Holzrasseln an Karfreitag sind Tradition

Krachmacher kündigen Ostern in Ungedanken an

Ungedanken. Die Kirchenglocken bleiben an Karfreitag still. In Fritzlar-Ungedanken verpasst aber niemand den Gottesdienst. Dafür sorgen Jungen und Mädchen aus dem Ort mit einer besonderen Tradition.

Wenn es richtig laut wird auf dem Sportplatz in Fritzlar-Ungedanken, dann steht die Karwoche kurz bevor. Vor Ostern kommen die Mitglieder der Rasselbande Ungedanken zusammen und proben einen besonderen Weckruf: Mit ihren Holzrasseln ziehen sie von Karfreitag bis Ostersamstag durch den Ort und kündigen die Gottesdienste und Osterfeierlichkeiten an – während in Ungedanken die Kirchenglocke still bleibt.

Hölzernes, rhythmisches Kratzen, unterbrochen vom Rufgesang der Rassler: „Wir rufen den Christen zum englischen Gruß“ und „Holz, Wasser und Salz zum Heiligen Feuer“. Die Ratschen, mit denen die 17 Jungen, Mädchen, und Männer ordentlich Krach machen, sind aus Holz und erinnern an Leierkästen. Einige sind bereits mehrere Jahrzehnte alt. „Unser ältestes Exemplar ist von 1951 und wurde von Generation zu Generation weiter gegeben“, sagt Ludwig Fölsch.

Nur die Rassler dürfen die Stille des Karfreitags in Ungedanken mehrmals täglich durchbrechen, denn sie pflegen mit ihrem Marsch durch den Ort eine fast in Vergessenheit geratene Tradition.

Erwin Stingl und Ludwig Fölsch sind mit über 70 Jahren Jahr die Ältesten in der Rasselbande. Vor etwa zwölf Jahren hatte man den christlichen Brauch nach einer Pause von einem halben Jahrhundert in dem Fritzlarer Stadtteil wiederbelebt. „Damals waren es Messdiener, die mit den Rasseln zum Gottesdienst und zum Gebet riefen“, erinnert sich Fölsch. Als Schüler sei Fölsch 1955 beim letzten Marsch mitgelaufen. Erst 2005 wurde der Brauch wieder aufgenommen.

Einige der Jugendlichen, die die Tradition nun Jahr für Jahr aufrecht erhalten, sind Messdiener, aber das sei laut Stingl keine Voraussetzung mehr, um beim Rasselmarsch mitmachen zu können. Alter, Geschlecht, Wohnort – das sei alles egal, mitmachen dürfe jeder. Angelika Eimer ist in diesem Jahr das einzige Mädchen und die Jüngste in der Rasselgruppe. Die 14-Jährige ist mit ihrer Holzratsche seit drei Jahren an der Seite ihres Vaters und ihrer drei Brüder dabei.

An Karfreitag und an Karsamstag gehen die Mitglieder der Rasselbande mehrmals durch den Ort. Karfreitag beginnt ihr Weckruf um 6 Uhr morgens, um 10 Uhr rufen sie mit ihren Instrumenten und dem Angelus-Ruf zum Kreuzberggebet am Büraberg. Später ziehen sie noch um 12 Uhr durch den Stadtteil und rufen gegen 15 Uhr zur Liturgiefeier. Ein Marsch dauere etwa eine Stunde, insgesamt gehen die Rassler fast 30 Kilometer an den zwei Osterfeiertagen.

Wie jedes Jahr wollen sie Spenden für einen guten Zweck sammeln – und für eine Freizeitfahrt für die engagierten Rassler.

Rubriklistenbild: © Leissa

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