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Davood Allizei aus Afghanistan starb an Leukämie in Fritzlar

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Von: Claudia Brandau

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Er wollte schnell Deutsch lernen: Der verstorbene Flüchtling Davood Allizei aus Afghanistan und seine Deutschlehrerin Ingred Eckhardt aus Fritzlar 2017 vor der Tür der Alten Lateinschule.
Er wollte schnell Deutsch lernen: Der verstorbene Flüchtling Davood Allizei aus Afghanistan und seine Deutschlehrerin Ingred Eckhardt aus Fritzlar 2017 vor der Tür der Alten Lateinschule. © Familie Eckhardt

Die fünf Lehrerinnen und Lehrer, die in der ehrenamtlichen Fritzlarer Flüchtlingshilfe in der alten Lateinschule Deutsch unterrichten, sind tief betroffen: Einer ihrer besten Schüler ist vorige Woche im Krankenhaus verstorben.

Fritzlar - Davood Allizei war an Leukämie erkrankt – doch niemand habe gewusst, wie schlecht es ihm tatsächlich gegangen sei, berichtet Ingred Eckhardt aus Fritzlar, die den 29-Jährigen unterrichtete – und sehr mochte. Sie bedauert den Tod ihres Schülers sehr: „Davood war superfreundlich, hilfsbereit, interessiert und zugewandt“, sagt die frühere Leiterin der Vernaer Ohetalschule. „Er fiel mit seiner hohen Sozialkompetenz in jeder Hinsicht positiv auf. “

Der junge Mann hatte Grausames erlebt

Sie erzählt der HNA Davoods Geschichte aus zwei Gründen: Zum einen, weil sie Davoods Charakter und Leben, so kurz es auch war, würdigen möchte. Zum anderen, weil sie Menschen sucht, die mit Spenden helfen wollen, seinen Leichnam nach Afghanistan zu überführen, wo er beerdigt wird und wo seine Familie lebt. „Ich würde die Menschen gerne sensibilisieren für ein solch schweres Schicksal, wie Davood es hatte“, sagt Eckhardt.

Der junge Afghane kam 2015 nach Deutschland – und hatte in seiner Heimat Grausames erlebt: Er war ein Folter-Opfer der Taliban, hatte Schmerzen erlitten, die ihm bis zuletzt zu schaffen machten. Die Tortur hatte viele Spuren und Narben hinterlassen, er hatte sie seinen engsten Freunden und Vertrauten gezeigt. Und doch habe er immer fröhlich gewirkt, für jede Zuwendung, jedes kleines Geschenk wie das eines Federmäppchens samt Stiften herzlich gedankt.

Er soll im Gedächtnis bleiben

Als Ingred Eckhardt erfuhr, dass er krank war, rief sie ihn an. Da lag Davood bereits im Krankenhaus – sagte ihr aber nicht, dass es schlimm um ihn bestellt war. Als sie wenige Tage später erfuhr, dass er verstorben war, war das ein Schlag für die Fritzlarerin.

Sie möchte nicht, dass dieser Mensch, der selber viel Leid erfahren hatte und nie anderen zur Last hatte fallen wollen, ohne letzte Würdigung aus dieser Welt geht. Die erfährt der Verstorbene aber auch gerade schon von seinen Freunden: Viele afghanische junge Leute aus Fritzlar, Borken, Homberg, sammelten schon aus Zusammengehörigkeitsgefühl für die teure Überführung ins Heimatland. Rund 5000 Euro werden dafür fällig. Das sei aber doch das Letzte, was man noch für den 29-Jährigen tun könne, sagt Eckhardt.

Taliban ließen Bruder nicht ausreisen

Vielleicht hätte Davood mit einer Knochenmarkspende seines Bruders gerettet werden können, die DNA hätte vielleicht gepasst. Aber der hatte das Land nicht verlassen dürfen: Die Taliban, die in Afghanistan Davood quälten und fast töteten, hatten seinem Bruder die Ausreise verboten.

Damit haben die Schurken vom Hindukusch den längst in Fritzlar wohnenden Davood doch noch umgebracht – Jahre später und über Tausende Kilometer entfernt Ingred Eckhardt berührt dieses Schicksal sehr. „Wir hatten wirklich selten einen solch beeindruckenden Schüler.“ (Von Claudia Brandau)

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