Nach dem Hurrikan: Beate Tohmé hat sich auf der Insel umgesehen

Kinderhilfswerk Global Care aus Fritzlar: Endlich sauberes Wasser auf Haiti

Eine Spur der Verwüstung zieht sich auch Wochen nach dem Hurrikan durch Haiti: Beate Tohmé vom Kinderhilfswerk Global Care hat sich dort umgesehen und eine Familie besucht, deren Haus von einem umgekippten Baum zerstört wurde. Fotos: privat

Fritzlar/Haiti. Die karibische Insel Haiti wurde durch einen Hurrikan stark verwüstet. Beate Tohmé vom Fritzlarer Kinderhilfswerk Global Care war jetzt vor Ort, um sich ein Bild zu machen.

Abgeknickte Palmen, umgefallene Strommasten und abgedeckte Dächer. Durch den Süden Haitis zieht sich eine Spur der Verwüstung. „Die Gegend sieht aus, als sei der Hurrikan erst gestern darüber gefegt. Dabei ist es schon über einen Monat her“, sagt Beate Tohmé. Die Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks Global Care war jetzt vor Ort, um sich ein Bild von den Schäden zu machen - und Spenden zu übergeben.

Im Gepäck hatte Tohmé zwei Wasserfilter. „Paul“ wurde einst von Studenten der Universität Kassel entwickelt. Die Technik ist einfach zu bedienen: Oben wird verschmutztes Wasser hineingegossen. Feinste Membranfilter, die keine Festteile, nicht mal Bakterien und auch keine Choleraerreger durchlassen, reinigen die Brühe. Unten kommt sauberes Wasser heraus - ohne Einsatz von Chemie oder Energie.

Der erste Schluck 

Ein Wasserfilter ist an eine Grundschule in der Hafenstadt Les Cayes gegangen. Tohmé hat zusammen mit der Kirchengemeinde vor Ort „Paul“ vorgeführt und übergeben. Der erste Schluck sauberes Wasser sei an den Pfarrer gegangen. Erst als er getrunken hatte, trauten sich auch die Kinder, berichtet die Geschäftsführerin. Mit „Paul“ werden an dieser Schule 250 Mädchen und Jungen mit sauberem Wasser versorgt. Der zweite Wasserfilter soll auch an eine Schule gehen. An welche, sei noch unklar.

Technik aus Kassel: An einer Grundschule in Les Cayes steht jetzt der Wasserfilter „Paul“.

Überhaupt nehme das Hilfsprojekt von Global Care auf Haiti jetzt an Fahrt auf. Familien sollen mit Nahrungsmitteln, Saatgut und Ziegen versorgt werden. Ihnen soll so die Möglichkeit gegeben werden, sich etwas Neues aufzubauen. Der Hurrikan hat viele Dächer von Schulen und Kirchen weggefegt. Sie sollen mithilfe von Global Care wieder aufgebaut werden. Insgesamt fließen laut Tohmé mehr als 70 000 Euro in das arme Land. Nach dem verheerenden Hurrikan hatte das Kinderhilfswerk einen Spendenaufruf gestartet (wir berichteten).

„Vielleicht ist es ein kleiner Beitrag. Aber es ist ein Beitrag, der etwas verändert“, sagt Tohmé über das Engagement. Die Reise nach Haiti habe sie darin bestärkt.

Geschäftsführerin Beate Tohmé hat Familien besucht, die ihr Schicksal schilderten. Da war etwa die Familie, die ihr ganzes Haus verloren, aber ihr Leben gewonnen hat. In der Nacht des Hurrikans sind die Bewohner aus dem Haus geflüchtet. Zum Glück, denn kurze Zeit später krachte ein großer Baumstamm auf das Gebäude. Er liegt dort noch immer. „Das sieht bedrohlich aus“, berichtet Tohmé. Geschichten und Begegnungen wie diese seien es, die das Ausmaß der Katastrophe erst begreifbar machten.

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