Mobilität spielt größte Rolle

Hessentag wird klimaneutral: Parlament will, dass Fritzlar 2024 umweltfreundlich feiert

Abenteuer Wald: Auch das Arboretum, eine Sammlung von Bäumen und Sträuchern, soll Lern- und Spielort des Waldkindergartens werden. Unser Bild zeigt eine Traubeneiche.
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Der Umwelt zuliebe: Der Hessentag 2024 in Fritzlar soll klimaneutral werden.

Ein wegweisender Beschluss wird bei der nächsten Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung fallen: Der Hessentag 2024 soll klimaneutral gefeiert werden.

Fritzlar – Über diesen Plan ist sich die Koalition aus SPD, Freien Wählern und Grünen sowie die CDU-Fraktion einig. Schädliche Treibhausgase möglichst vermeiden und unvermeidliche Emissionen kompensieren – das ist das zentrale Ziel. Wie die Stadtverwaltung das in Zusammenarbeit mit Parlament und den Bürgern schaffen soll, ist im gemeinsamen Antrag deutlich formuliert.

„Es ist ein Riesenprojekt, das nur gelingt, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt Dr. Christina Starke, Fraktionsvorsitzende von den Grünen. Sie spricht von einem „starken Signal“, einem Thema, das für die Grünen bereits bei den Koalitionsverhandlungen Voraussetzung gewesen sei.

Das Thema Mobilität stehe im Mittelpunkt. Wie die Besucher an- und abreisen, ist laut Starke nämlich für 90 Prozent des CO2-Ausstoßes bei Großveranstaltungen verantwortlich. Mario Jung, Fraktionsvorsitzender der SPD, schlägt daher konkret vor, mit Trägern des ÖPNV und der Bahn ein Kombi-Ticket zu verhandeln. „Wir müssen Anreize schaffen, damit das eigene Auto nicht immer die erste Wahl ist.“ Auch der Radwegeausbau spiele in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

Neben der guten Erreichbarkeit mit Rad und ÖPNV seien es aber auch die Einsparung von Energie und Wasser, das Angebot regionaler Produkte sowie die Abfallvermeidung durch Mehrweggeschirr, die den klimaneutralen Hessentag ausmachen werden. Wichtig ist den Fritzlarer Fraktionen außerdem: Der Startschuss für das Umdenken soll nicht erst 2024 fallen. „Bis zum Hessentag sollen alle Veranstaltungen sukzessive klimaneutraler organisiert werden“, heißt es.

„Das Ziel ist vorgegeben. Der Weg dahin ist aber ein breites Spielfeld für Verwaltung, Parlament und Betreiber“, betont Jung. Man wolle die Fritzlarer aktiv in die Gestaltung miteinbeziehen. Erste Veränderungen könnten schon nächstes Jahr, beispielsweise beim Pferdemarkt zu spüren sein.

Fritzlar ist nicht die erste Stadt, die klimaneutral feiert

Fritzlar ist nicht die einzige Stadt, die einen klimaneutralen Hessentag veranstalten will. Unterschiedliche Konzepte für ein umweltfreundliches Landesfest gab es bereits in Oberursel im Jahr 2011, in Kassel im Jahr 2013 sowie in Bensheim ein Jahr später. Auch Bad Vilbel plante einen klimaneutralen Hessentag. 2020 wurde dieser coronabedingt abgesagt. Er soll 2025, also ein Jahr nach der Austragung in Fritzlar, nachgeholt werden. 

Klimaneutraler Hessentag in Fritzlar: Auch Abfall soll reduziert werden

Dass der Hessentag 2024 in Fritzlar aller Voraussicht nach klimaneutral stattfinden soll, bringt einen Stein ins Rollen, der nicht nur das Landesfest, sondern künftig alle Veranstaltungen in der Domstadt beeinflussen wird. Umweltfreundlichkeit spielt sich auf mehreren Ebenen ab. Ein Überblick.

Mobilität: Es ist wohl der wichtigste Bereich, in dem klimapolitisch etwas zu bewegen ist. Nicht nur die An- und Abreise der Besucher ist in diesem Punkt von Bedeutung.

Auch Wege, die für Materialanlieferungen und Verpflegung nötig sind, sollten berücksichtigt werden, betonen die Fraktionen in ihrem Antrag.

Kombitickets, also Eintrittskarten gepaart mit der kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, sollen die Menschen ermutigen, auf das eigene Auto zu verzichten. Die Vielfalt macht’s: Auch über Shuttle-Service, E-City-Roller und Fahrradabstellmöglichkeiten müsse nachgedacht werden, finden SPD, Freie Wähler, Grüne und CDU.

Energie: Der Hessentag 2024 soll zu 100 Prozent mit Naturstrom durch die EWF versorgt werden. Im Gastronomiebereich werde häufig noch Erdgas verwendet, erklären die Fraktionen. Sogenannte Klimakompensationsmaßnahmen sollen in solchen Fällen für einen angemessenen Ausgleich sorgen.

Zur Debatte steht zum Beispiel die Anpflanzung eines Hessentagwaldes. Hinzu kommen ein sparsamer Wasserverbrauch und biologisch abbaubare Spül- und Reinigungsmittel, um die Umwelt möglichst wenig zu belasten.

Technik: LED-Technik spielt laut Antrag eine maßgebliche Rolle. Zudem soll auf energieeffiziente Geräte bei der Wahl von Ausschank- und Kühlwägen Wert gelegt werden. Man könne darauf achten, Anbieter mit einer Umweltzertifizierung auszuwählen, was die Tontechnik, die Projektions- und die Lichttechnik betrifft. „Eine Lasershow anstelle eines konventionellen Feuerwerks vermeidet hohe Feinstaubbelastungen und beeinträchtigt auch nicht die Tierwelt“, heißt es im Antrag.

Abfall: Vermeiden, vermindern und verwerten – das ist das Motto in puncto Abfallmanagement. Auf Umverpackungen und Kleinverpackungen soll daher gänzlich beim Hessentag 2024 verzichtet werden, schlagen die Fraktionen vor. Mehrweggeschirr soll fester Bestandteil der Fritzlarer Veranstaltungen sein. „Das verringert nicht nur die Abfallmenge, sondern wertet auch das ganze Fest auf“, heißt es. Abfallinseln mit getrennten Mülleimern sollen außerdem zur richtigen Entsorgung anhalten.

Kommunikation: Nicht zuletzt sei es wichtig, den Menschen das Thema Schritt für Schritt nahezubringen. Überlegungen gibt es in Bezug auf Mitarbeiterschulungen, Öffentlichkeitsarbeit und Informationsveranstaltungen.

Was die Finanzierung angeht, rechnet die Koalition übrigens nicht mit einem deutlichen Kostenanstieg. Genaue Berechnungen stünden aus, aber durch beispielsweise LED-Beleuchtungen könnte sogar gespart werden. (Daria Neu)

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