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Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein Auslaufmodell – Bundeswehr benötigt Nachfolger

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Von: Daniel Seeger

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Auf dem Foto ist ein Hubschrauber der Bundeswehr zu sehen.
Ein Tiger des Kampfhubschrauber-Regiments Kurhessen auf dem Gelände der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne. Im Hintergrund ist die Fritzlarer Altstadt zu sehen. © Peter Zerhau

Beim Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr steht die Entscheidung über ein Nachfolgemodell an. Für das Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar könnte das große Umstellungen mit sich bringen.

Fritzlar – Der Kampfhubschrauber Tiger braucht einen Nachfolger. Das zumindest ist von verschiedenen Verteidigungsexperten zu hören. Und auch der Kommandeur des Fritzlarer Regiments, Oberst Sönke Schmuck, betonte kürzlich im HNA-Gespräch, dass die Entscheidung für einen Nachfolger Priorität haben müsse.

Dass bereits jetzt eine Nachfolgelösung für den deutsch-französischen Tiger-Kampfhubschrauber gesucht wird, hängt damit zusammen, dass die Beschaffung von militärischem Gerät deutlich vielschichtiger ist, als beispielsweise der Kauf von zivilen Fahrzeugen wie Lkw. Und auch die Systeme selbst sind komplexer. Planmäßig soll der Hubschrauber nach Auskunft des Heeres bis zum Jahr 2038 genutzt werden.

Bundeswehr-Experte: Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein altes Modell

Der Wissenschaftler und Bundeswehr-Soldat Dr. Florian Schöne ist Experte auf dem Gebiet der Sicherheits- und Verteidigungspolitik und hat selbst eine Ausbildung zum Hubschrauberpiloten absolviert. Für ihn steht fest, dass der Tiger mittlerweile ein altes Modell ist. Der erste Prototyp des Hubschraubers sei bereits im Jahr 1984 geplant worden. Für die Fritzlarer Heeresflieger bedeute das, dass die Technik im Inneren der Maschine teils nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht und dass die Ersatzteile knapp sind.

Ein großes Problem des Tigers ist seit Jahren die mangelnde Einsatzbereitschaft der Maschinen, was auch eine Rolle bei der Entscheidung für einen möglichen Nachfolger spielen könnte.

Wegen Entscheidung für Tiger-Nachfolger: Umstellungen kommen auf Bundeswehr-Standort Fritzlar zu

Wie der Presseoffizier des Kampfhubschrauberregiments 36, Remo Templin-Dahlenburg, im HNA-Gespräch betont, wünscht man sich am Standort ein System, das nicht so störanfällig ist und auf dem die Fritzlarer Piloten möglichst viele Flugstunden absolvieren können. „Und auch unsere Techniker möchten an einem System schrauben können, das nicht nach zwei Stunden wieder zur Wartung am Boden ist.“

Je nachdem wie die Entscheidung auf politischer Ebene ausfällt, sind auch mehr oder weniger starke Auswirkungen auf den Standort Fritzlar zu erwarten - auch wenn die Zukunft des Standortes als gesichert gilt. (Daniel Seeger)

Ein Soldat der Bundeswehr weist einen Kampfhubschrauber des Typs Tiger beim Landen ein.
Soldaten trainieren in Marienberg die Betankung von Hubschraubern vom Typ Tiger vom Kampfhubschrauberregiment 36 während einer Übung für die Zertifizierung VJTF 23. © Anne Weinrich/Bundeswehr

INTERVIEW: Dr. Florian Schöne über die Zukunft des Kampfhubschraubers Tiger und mögliche Alternativen für die Bundeswehr

Der Tiger braucht einen Nachfolger. Doch wie sehen eigentlich die Optionen aus? Und was könnte die Entscheidung für den Standort Fritzlar bedeuten? Wir haben mit dem Offizier und Wissenschaftler Dr. Florian Schöne von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin gesprochen. Schöne forscht bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin unter anderem zum Thema Militärtechnologie.

Das geplante Ende der Nutzungsdauer des Tigers ist das Jahr 2038. Sie sagen, dass die Tiger-Nachfolge jetzt entschieden werden muss. Woher kommt der Zeitdruck?

Immer wenn man eine neue Maschine einführen möchte, dauert dieser Prozess in der Bundeswehr alles in allem rund sechs bis sieben Jahre. Dazu können noch Probleme seitens der Hersteller kommen.

Auch diese benötigen einen gewissen zeitlichen Vorlauf, den man berücksichtigen muss. Beim Tiger sind wir derzeit, abgesehen vom politischen Druck von außen, an einer Stelle, bei der wir uns Gedanken machen müssen, wie es mit der Maschine auch langfristig weiter gehen soll.

Weil der Kampfhubschrauber Tiger zusätzlich technisch in die Jahre kommt, stellt sich diese Frage umso dringlicher. Dadurch, dass Frankreich und Spanien sich dazu entscheiden haben, das System Tiger weiterzuentwickeln, ist die politische Dimension der Frage erneut stark hervorgetreten.

Fliegen die Piloten in Fritzlar mit veralteten Hubschraubern?

Es gibt ein paar Dinge, die definitiv angegangen werden müssen. Beispielsweise der Austausch von veralteten Teilen. Und es gibt auch an der Maschine Teile, die turnusmäßig ausgetauscht werden müssen.

Bevor man aber jetzt in lebensverlängernde Maßnahmen investiert, muss die langfristige Perspektive für Maschinen klar sein, das heißt, man muss sich überlegen, ob sich bestimmte Investitionen noch lohnen.

Braucht die Bundeswehr noch Kampfhubschrauber für ihre Einsätze?

Ja, Kampfhubschrauber sind aufgrund ihrer Vielseitigkeit nach wie vor sehr wichtig. Sie haben den großen Vorteil, dass sie sich innerhalb der Hinderniskulissen, also in Bodennähe und zwischen Wäldern oder Gebäuden bewegen können, wo man möglicherweise auf Drohnen keinen Zugriff mehr hätte, weil man sie dort nicht mehr steuern kann. Mit Kampfhubschraubern hat man eine gute Möglichkeit, sich an einen Gegner anzunähern, ohne gesehen zu werden. Und sie sind speziell für den Kampfeinsatz gebaut, anders als etwa umgerüstete zivile Maschinen.

Auch in Zukunft wird die Bundeswehr Kampfhubschrauber benötigen. Nicht nur wegen ihres Werts als Waffensystem, sondern auch, weil sie dazu dienen, das Feuer anderer Einheiten zu lenken. In vergangenen Einsätzen – etwa in Afghanistan oder Mali – haben sie ebenfalls ihren Wert bewiesen. Diese Art von Einsätzen bleiben für die Bundeswehr auch in Zukunft mögliche Szenarien.

Welche Optionen stehen bei der Nachfolge zur Wahl?

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten - unter Umständen mit verschiedenen Varianten. Die erste ist, das Projekt Tiger weiterzuverfolgen, und gemeinsam mit den Partnern Frankreich und Spanien auf eine Weiterentwicklung zu setzen. Möglichkeit zwei ist der Kauf eines anderen Modells, beispielsweise des Apache-Helikopters oder der AH-1Z Viper, beide aus den USA.

Die dritte Option wäre, am jetzigen Modell nur die nötigsten Veränderungen vorzunehmen, um den Tiger sicher bis 2038 betreiben zu können und die Kampfhubschrauberflotte mit leichten Unterstützungshubschraubern zu ergänzen. Wobei es sich um ein ziviles Modell in der Größe eines Rettungshubschraubers handelt, welches nachträglich bewaffnet wurde.

Die letzte Option könnte geeignet sein, später, das heißt ab 2035 ein ganz aktuelles System zu beschaffen. Die US-Streitkräfte betreiben hierzu Projekte zur Zukunft von Militärhubschraubern.

Die Optionen könnten allerdings je nach Umfang und Modell sehr teuer werden. Denn der Stückpreis sinkt mir der gekauften Menge. Bei der amerikanischen Alternative ist nicht unbedingt zu erwarten, dass die Helikopter bei geringeren Abnahmemengen wesentlich teurer werden, weil es hier eine Vielzahl verschiedener Käufer gibt.

Ein Problem ist die unzureichende Einsatzbereitschaft, wird das bei einem Nachfolger anders sein?

Das hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Derzeit ist festzustellen, dass es beim Tiger über Jahre nicht gelungen ist, die Verfügbarkeit der Maschinen wesentlich zu erhöhen. Ob das nach einer Weiterentwicklung anders wäre, ist durchaus fraglich. Das Vertrauen in die Industrie ist daher eher gering.

Bei einer Entscheidung für ein alternatives Modell ist es möglich, dass man relativ schnell eine hohe Einsatzbereitschaft erreichen kann.

Eine gute Zielgröße ist ein Wert von rund 70 Prozent Verfügbarkeit. 30 Prozent werden in der Wartung sein oder aus anderen Gründen nicht zur Verfügung stehen, das liegt einfach an der Komplexität des Systems. Davon ist man nach meiner Kenntnis bisher deutlich entfernt.

Was bedeutet das alles für den Standort Fritzlar?

Die entscheidende Botschaft ist, dass es unabhängig von der Entscheidung, welcher Helikopter zukünftig vom Heer eingesetzt wird, für den Standort Fritzlar keine Gefahr gibt. Das System Kampfhubschrauber wird derzeit nicht infrage gestellt.

Die entscheidende Frage ist eher: Wo können die Heeresflieger wachsen? Wenn beispielsweise leichte Unterstützungshubschrauber hinzukommen, wird man einen Standort für diese Maschinen brauchen.

AH-64-Apache-Hubschrauber sollen von Deutschland ins Baltikum verlegt werden. (Archivbild)
Ein möglicher Nachfolger für den Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr könnte der amerikanische AH-64-Apache sein. (Archivbild) © Darko Bandic/dpa

Zur Person

Dr. Florian Schöne ist Oberstleutnant im Generalstabsdienst und Gastwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der ausgebildete Hubschrauberpilot studierte und promovierte an der Universität der Bundeswehr in München. Von 2018 bis 2020 nahm er am nationalen General- und Admiralstabslehrgang teil.

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