Hollywood-Schauspieler tritt in Fritzlar auf

Interview mit Rainer Schöne: Er trägt Fritzlar im Herzen

Er ist zurück: Reiner Schöne tritt am Freitag/Samstag 17./18. März in seiner Geburtsstadt Fritzlar auf. Es hat mehrere Anläufe gebraucht, bis es geklappt hat. Foto: Kai Wiesinger/nh

Fritzlar. Von Fritzlar nach Hollywood und zurück: Der Schauspieler Reiner Schöne tritt in seiner Geburtsstadt auf. Im HNA-Interview spricht er über Kindheitserinnerungen, Heimat und die To-Do-Liste fürs Leben.

Herr Schöne, Sie sind zurück in Fritzlar. Haben Sie wirklich daran geglaubt, dass das noch mal was wird?

Reiner Schöne: Es ist ein Traum, ich bin auch sehr aufgeregt. Zumal damit ein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt verbunden ist. Das ist eine große Ehre. Es wird sehr emotional. So lange meine Mutter noch lebte, wollte ich immer mal mit ihr nach Fritzlar fahren. Aber dann war ich in Amerika und es hat nicht geklappt. Sie wird vom Himmel runterschauen und stolz sein.

Was verbinden Sie mit der Stadt?

Schöne: Ich bin dort geboren. Jedes Mal, wenn ich etwas ausfüllen muss, werde ich nach meinem Geburtstort gefragt und sage Fritzlar. Dann heißt es „Wetzlar?“ und dann sage ich: Nein, Fritzlar. Es ist ein Geheimtipp. Alle Leute, die Fritzlar kennen, finden Fritzlar ganz toll.

Als Sie ein halbes Jahr alt waren, sind Sie mit Ihrer Mutter und Ihrem Bruder nach Weimar gezogen. Waren sie seitdem wieder in Fritzlar?

Schöne:Als ich vier Jahre alt war, bin ich mit meiner Mutter in Fritzlar gewesen. Ich erinnere mich an den kleinen Kanonenofen im Lebensmittelgeschäft Lattemann. Dort hatte ich mich angelehnt und mir meinen Hintern versengt. Dann wurde mir ein braunes Wildlederherz auf meine Winterhose genäht. Damit es hübscher aussieht, auf die Knie auch noch zwei Herzen. Die nächsten Jahre bin ich ganz stolz mit dieser Fritzlarer Hose rumgerannt. Das waren drei Herzen aus Fritzlar. Ich habe kleine, schöne Kindheitserinnerungen.

Sie haben lange in Weimar und in Los Angeles gelebt. Jetzt sind Sie in Berlin. Wo ist Ihre Heimat?

Schöne: Ich habe eigentlich vier Heimatstädte. Das sind Weimar, Los Angeles, München und jetzt Berlin. Aber Fritzlar ist natürlich meine heimliche Heimatstadt. Das ist ganz klar.

Wäre es für Sie eine Option, wieder zurück nach Amerika zu gehen?

Schöne: Nein. Diese Waffennarrerei in den USA ist eine ganz grauenvolle Geschichte. Allein dies würde mich davon abhalten, nach Amerika zu ziehen. Du weißt ja nicht, ob die Kinder heil aus der Schule zurückkommen.

Wie bewerten Sie die politische Situation in den USA?

Schöne:Es ist nach wie vor ein tolles Land, es sind freundliche Leute und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Ich glaube nicht, dass „45“ (Donald Trump, der 45. Präsident, Anm.) in der Lage ist, das Land auf Dauer zu ruinieren. Er wird es für eine Weile ruinieren und er wird auf alle Fälle den Ruf Amerikas runterreißen. Aber es ist ein starkes Land, es wird sich regenerieren.

Sie haben in ihrer Karriere die verschiedensten Typen gespielt. In welcher Rolle sehen sie sich am liebsten?

Schöne: Das kann man nicht mit einer einzigen Rolle beantworten. Es gibt ein paar Höhepunkte, die wichtig für meine Entwicklung waren. Da gehören „Hair“, „Jesus Christ Superstar“ und „Die Rückkehr zur Schatzinsel“ dazu. „Hair“ hat mich für den Rest meiner Schauspiel Entwicklung geprägt, weil ich dort eine Freiheit und Lust am Improvisieren erfahren habe.

Absolute Freiheit haben Sie auch auf Tournee. Worauf können sich die Fritzlarer freuen?

Schöne:Das Programm wird an beiden Abenden zu 90 Prozent verschieden sein. Ich habe genug Geschichten und genug Songs, um zwei, drei Abende zu füllen. Ich lese aus meinem autobiografischen Buch „Werde ich noch jung sein, wenn ich älter bin“, singe meine Songs von diversen Alben und mache zwischendurch ein paar Witze. Es gibt die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle. Es wird ein sehr unterhaltsamer, ein sehr fröhlicher Abend sein, die Leute werden viel lachen.

Jetzt hat es ja mit Fritzlar geklappt. Haben Sie so etwas wie eine To-Do-Liste fürs Leben?

Schöne: Eine To-Do-Liste habe ich nicht, aber ich habe ein paar große Projekte. Ich habe ein Kinderbuch geschrieben und kämpfe gerade mit den Verlagen.

Sie finden es alle toll, wissen aber nicht, wo sie es hinstecken sollen. Ich will das Buch auch als animierten Film sehen, ich will es auf die Bühne bringen. Das ist wirklich ein Lebenswerk.

Das andere sind natürlich meine Kinder. Das ist eine erfüllende Geschichte. Seit zehn Jahren ist eine Verantwortung in meinem Leben, die ich vorher nicht kannte. Das ist nicht immer leicht, aber es ist immer schön.

Und wie sieht es mit einer Rückkehr nach Fritzlar aus?

Schöne: Ja. Ich möchte jetzt eigentlich jedes Jahr kommen. Aber jetzt machen wir erst mal die beiden Abende.

Für den Samstag gibt’s noch Tickets

Reiner Schöne tritt zwei Mal in der Kulturscheune auf. Der Freitagabend ist ausverkauft. Tickets gibt es nur noch für Samstag, 18. März, 20 Uhr. Preis: 20 Euro im Vorverkauf bei der Tourist-Info Fritzlar und auf www.kulturscheune-fritzlar.de

Zur Person

Reiner Schöne wurde am 19. Januar 1942 in Fritzlar geboren und ist in Weimar aufgewachsen. Mit 26 Jahren flüchtete er nach einem Konzert in Westberlin aus der DDR. Er lebte 20 Jahre lang in den USA, drehte mit Hollywood-Größen wie Clint Eastwood und kehrte 2002 nach Deutschland zurück. Schöne ist verheiratet, er hat zwei Töchter (elf und vier Jahre). 

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