600 Jahre Spitzenhäuschen: Blick ins schiefe Haus von Fritzlar

Schon von außen ein Hingucker: Das Spitzenhäuschen gleich neben dem mächtigen Fritzlarer Rathaus. Foto: Zerhau

Fritzlar. In Fritzlar gibt es viele Bauwerke aus 13 Jahrhunderten. Das älteste Gebäude der Stadt ist das 600 Jahre alte Spitzenhäuschen. Bei einer Führung kann man hinter die Kulissen schauen.

Stadtarchivar Clemens Lohmann wird am Sonntag, 13. September, bei einer Sonderführung einen exklusiven Einblick in das Haus geben.

Dass das Gebäude noch steht, ist längst keine Selbstverständlichkeit. Das wird selbst Laien beim Betrachten des schiefen Hauses deutlich, in dem heute die Touristinformation, das Archiv und das Stadtmarketing untergebracht sind.

„Es war mal ein gerades Haus“, sagt Stadtarchivar Clemens Lohmann. Doch wurde etwa um 1440 einen statischer Eingriff vorgenommen. Zwei Kellerwände seien entfernt worden. „Sie wurden weggeschlagen und daraufhin senkten sich die Nordwand ab. „Man hat einfach nur Glück gehabt, dass der Nordteil des Gebäudes nicht zusammengestürzt ist“, sagt Lohmann.

Fast hätte man es abgerissen 

Außerdem wäre das Haus am Ende des 19. Jahrhunderts fast den Plänen der Stadtpolitik zum Opfer gefallen: „Es sollte abgerissen werden, doch hat dann das Geld dafür gefehlt. Zum Glück“, sagt Lohmann.

Tiefe Einblicke: Ornamente an der Decke und die Baugeschichte wird Clemens Lohmann erläutern. Foto: Yüce

Das Spitzenhäuschen ist an einem frühmittelalterlichen Handelsweg - Spitzengasse und Zwischen den Krämen - gelegen. Um 1415 wurde es als Krämerhaus genutzt. Ursprünglich habe es sich wohl um gedeckte Verkaufsstände gehandelt, sogenannte Buden, Schrinen oder Krämen. „Die Krämer hatten nicht viel Geld und deshalb handelt es sich auch um eine fragile Bauweise“, erklärt Lohmann. So habe man sich keine durchgängigen Eichenbalken leisten können.

Bei der Führung werde man auch in Teile des Hauses gelangen, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Zudem werde er auf die Sanierung eingehen. Dabei sei es um einen substanzschonenden Umgang mit dem Baudenkmal gegangen. „Wir wollten so viel wie möglich erhalten“, sagt Lohmann. Einen Blick in die Vergangenheit kann man in dem Spitzenhäuschen zudem erlangen, denn im ersten Obergeschoss gibt es eine ungewöhnlich reichhaltig ornamentierte Bemalung der Decke aus der Zeit der Renaissance. „Eigentlich muss man sich auf den Boden legen, um die Decke richtig genießen zu können“, sagt Lohmann. Vermutlich sei der der Raum einmal ein Schlafzimmer gewesen. Außerdem sei auch ein alter Ofen erhalten geblieben. Bis in die 70er Jahre wurde das Haus bewohnt. Seit 1980 stand es leer und wurde 1996 umgebaut.

„Für das Gebäude ist es ein Gewinn, dass es öffentlich genutzt wird. Ein Privatmann hätte das vermutlich nicht erhalten. Anschauen kann man sich die Decke und den Ofen auch zu den Öffnungszeiten der Touristinfo. Doch bei der etwa einstündigen Führung werde man sich durch das Gebäude schlängeln - bis hin zur Bibliothek des Stadtarchivs.

Termin: Sonderführung 600 Jahre Spitzenhaus, Sonntag, 13. September, 14 Uhr. Die Gäste werden von Bürgermeister Hartmut Spogat begrüßt und danach beginnt die Führung zur Geschichte und Architektur des Gebäudes durch Clemens Lohmann.

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