Verein Vergessene Welten bereitet sich vor

Zurück ins Mittelalter: Rollenspieler treten beim Kaiserfest in Fritzlar auf

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Spielen sich schon einmal warm für das Kaiserfest: Daniel Schaak und Katharina Reinecke vom Verein Vergessene Welten Fritzlar in ihren Gewandungen. 

Fritzlar. Der Kaiser kommt in die Stadt. Zwar nicht das Original aus dem 11. Jahrhundert, aber ein guter Ersatz. 

Beim Kaiserfest in Fritzlar wird Kaiser Heinrich IV. durch die Gassen der Stadt schlendern -  Gespielt von Mitgliedern des Vereins Vergessene Welten aus Fritzlar. Auch Wezilo Erzbischof von Mainz, Berta von Savoyen und andere Charaktere aus dem Mittelalter werden an dem Wochenende (17. bis 19. August) in die Gegenwart geholt. 

Die Mitglieder versuchen, so weit wie möglich am Original zu orientieren. Das fängt bei den Gewandungen an und setzt sich bei der Ausrüstung fort. „Wir haben uns extra Tropfenschilde von einer Schreinerei bauen lassen“, erklärt Daniel Schaak. Darauf wird unter anderem das Frideslarer Stadtwappen gemalt sein. „Das könnte nicht ganz das historische Wappen sein“, schränkt der Vorsitzende ein. Diese Freiheit nimmt sich der Verein. Es gehe an der Stelle nicht um die historische Richtigkeit, sondern ums Aussehen. Histotainment nennt sich diese Herangehensweise. Es bezeichnet die Vermengung von historischer Information mit Unterhaltung.

Vor einem Jahr hat sich der Verein entschieden, sich dem Histotainment zu widmen und sich damit tiefer mit der Geschichte der Dom- und Kaiserstadt zu beschäftigen. „Wir versuchen, die Zeit um Kaiser Heinrich IV. so gut wie möglich darzustellen“, sagt Schaak. Das bedeutete im Vorfeld viel Recherche. Schaak hat viel im Internet gelesen. „Ich wollte nur kurz gucken und konnte dann nicht mehr aufhören“, so der 51-Jährige. Allein das Leben von Kaiser Heinrich IV. sei faszinierend. Als Fünfjähriger wurde er schon mit Berta von Savoyen verlobt. „Da wurde politisch Ehe gemacht, da war nichts mit Liebe.“ Schaak hat die Informationen notiert, sie in Zeitstrahlen und Stammbäumen organisiert.

Zu jedem Charakter gibt es einen Steckbrief samt Foto. Damit beispielsweise der Darsteller von König Heinrich IV. sich auch so gibt und so spricht wie das Original.

Wie sich der Kaiser und die anderen Charaktere machen, können die Besucher des Festes mehrfach beurteilen. So nimmt der Verein Vergessene Welten beim Umzug zum Auftakt am Freitag teil. Für den Samstag sind mehrere Spaziergänge durch den Stadtkern geplant – um das Volk zu belustigen, wie Schaak sagt. „Wenn schon mal Kaiserfest ist, sollte sich der Kaiser auch zeigen“, so der Vorsitzende.

Erst recht, wenn man in einer Stadt wie Fritzlar feiert. Die historische Stadtmauer, der mittelalterliche Stadtkern, die Geschichte von Kaiser Heinrich IV. als Dreh- und Angelpunkt: Ein besseres Szenario für ein Mittelalterfest gibt es für Katharina Reinecke, Öffentlichkeitsbeauftragte des Vereins, nicht. Ihr Mitstreiter Daniel Schaak bringt es auf den Punkt: „Wenn es in Fritzlar keinen Mittelalterverein geben würde, man müsste dringend einen gründen.“

Zu den Personen: 

Daniel Schaak (51) kommt gebürtig aus Karlsruhe und ist Soldat bei der Bundeswehr in Fritzlar. Seit 2011 engagiert er sich im Verein Vergessene Welten. Derzeit ist Schaak dessen Vorsitzender. Der Fritzlarer spielt in seiner Freizeit zudem beim TuS Fritzlar Faustball. Schaak ist verheiratet und hat drei Kinder.

Katharina Reinecke (34) ist zugezogene Fritzlarerin und stammt aus Hildesheim. Sie ist Förderschullehrerin beim Beratungs- und Förderzentrum Schwalmstadt. Sie singt im Chor „New Voices“ und gehört seit 2013 dem Verein Vergessene Welten an. Dort organisiert sie viel im Bereich Live-Rollenspiele.

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