500 Jahre alte Dorlaer Linde ist nur noch Baumstumpf

Ein gestutzter Riese: Die über 500 Jahre alte Kandelaber-Linde am Dorlaer Friedhof mit ihren sechs Armen wurde durch Sturm vor einigen Tagen beschädigt. Das Naturdenkmal, ergaben Untersuchungen, hatte keine Standsicherheit mehr. Foto: ula

Dorla. Sie schien ein Zeichen für die Ewigkeit zu sein: Die vielarmige alte Linde am Friedhof im Dörfchen Dorla gab es eigentlich schon immer.

Jetzt musste sie, die seit Jahrhunderten diesen Platz bestimmt hatte, erheblich gestutzt und auf einen Stumpf zurückgeschnitten werden.

Heimatforscher Franz Lämmer spricht von einer Baumtragödie: „Es ist ein trauriger Anblick, die der Baum jetzt bietet.“ Im ganzen Dorf seien die Menschen betroffen, dass es die riesige Linde nicht mehr gibt.

Lämmer hat die Fakten aus den vergangenen Tagen zusammengetragen: • Das Unwetter vom 5. Juli, von dem gerade auch Dorla stark betroffen war, überstand der Baum bis auf abgebrochenes Astwerk ganz gut. • Der amtliche Baumpfleger stellte dann aber bei seiner Untersuchung immensen Pilzbefall und eine gefährliche Standunsicherheit (wackeln) im unteren Baumteil fest. Damit wurde der Baum zur Gefahr für den Straßenverkehr und die Friedhofsbesucher. • „Das war das Todesurteil für unser Naturdenkmal“, schreibt Lämmer. Das Stadtbauamt beauftragte die Firma des Baumpflegers, den Baum umgehend zu fällen und zu kürzen, bis von der übriggebliebenen Baumruine keine Gefahr mehr ausgehe. • „Am 9. Juli schließlich heulten die Motorsägen den ganzen Tag ihr schreckliches Lied und am Ende war aus unserer Kandelaberlinde eine kümmerliche Baumruine geworden, deren Stümpfe sich wie anklagend emporreckten“, so beschreibt es Franz Lämmer. • Nach Auskunft des Bauhof-leiters Uwe Kiefer werden die restlichen Baumstümpfe soweit möglich vorerst weiter erhalten. „Wir werden seiner zu gegebener Zeit mit einer Tafel gedenken“, sagt Franz Lämmer über seinen Freund, den Baum.

Nachruf an einen Baum

Lange Zeit war für die Dorlaer die Friedhofslinde ein Baum wie viele andere auch, man ging achtlos an ihr vorbei. Das änderte sich, als ein westfälischer Lindenforscher beim Besuch auf dem Friedhof in 2008 auf die Einmaligkeit des Naturdenkmals hinwies. „Unsere Anfrage bei der zuständigen Naturschutzbehörde in Homberg wurde vollständig bestätigt“, schreibt Lämmer in seinem „Nachruf an einen Baum“.

Als eine der wenigen noch erhaltenen „geleiteten Linden“ Hessens wurde sie von Fachleuten wegen ihrer einmaligen Form weithin als Kandelaberlinde geführt.

Baumpflege-Programm

Der damals neugegründete Heimat- und Geschichtsverein nahm sich der Sache an. Da der Baum wegen üppiger Auswüchse stark sturmgefährdet war, wurde er 2010 in das Baumpflege-Programm für Naturdenkmäler aufgenommen. Der Pflegeschnitt gelang sehr gut, und so war der Baum gegen Sturm lange Zeit relativ geschützt. Als auch noch im selben Jahr die Info-Tafel mit allen wichtigen Daten errichtet werden konnte, war die Bedeutung des Baumes weithin bekannt geworden.

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