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Wenige Tiger-Kampfhubschrauber sind einsatzbereit: Gravierende Auswirkungen für Piloten in Fritzlar

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Von: Daniel Seeger

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Soldaten trainieren in Marienberg die Betankung von Hubschraubern vom Typ Tiger.
Soldaten trainieren in Marienberg die Betankung von Hubschraubern vom Typ Tiger. © Bundeswehr/Anne Weinrich

Nur neun von insgesamt 51 Tiger-Kampfhubschraubern der Bundeswehr sind derzeit einsatzbereit. Das hat auch für die Fritzlarer Piloten gravierende Auswirkungen.

Fritzlar – Nur neun von insgesamt 51 Tiger-Kampfhubschraubern sind derzeit einsatzbereit. Das äußerte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) in ihrer Rede zur Bundestagsdebatte um den Gesetzentwurf zum Sondervermögen der Bundeswehr. Konkrete Zahlen zur seit Jahren schlechten Einsatzbereitschaft des Waffensystems wurden seit 2019 nicht mehr publik gemacht.

„Im Prinzip hat sich an der Grundsituation in den vergangenen Jahren wenig geändert“, sagt Remo Templin-Dahlenburg, Presseoffizier des Fritzlarer Kampfhubschrauberregiments 36. Ob die Zahl, die von der Ministerin am Mittwoch genannt wurde, korrekt ist, zieht er zumindest in Zweifel. Am Standort Fritzlar befänden sich derzeit rund 30 bis 35 Hubschrauber, einsatzbereit davon seien acht bis neun Maschinen.

Zu anderen Tiger-Kampfhubschraubern aus dem Bestand der Bundeswehr, die sich derzeit an anderen Standorten befänden, könne er keine Angaben machen. Es erscheine jedoch zweifelhaft, dass von diesen Maschinen keine einsatzbereit seien. Eine Situation, in der tatsächlich alle Tiger-Kampfhubschrauber einsatzbereit sein könnten, sei, so Templin-Dahlenburg, nicht realistisch, da immer einige Maschinen gewartet werden müssten.

Mindestens ein Drittel der Maschinen sollten demnach planmäßig einsatzbereit sein. Beim zweiten Drittel würden kleinere Wartungsarbeiten vorgenommen, beim letzten Drittel ginge es um große Instandsetzungen. Doch auch diese Werte werden verfehlt.

Tiger-Kampfhubschrauber der Bundeswehr: Einsatzbereitschaft nach wie vor unbefriedigend

Dass die Einsatzbereitschaft der Tiger-Kampfhubschrauber nach wie vor unbefriedigend sei, liege zum einen an der grundsätzlichen Anfälligkeit des Systems und zum anderem am Wartungssystem des Herstellers. „Das alles trägt nicht dazu bei, dass wir den Hubschrauber so nutzen können, wie wir gerne wollen“, so Templin-Dahlenburg auf Anfrage.

Mit den verfügbaren Maschinen könne der Übungsbetrieb derzeit sichergestellt werden. Die Piloten in Fritzlar könnten „gerade so“ ausreichend Flugstunden sammeln. „Insbesondere für unsere jüngeren Piloten könnte die Situation jedoch deutlich besser sein“, sagt er.

Dass die Einsatzbereitschaft des Kampfhubschraubers Tiger unbefriedigend ist, stellte zuletzt das Bundesverteidigungsministerium in seinem zweiten Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft für das Jahr 2021 fest. Dort heißt es: „Die materielle Einsatzbereitschaft und die verfügbaren Flugstunden des Tigers stagnieren auf einem unzureichenden Niveau.“ Zwar wirke man dieser Entwicklung entgegen, allerdings erwarte das Heer hier erst mittel- bis langfristig Verbesserungen.

Weiter heißt es: „Zum Erhalt des operativen Einsatzwertes des Waffensystems muss bereits heute an der technischen Weiterentwicklung gearbeitet werden, um insbesondere Obsoleszenzen proaktiv zu beseitigen, die Kernfunktionalitäten auf dem neuesten Stand der Technik zu halten und damit den Anforderungen an moderne Einsatzszenare bei friedenserhaltenden Einsätzen, aber auch im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung, gerecht zu werden.“

Mangelnde Einsatzbereitschaft: Auswirkungen könnten gravierend sein

Die potenziellen Auswirkungen sind gravierend, auch wenn der Übungsbetrieb mit den aktuell einsatzbereiten Maschinen am Standort Fritzlar nach Auskunft des Kampfhubschrauberregiments 36 gewährleistet ist. Das Problem: Die Kampfhubschrauber dienen nicht nur Übungszwecken. Die Maschinen des Heeres werden auch für Bündnisverpflichtungen und nicht zuletzt zur Landes- und Bündnisverteidigung benötigt.

Die Anforderungen der Bündnisverpflichtungen könne man gerade so erfüllen. Aber: „Wenn es darüber hinaus geht, wird es schwierig“, so Templin-Dahlenburg.

Derzeit sind die Fritzlarer Teil der schnell verlegbaren Eingreiftruppe der Nato, der NRF (Nato Response Force). Das bedeutet, dass ein Teil des Regiments nach spätestens 30 Tagen bereit sein muss, verlegt zu werden. Hinzu kommt: Ab dem Jahr 2023 werden Tiger-Kampfhubschrauber Teil der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), der Nato-Speerspitze, sein.

Baerbock: Tiger der Bundeswehr können nicht in Mali aushelfen

Die mangelnde Einsatzfähigkeit der Tiger-Kampfhubschrauber könnte auch Auswirkungen auf den Mali-Einsatz der Bundeswehr haben. Das betonte die Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in ihrer Rede im Bundestag am Mittwoch.

Momentan sind in Mali keine Kampfhubschrauber der Bundeswehr im Einsatz, weil die benötigten Maschinen von Frankreich gestellt werden. Doch Deutschlands westliche Nachbarn haben angekündigt, die eigenen Anti-Terror-Einsätze in der Region zu beenden. Bis Juni wollen die französischen Truppen voraussichtlich das Land verlassen haben.

Die Bundeswehr beteiligt sich in Mali derzeit an der UN-Stabilisierungsmission MINUSMA und ist auf die Unterstützung der Franzosen angewiesen. Mit Blick auf die Einsatzbereitschaft der deutschen Tiger-Kampfhubschrauber scheint zumindest für die Bundesaußenministerin klar zu sein, dass die Bundeswehr diese Leerstelle nicht füllen kann, sondern im Zweifel auf Verbündete angewiesen sein wird. (Daniel Seeger)

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