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Vorhofflimmern wird oft zu spät erkannt: Smartwatch gibt Mann aus Malsfeld entscheidenden Hinweis

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Von: Daniel Seeger

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Vorhofflimmern ist eine häufige Erkrankung, die aber nur selten sofort erkannt wird. Bei Edwin Bernhardt aus Malsfeld half eine Smartwatch.

Fritzlar – Dass ein Patient sich extra noch einmal meldet und sich für die Behandlung im Krankenhaus bedankt, kommt nicht alle Tage vor. Edwin Bernhardt hat es getan. Er schrieb an das Team der Kardiologie um Chefarzt Dr. Murat Yildiz im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar. Denn heute ist er wieder fit – das sah vor einigen Monaten jedoch noch ganz anders aus.

Bernhardt wurde mehrfach im Hospital behandelt – wegen seiner Herzrhythmusstörungen. Zuletzt vor einigen Monaten mit einer speziellen Kältebehandlung, der sogenannten Kryoablation, die seine Beschwerden deutlich verbessert hat. „Ich merke immer noch eine leichte Verbesserung“, sagt der Malsfelder im HNA-Gespräch.

Vorhofflimmern von Smartwatch erkannt: Ablation kann Lebenserwartung erhöhen

„Die Behandlungsmethode wurde schon vor 20 Jahren erfunden“, sagt Dr. Yildiz. Lange habe man Vorhofflimmern, unter dem auch Bernhardt litt, ausschließlich mit Medikamenten behandelt, doch die aktuelle Studienlage spreche in vielen Fällen für die Ablation. So sei die durchschnittliche Lebenserwartung nach einer solchen Therapie im Vergleich viel höher.

Hat sich beim Team von Dr. Murat Yildiz (links) bedankt: Edwin Bernhart aus Malsfeld.
Hat sich beim Team von Dr. Murat Yildiz (links) bedankt: Edwin Bernhart aus Malsfeld. © Daniel Seeger

Ein großes Problem für Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden: „Das Schlaganfallrisiko ist deutlich erhöht“, so Dr. Yildiz. Das liegt daran, dass das Blut durch das Vorhofflimmern im Vorhof des Herzens langsamer fließt und sich im sogenannten Vorhof-Ohr, einer Ausstülpung im linken Vorhof, schnell Blutgerinnsel bilden können. Laut Experten der Deutschen Herzstiftung ist Vorhofflimmern bei rund 30 Prozent aller Schlaganfälle Ursache der Erkrankung.

Schlaganfall ist häufig Ursache für Vorhofflimmern: Smartwatch erkennt „unregelmäßigen Herzrhythmus“

Auch Edwin Bernhardt erlitt Anfang 2021 einen Schlaganfall – und hatte Glück, dass die Menschen um ihn herum direkt reagiert haben. „Als es passierte, war ich im Telefongespräch mit einem Arbeitskollegen“, erinnert er sich. Der bemerkte, dass etwas nicht stimmte und informierte sofort die Ehefrau von Edwin Bernhardt, die den Notarzt rief.

Doch nach dem Schlaganfall baute Bernhardt körperlich immer mehr ab. Schon kleine Aktivitäten wie Spaziergänge wurden anstrengender für ihn. „Zuerst dachte ich, dass es einfach Nachwirkungen vom Schlaganfall sind“, sagt Bernhard – doch das war ein Trugschluss. Auf Hinweis seiner Ärztin kaufte er sich eine Smartwatch – die meldete sich dann mit einer Warnung: Vorhofflimmern. „Dein Herz weist Anzeichen eines unregelmäßigen Herzrhythmus auf“ stand auf dem Display. „Die Uhren zeichnen im Gegensatz zu einem EKG konstant auf“, sagt Chefarzt Dr. Yildiz. Denn unter Umständen tritt das Vorhofflimmern nicht ständig auf.

Smartwatch erkannte Vorhofflimmern - „Der erste Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein“

Im Hospital unterzog sich Bernhardt im weiteren Verlauf mehrerer Operationen. „In den meisten Fällen kommen diese Rhythmusstörungen von elektrischen Reizen, die an der Einmündung der Lungenvenen entstehen“, erklärt Dr. Yildiz. Und genau da setzt die Kryoablation an. Mittels Kälte verödet man dieses Gewebe und behebt so die Ursache des Flimmerns. Ob eine solche Behandlung infrage kommt, muss aber individuell entschieden werden, betont der Mediziner.

Doch was tun, wenn man merkt, dass etwas mit dem Herzen nicht stimmt? „Der erste Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein“, sagt Dr. Yildiz. Der entscheide dann darüber, wie es weiter geht. Wichtig sei, dass das Vorhofflimmern früh erkannt werde, denn die Behandlung werde schwieriger, je länger das Vorhofflimmern andauert. (Daniel Seeger)

Herzwochen

Die Deutsche Herzstiftung veranstaltet jedes Jahr die „Herzwochen“, um auf verschiedene Themen rund um die Herzgesundheit aufmerksam zu machen. In diesem Jahr dreht sich im Monat November alles um das Thema Vorhofflimmern. Das Hospital zum Heiligen Geist bietet eine Weiterbildung für alle Ärzte an: Am Mittwoch, 9. November, werden dann Dr. Murat Yildiz, Jaber Al Massalmeh und Elvis Ypi ab 17.30 Uhr in der Domlounge in Fritzlar zum Thema Vorhofflimmern referieren. Anmeldungen unter Tel.: 05622/997266 oder E-Mail veranstaltung@hospital-fritzlar.de

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