Rote Wäsche bringt Glück: Redakteurin berichtet über die Festtage auf Mallorca

Claudia Schittelkopp und ihr Mann Sebastian Fabas. Foto: privat

Im Frühjahr 2015 wanderten die ehemalige HNA-Redakteurin Claudia Schittelkopp (30) und ihr Mann Sebastian Fabas aus. Es zog sie von Trutzhain auf die spanische Insel Mallorca. Von dort berichtet sie über die ersten Festtage in der neuen Heimat.

Kein Schnee, keine Nordmanntanne, keine Festtagsgans. Dafür feierte ich den Heiligen Abend mit argentinischem Barbecue, überraschend großen Wichtelgeschenken und einer fremden Großfamilie. Seit acht Monaten leben mein Mann und ich auf Mallorca. Unsere argentinischen Nachbarn hatte uns eingeladen, mit ihnen Weihnachten zu feiern. Es war laut, fröhlich und ging bis in die frühen Morgenstunden.

Mallorquiner lassen sich am Heiligenabend gern Spanferkel schmecken. Zum Nachtisch darf Turrón, eine Nougat-Variante nicht fehlen. Doch bei den Argentiniern wird auch am Heiligabend gegrillt, vor allem wenn Ende Dezember noch 19 Grad herrschen. Für meinen Vorschlag, eine Gans im Ofen zuzubereiten, erntete ich nur erstaunte Blicke. Also wurde gegrillt - mit der großen Familie.

Gegessen wurde erst gegen 22 Uhr, danach kamen die Wichtelgeschenke unter den Plastik-Tannenbaum. Die Kinder werden erst am Drei-Königs-Tag beschert. Wichteln heißt auf spanisch „Amigo invisible“, der unsichtbare Freund. Aus Deutschland kannte ich den Brauch so, dass man eine Kleinigkeit als Wichtelgeschenk verpackt. Doch hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Mein Mann bekam ein Hemd geschenkt und ich eine Handtasche. Was fühlte ich mich mit unseren Zehn-Euro-Wichtelgeschenken knauserig!

Um Mitternacht stießen wir mit Sekt an und wünschten uns frohe Weihnachten. Gleich nach dem offiziellen Teil sagte die 18-jährige Nichte, die den ganzen Abend mit ihrem Freund gestritten hatte: „Räumt die Tische weg, wir wollen tanzen.“ Also legten Oma, Opa, Neffen, Nichten, die neun- und fünfjährigen Enkel, sowie die gesamte Schar an Onkel und Tanten eine flotte Sohle aufs Parkett - zu hören gab es keine besinnlichen Weihnachtslieder, sondern die Gassenhauer der spanischen Musikszene. Es war ein rauschendes Fest.

Zum Jahresende kommt wieder Besuch aus Deutschland. Die Freundinnen lockt die Aussicht auf eine rauschende Silvesterfeier nach Mallorca. Typisch spanisch ist es, in der letzten Nacht des Jahres rote Unterwäsche zu tragen. Sie soll Glück bringen. Egal ob Baumwollschlüpfer oder Seidendessous, Hauptsache das Darunter war ein Geschenk, dann ist Fortuna dem Träger hold fürs das kommende Jahr.

Die größte Feier der Insel findet auf dem Rathausplatz in Palma statt. Dort treffen sich Urlauber und Einheimische, um das neue Jahr zu begrüßen. Schlag Mitternacht wird auf Mallorca nicht einfach nur mit Sekt angestoßen: Bei jedem Schlag der Rathausuhr muss eine Weintraube vertilgt werden. Die zwölf Glückstrauben gibt es enthäutet und entkernt im Supermarkt zu kaufen. Allerdings muss ich noch herausfinden, was die beste Technik ist: Die Trauben zerbeißen oder einfach herunterschlucken. Damit 2016 auch ja nichts schief geht!

Rückblick 

Als wir im April auf der Insel landeten, machte die beginnende warme Jahreszeit den Einstieg leicht. Mallorca wurde voll, sonnig und heiß. Wir waren jedes Wochenende abends aus und tagsüber am Strand. Am laufenden Band stand Besuch aus Deutschland vor der Tür. Unter der Woche gab es viel Arbeit in der Redaktion des Mallorca Magazins, wo ich beschäftigt bin, und so verging der Sommer wie im Flug. Wir haben uns gut eingelebt, nette Nachbarn und Kollegen kennengelernt. Mit Ende der Hauptsaison wird es auf der Balearen-Insel ruhiger, man nimmt sich Zeit zum Wandern und Erkunden der Dörfer. Im Herbst und Winter hat die Insel ihren ganz eigenen Charme.

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