinge das Potenzial dazu haben.

Bis jemand so gut Bridge spielt, dauert es. Die Grundlagen legte Skibbe, der die Bridge-AG betreut und Vorsitzender des Bridgeclubs Yarborough Fritzlar ist, zwar in acht Doppelstunden. Danach gilt es, fleißig zu sein und Durchhaltevermögen zu beweisen.

„Es ist viel Frustration dabei“, sagt Skibbe. Neben dem regelmäßigen Spielen komme es darauf an, Theorie zu pauken. „Man lernt verschiedene Manöver, die man erkennen und anwenden muss“, erklärt Drescher. Von dem Denksport profitieren die Spieler auch in der Schule. Bridge steigere Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Und davon können die Oberstufenschüler fürs Abitur nicht genug haben.

Auf die Taktik kommt es an

Bridge ist das weltweit am häufigsten gespielte Kartenspiel. Wir beantworten Fragen zu dem Spiel.

Was ist Bridge und wie läuft das Spiel ab?

Bridge ist ein Kartenspiel für vier Personen. Turnierbridge wird mit einem festen Partner gegen andere Paare gespielt. Man sitzt seinem Partner gegenüber, versucht durch das Reizen möglichst genau vorauszusagen, wie viele Stiche man mit dem gewählten Trumpf erzielen kann. Anschließend versucht man, mindestens die versprochene Anzahl von Stichen zu bekommen.

Bridge wird mit einem 52er-Blatt und den Farben Pik, Coeur, Karo und Treff gespielt. Die Wertigkeit der Karten geht vom Ass über die „Figuren“ König, Dame, Bube bis hinunter zur 2.

Für wen eignet sich das Spiel?

Bridge eignet sich nach Angaben des Deutschen Bridge-Verbandes für Spieler jeden Alters. Um mit dem Bridgespielen beginnen zu können, benötigt man keinen jahrelangen Unterricht, sondern Spaß am Kartenspielen und Interesse an Taktik und Strategie.

Welche Rolle spielen Glück und die Karten?

Beim Turnierbridge sind Zufall und Kartenglück ausgeschaltet. Alle Spieler verwenden die gleichen Karten, es kommt nicht auf das erreichte Ergebnis an sich an, sondern vielmehr auf das in der Relation zu den anderen Resultaten erzielte Ergebnis. Für die Platzierung ist entscheidend, was man aus seinen Karten verglichen zum Rest des Feldes macht. Es gibt keine guten oder schlechten Karten.

Worauf kommt es beim Bridge an?

Beim Bridge ist die Psychologie ein entscheidender Faktor. Zum erfolgreichen Bridgespiel ist das Einschätzen des Gegners, seiner Handlungen und die Analyse seiner Spielsituation unerlässlich. So kann man mit kleinen psychologischen Tricks seinen Gegner in die Irre führen.

Ist Bridge als Sport anerkannt?

Der Welt-Bridgeverband wurde 1995 durch das Internationale Olympische Komitee zur anerkannten Organisation erklärt. Bridge ist in die olympische Familie aufgenommen, ist aber nicht olympisch. Den Welt-Bridgeverband gibt es seit 1958. Unter seiner Schirmherrschaft finden Weltmeisterschaft und Bridge-Olympiade für Teams im jährlichen Wechsel statt.

Wo kann man Bridge lernen und spielen?

Der Deutsche Bridge-Verband besteht aus 13 Landesverbänden mit rund 480 Vereinen. Er zählt etwa 29 000 Mitglieder. Clubs gibt es in Fritzlar, Bad Wildungen und Kassel. Der nächste Einsteiger-Kurs in Fritzlar beginnt im Herbst und geht über acht Doppelstunden. Infos bei Torsten Skibbe, Tel. 05622-916126, Mail: skibbe@t-online.de.

www.bridge-verband.de

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