Kleindealer zeigte Reue: Gericht verhängte Bewährungsstrafe

Fritzlar. Ein Kleindealer ist vom Amtsgericht in Fritzlar zu zwei Jahren Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt worden. Er hatte 2010 Rauschgift eines Schmugglerrings weiterverkauft.

Fünf Jahre ist es her, dass es der Polizei gelang, im Schwalm-Eder-Kreis einen Rauschgiftschmugglerring auszuheben. Nach und nach waren aus Holland 480 Kilo Marihuana geliefert und in einer Wohnung zur Verteilung verpackt worden. Für ein Kilo lag der Marktwert bei über 5000 Euro.

Das Geschäft wurde über 24 Kleindealer abgewickelt. Als der in Kassel lebende Boss Ende 2010 verhaftet wurde, packte er aus und nannte Namen. Von sieben Jahren Gefängnis saß er vier Jahre ab.

Mehrfach wurde er in dieser Zeit zu verschiedenen Verhandlungen als aussagewilliger Belastungszeuge geladen. Nun folgte er der Ladung ans Amtsgericht Fritzlar. Gegen einen 1979 geborenen Kleindealer hatte die Justiz als einen der Letzten aus diesem Ring Anklage erhoben.

Der Beschuldigte hatte bereits im Vorfeld durch seinen Anwalt eine schriftliche Erklärung abgeben lassen, in der alle Taten eingestanden wurden. Der Zeuge erläuterte, wie er um Gras gebeten wurde und anfänglich 100 Testgramm, schließlich bis zu zwei Kilo gegen die vereinbarten Summen übergab. Dazu trafen sich die beiden in Felsberg auf dem Parkplatz vom Rewe-Markt und an der dortigen Esso-Tankstelle.

Insgesamt wurden im Herbst 2010 etwa zehn Kilo auf diesen Weg gebracht. Der Staatsanwalt versuchte, die Angaben des Zeugen durch punktgenaue Vorhaltungen aus früheren Akten zu erschüttern. Das gelang nicht.

Verkäufer und Käufer blieben in Übereinstimmung mit ihren Aussagen. Für eine strafrechtliche Beurteilung gelten zehn Kilo Rauschgift als kleinere Menge. Ebenso ist die Gefährlichkeit dieses „weichen“ Stoffes in der untersten Skala angesiedelt. Da nachweislich andere Drogen nicht im Spiel waren, konnte eine gewisse Milde angewendet werden.

Der Angeklagte teilte mit, er bekomme Hartz IV, ab Dezember habe er eine feste Anstellung als Lkw-Fahrer in Aussicht. Seine achtjährige Tochter lebt bei der Mutter. Vater und Kind sehen sich täglich und jeder übrige Cent gehe an sie.

Der Verteidiger verwies in seinem Plädoyer auf die fünf Jahre lang bestehende Straffreiheit seines Mandanten. Auch der Staatsanwalt hatte bereits mildernde Umstände berücksichtigt.

Das Gericht zog sich nur kurz zur Beratung zurück, dann fiel das Urteil: Zwei Jahre Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. 1000 Euro sind an den Falkenberger Verein „Anorak 21“ zu zahlen. Das letzte Wort hatte der Verurteilte: „Sie können mir lebenslänglich Bewährung geben. Ich werde niemals wieder straffällig.“

Von Michael Meinicke

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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