Wohnungsbau ist die Idee

Hoffnungen für Bauruine: Eigentümer wünscht sich Investor für ehemaliges Scala

Wo früher Künstler und Artisten für eine tolle Atmosphäre gesorgt haben, wirkt derzeit alles heruntergekommen. Der aktuelle Eigentümer wünscht sich einen Investor, der die Räume wieder auf Vordermann bringt.
+
Wo früher Künstler und Artisten für eine tolle Atmosphäre gesorgt haben, wirkt derzeit alles heruntergekommen. Der aktuelle Eigentümer wünscht sich einen Investor, der die Räume wieder auf Vordermann bringt.

Die Fritzlarer kennen das Gebäude an der Spitalsgasse 9 noch als belebte Kultureinrichtung. Doch davon ist nichts mehr übrig. Jetzt soll es aber wieder voran gehen – und zwar mit Wohnbebauung.

Fritzlar – Wer das historische Gebäude an der Spitalsgasse 9 in Fritzlar von außen sieht, ahnt schon: Drinnen ist vermutlich nichts mehr, wie es mal war, als es noch das beliebte Scala Varieté gab. Und richtig. Da, wo vor einigen Jahren noch Artisten über die Bühne geflogen sind und zahlreichen Besuchern einen vergnügten Abend bereitet haben, gleicht mittlerweile alles einer Bauruine.

Abgebröckelte Wände, kaputte Böden, verranzte Ecken – von einer stimmungsvollen Künstleroase keine Spur mehr. Das bedauere auch der aktuelle Eigentümer, Norbert Schmidt aus Gudensberg, zutiefst. „Sie hätten mal sehen sollen, in welchem Zustand das Gebäude war, als ich es 2018 gekauft habe“, sagt er und betont, er habe bereits viele Arbeitsstunden in Entrümpeln und Aufräumen investiert.

Drogenpartys hätten dort zu Zeiten des alten Eigentümers stattgefunden. Dabei sei vermutlich alles zerstört worden und der Flair des einst so schönen Gebäudes verloren gegangen. Dennoch habe Schmidt das große Haus mit einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern gekauft.

Laut Jens Breitenbach, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder kam es in den Jahren vor 2018 tatsächlich immer wieder zu Polizeieinsätzen an der Spitalsgasse.

Wünschen sich eine bessere Zukunft fürs ehemalige Scala Variéte: von links Eigentümer Norbert Schmidt, Maklerin Inge Rosenthal und Architekt Klausdieter Kühnel.

„Es handelte sich überwiegend um Diebstahls-, Beleidigungs-, Bedrohung-, Körperverletzung-, Sachbeschädigungsdelikte, aber auch um Verstöße im Hinblick auf das Verkehrsrecht“, so Breitenbach. Auch sei bezüglich des Betäubungsmittelgesetz dort ermittelt worden. „Zudem gab es Beschwerden aus der Nachbarschaft wegen Ruhestörungen.“

„Im Grunde ist es eine Perle“, bestätigt auch Schmidts guter Freund und Architekt Klausdieter Kühnel. Die Lage sei 1 A – mitten in Fritzlar. Ein solches Grundstück müsse man erst einmal finden. Daher haben Schmidt, Kühnel und die Gudensberger Maklerin Inge Rosenthal auch eine konkrete Idee: Wohnungsbau, wo zuletzt lange Jahre Kunst und Kultur geboten wurde.

Wohnungen statt Bruchbude: Das ist eine Idee.

Allerdings wolle Schmidt dies finanziell nicht selbst stemmen. Er möchte das Gebäude verkaufen. Gesucht sei ein Investor, der das Potenzial erkenne und Geld in die Hand nehmen könne, um aus der Ruine wieder etwas Sinnvolles zu machen. „Es muss ein Liebhaber sein“, sagt Kühnel. „Jemand, der weiß, wie mit solchen alten Schätzen umzugehen ist.“

Der Gudensberger Architekt habe bereits genaue Pläne entwickelt, wie ein mehrgeschossiges Haus mit etwa 20 Wohnungen aussehen und gestaltet werden könnte. „Die sind aber nur eine Anregung, ein Angebot für einen neuen Investor.“ Leicht umzusetzen sei das Ganze nicht, das wissen die Drei. Eine große Herausforderung stelle zum Beispiel der Denkmalschutz dar. Die hohe gewölbte Decke, die historischen Treppenaufgänge – einfach abreißen und neu bauen ist dort nicht möglich. Man müsse jemanden finden, der mit Herzblut an die Sache herangehe. „Auch sozialer Wohnungsbau wäre eine sinnvolle Möglichkeit“, schlägt Eigentümer Schmidt vor. Er habe bereits alte Häuser in Gudensberg gekauft und saniert. Das ehemalige Scala wolle er eben nicht selbst in die Hand nehmen. Ohnehin sei er schwierig in das Projekt gestartet, weil es beim Kaufzeitpunkt ein Nutzungsverbot gegeben habe, von dem er nichts gewusst habe.

Vor allem der Treppenaufgang im Haus sieht völlig desolat aus.

Bürgermeister Hartmut Spogat wünscht sich für Fritzlar, dass mit dem Gebäude an der Spitalsgasse etwas passiert. „Ich würde mich sowohl über Wohnungsbau als auch über jemanden freuen, der Kunst und Kultur anbieten möchte.“ Im städtischen Interesse wäre beides.

Wer Interesse an dem Objekt habe, könne sich an Inge Rosenthal unter 01 77 / 4 49 44 30 wenden. Der Preis für die Immobilie könne dann verhandelt werden. (Daria Neu)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.