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Rock am Stück in Fritzlar: Warum das Festival in Schieflage ist

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Von: Maja Yüce

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Nachdenklich: Michael Döring gehört zu den Gründern des Festivals Rock am Stück. Er sagt, wegen des schlechten Vorverkaufs gab es keine Alternative zur Absage.
Nachdenklich: Michael Döring gehört zu den Gründern des Festivals Rock am Stück. Er sagt, wegen des schlechten Vorverkaufs gab es keine Alternative zur Absage. © privat

Mehrere Tausend Besucher hatte das Festival Rock am Stück in Fritzlar vor Corona. Nun kämpft es ums Überleben.

Fritzlar – Der Vorverkauf für das Festival Rock am Stück lief so schlecht, dass die Veranstalter die Reißleine zogen und das Festival absagten. Jetzt stehen sie vor neuen Problemen und kämpfen um das Überleben des bis dato größten Festivals im Landkreis, bei dem schon Musikgrößen wie Metal-Queen Doro Pesch, die Bands Accept, Eisbrecher, Airbourne, Hämatom und viele mehr für ausverkaufte und gefeierte Liveauftritte sorgten.

Grund dafür: Zahlreiche Fans, die das Festival vom 21. bis 23. Juli im Fritzlarer Stadtteil Geismar besuchen wollten, wollen nun schnellstmöglich ihr Geld zurück. Und: Einige der bereits gebuchten Bands fordern zudem, dass sie den finanziellen Ausfall ihres Auftritts zu 100 Prozent ersetzt bekommen. Hinzu kommt heftige Fan-Kritik an der Kommunikation der Festival-Macher der „LohrBergWerk Rock-Promotion“.

Die Kritik an der Kommunikation lässt Michael Döring, einer der Festivalgründer, nicht auf sich sitzen. „Wer uns bei Facebook verfolgt, ist immer informiert“, sagt er. Das Team schaffe es derzeit nicht auf jede einzelne Nachricht zu antworten. „Es gibt Fans, die nach zwei Coronajahren und vielen abgesagten Konzerten absolut kein Verständnis mehr haben“, schildert Döring. Das sei schade und schmerze die Festival-Macher sehr.

Er wirbt um Verständnis für die Absage, bis zu der nur 1300 Karten verkauft wurden. „Viel zu wenig. Um auf eine schwarze Null zu kommen, hätten es 5000 Karten sein müssen“, sagt Döring. Zu schaffen machen den Veranstaltern auch einige unnachgiebige Band-Forderungen nach der vollen Gage.

„Wir versuchen, mit allen etwas auszuhandeln“, sagt Döring und nennt neue Auftrittstermine als Beispiel. „Es gibt viele, die uns entgegenkommen. Wenn aber ein Headliner auf 100-prozentigen Ersatz besteht, müssen wir unsere Überlebensfähigkeit überprüfen.“

Aus rein finanzieller Sicht könne er die Forderungen der Fans und Bands verstehen, auch wenn er sich oft einen faireren Umgang wünsche. Ob und wie es mit RaS weitergehe, entscheide sich in den nächsten zwei bis drei Wochen.

Rock am Stück in Fritzlar: Vorverkauf lief nur schleppend

Keine Masken, keine Tests, Impfstatus spielt keine Rolle: Für die Festival-Saison standen auch für „Rock am Stück“ im Fritzlarer Stadtteil Geismar die Zeichen auf Rückkehr zur Normalität. Doch: Fehlanzeige. Der Vorverkauf für die Veranstaltung, die vom 21. bis 23. Juli stattfinden sollte, blieb stark hinter den Erwartungen zurück. Und das trotz bekannter Band- und Künstlernamen. Das Festival wurde abgesagt – jetzt kämpfen die Veranstalter um das Überleben von „Rock am Stück“. Was dabei eine Rolle spielt:

Der Vorverkauf

Die Vorfreude war riesig, die Erwartung nach zwei – auch für Livemusikfans – entbehrungsreichen Coronajahren war es ebenfalls: „Wir haben lange gehofft, dass sich etwas tut“, sagt Michael Döring von „LohrBergWerk Rock-Promotion“ mit Blick auf den Kartenvorverkauf. Allerdings hätten die Ticketverkäufe zwei Monate vor der Veranstaltung weit hinter denen von 2019 gelegen. „Wir hatten Wochen, in denen wir maximal nur 12 Karten verkauft haben. Normalerweise lagen wir um die 100 Karten pro Woche“, so Döring. Kurz vor der Absage habe man dann bei rund 1300 Tickets im Vorverkauf gelegen, 5000 Karten hätten es sein müssen, um bei einer schwarzen Null zu landen, erklärt er.

Gründe für die „riesige Zurückhaltung der Fans beim Kartenvorverkauf“, wie er es nennt, sieht Döring zum einen in den gestiegenen Lebenshaltungskosten und zum anderen auch in der Sorge vor möglichen neuen Corona-Einschränkungen. „Viele haben auch noch Konzertkarten aus den Vorjahren, die jetzt nachgeholt werden und kaufen deshalb keine neuen Karten“, vermutet er.

Die Absage

Sie war für die Veranstalter alternativlos. „Wir können und wollen es uns nicht erlauben, ein Festival um jeden Preis zu machen“, sagt er. Denn dann hätte es neben enttäuschten Fans und Bands auch noch die vielen Zulieferer getroffen – wie etwa Getränkeverkäufer und mehr. „Wir hätten sie doch nicht alle ins offene Messer rennen lassen können“, sagt Döring. Deshalb habe man Verantwortung übernommen und das Festival abgesagt. „Rock am Stück ist mein Baby. Es fühlte sich so an, als würde es sterben und ich kann nichts dagegen tun“, so Döring.

Die Kosten

Die Preise seien zudem explodiert, sagt Döring und nennt Beispiele: Die Bühne habe vor Corona 70 000 Euro gekostet und nun 100 000 Euro. Bei den Festivaltoiletten seien die Preise von 9 000 auf 19 000 Euro gestiegen und bei den Bauzäunen und Aggregaten liege man mitunter bei einer Preiserhöhung von 300 Prozent. Aber mit dieser Situation hätten alle Veranstalter jetzt zusätzlich zu kämpfen. Ebenso wie mit personellen Engpässen bei den Bühnenbauern und Co.

Die Bands

Viele Bands pflegten auch nach der Festival-Absage einen fairen Umgang, sagt Döring. „Wir sind ein Festival, dass auch von den Bands sehr geschätzt wird“, betont er. Allerdings gebe es auch Musikgruppen – darunter Headliner – die auf die volle Gage bestehen. „Wenn sie eine Ausfall-Gage fordern würden, könnte ich es verstehen, aber die volle Summe steht in keinem Verhältnis“, so Döring.

Die Fans

Viele Festivalgänger machen ihrem Unmut über die Absage vor allem im Internet Luft. Auch die HNA-Redaktion erreichten enttäuschte Fan-Reaktionen. Vor allem bemängeln sie die Kommunikation und auch, dass sie das Geld für ihre Karten noch nicht zurückerhalten haben. „Wir verstehen, dass es unbefriedigend ist, in dieser Situation ungewöhnlich lange nichts von uns zu hören“, erklären die RaS-Macher bei Facebook und werben um Verständnis.

„Wir kämpfen an allen Fronten“, heißt es weiter. Die Fan-Reaktionen darauf reichen von „Ich fühle mich heftig verarscht“ über „Wir wollen unser Geld zurück“ bis zu „Drücke die Daumen“. Und Döring sagt, er hoffe, dass nicht alle Fans das Geld sofort zurück wollen und sich ihre Karten erst mal aufheben.

Die Veranstalter

Die Absage, die Reaktionen einiger Fans und mancher Bands schmerze die Festival-Macher sehr, sagt Döring. „Wir stecken alle unser Herzblut in das Festival“, betont er. Obwohl er jemand sei, der sich oft und gerne im Internet tummele, könne er derzeit nicht alle Kommentare lesen. „Da gibt es viele, sehr negative Reaktionen und auch Vorhaltungen, die mich runterziehen. Das ist nicht gesund“, sagt er und räumt ein, dass es auch zahlreiche aufmunternde und verständnisvolle Botschaften an die Veranstalter gebe. Das lasse hoffen. Toll sei vor allem der Zusammenhalt des RaS-Teams, sagt Döring. „Alle sind traurig, aber alle sind auch füreinander da.“

Die Zukunft

Wie und ob es mit Rock am Stück weitergeht, halten sich die Veranstalter offen. „Wir müssen im Auge behalten, wie sich alles entwickelt. Wie viele Ticket-Rückabwicklungen anstehen und was wir mit den Bands aushandeln können.“ Klar sei, dass man um das Überleben des Festivals kämpfe. „Wir bleiben optimistisch“, so Döring. (Maja Yüce)

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