38-Jähriger setzt in der Politik auf Ehrlichkeit

Dieser Mann polarisiert: Dr. Christoph Pohl ist Direktkandidat der Freien Wähler

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Setzt sich für den öffentlichen Personennahverkehr ein: Dr. Christoph Pohl kandidiert für die Freien Wähler. Eine enge Taktung wie in der Großstadt ist hier laut Pohl aber nicht möglich. 

Fritzlar. Er streitet in der Sache hart, er nimmt kein Blatt vor dem Mund. Er sagt, was Sache ist. Und das immer. Das ist Dr. Christoph Pohl.

Schon sein Doktorvater hat ihm gesagt: „Sie können doch nicht gnadenlos ehrlich zu jedem sein.“ Er kann nicht nur. Er muss. „Das ist vielleicht auch eine Schwäche“, sagt der Fritzlarer über sich selbst. Und so redet er nicht lange drum herum. Auch wenn er am Fritzlarer Busbahnhof sitzt und über die Busversorgung im ländlichen Raum spricht. In der Diskussion seien viele nicht ehrlich, findet Pohl. Es werde nicht gesagt, dass eine Taktung wie in der Großstadt nicht möglich sei. „Das ist nicht zu finanzieren. Alles andere ist gelogen“, sagt der 38-jährige Fritzlarer. Pohl fehlt die Ehrlichkeit in der Politik. „Das finde ich schlimm“.

Christoph Pohl ist seit 2015 bei den Freien Wählern, schaffte bei der Kommunalwahl im Jahr darauf den Sprung in die Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung. Die Freien Wähler sorgten laut Pohl für andere Gesichter und andere Ansichten im Parlament. Dabei ecken sie auch an.

„Wenn ich im wahrsten Sinne polarisiere, ist es mitunter erfrischend“, sagt Pohl. Ihm sei eines wichtig: Er möchte sich auch noch am nächsten Morgen im Spiegel ins Gesicht schauen können.

Im Studium habe Pohl gelernt, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Das sei auch in der Politik wichtig. „Die Rezepte, die noch vor 30, 40 Jahren gewirkt haben gehen nicht mehr.“ Das gelte beispielsweise für die medizinische Versorgung auf dem Land. Pohls Ansatz: Die Kommunen sollten die Praxen mit der nötigen Infrastruktur ausstatten und zur Miete anbieten.

Die Dinge vorantreiben

Ideen entwickeln, Dinge vorantreiben. Das ist auch beruflich seine Leidenschaft. „Selbstbestimmtheit ist das Maß der Dinge“, ist Pohl überzeugt. Er will unter seiner eigenen Flagge segeln, wie er es nennt. Pohl hat diese Selbstbestimmtheit, hat Verfahren zur effizienteren Vakuumerzeugung in der Industrie entwickelt und sich 2015 mit der Etaopt selbstständig gemacht. Inzwischen zählt der Gründer und geschäftsführende Gesellschafter 15 Mitarbeiter. Die größte Last im Job sind für Pohl nicht die langen Arbeitstage von zehn und mehr Stunden. Es ist die soziale Verantwortung für die Mitarbeiter. Dies alles fordere ihn.

Einen Ausgleich findet der Fritzlarer im Sport. Er läuft 220 Kilometer im Monat, hat einen eigenen Fitnessraum im Büro. Die Kandidatur für den Landtag ist für Pohl die logische Konsequenz aus seinem bisherigen Engagement. Er will Gesicht zeigen, sich einsetzen. Das Direktmandat wird er wohl nicht holen, das weiß er. Er glaubt aber an die Freien Wähler. „Ich möchte, dass wir bei der Auszählung aus den sonstigen Parteien herausfallen und einen eigenen Balken bekommen.“ Das sagt Dr. Christoph Pohl der Optimist? Optimist ja, „aber gut gepaart mit Realität“.

Fünf Fragen an den Direktkandidaten für den Wahlkreis 7

Beamtenticket, Schülerticket, dichtes S-Bahnnetz in Südhessen und im Schwalm-Eder-Kreis fahren ehrenamtliche Bürgerbusse. Wie könnten alle Menschen von einem funktionierenden ÖPNV profitieren? 

Christoph Pohl: Ganz klar ist, dass schon jetzt die Finanzierung des ÖPNV im ländlichem Raum eine gewaltige Aufgabe darstellt und somit das Angebot an Grenzen stößt. Ein Angebot wie im Ballungszentrum ist nicht möglich. Bürgerbusse sind eine gute Idee, dieses Konzept muss gefördert werden!

Was würden Sie für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun? 

Christoph Pohl: Der Schlüssel für eine bessere Vereinbarkeit ist eine angemessene Entlohnung. Die Zeiten, in denen das Gehalt eines Familienmitglieds zur Versorgung der Familie genügt hat, sind längst vorbei, die Realität zeigt leider, dass oft auch ein zweites Gehalt nicht ausreicht! Das kann nicht sein! 

Wie würden Sie das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen stärken? 

Christoph Pohl: Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger ist die zentrale Frage der inneren Sicherheit! Die Lösung ist: Die Gesamtzahl der Stellen bei der Polizei muss drastisch erhöht werden. Fuß- und Fahrradpolizisten im Stadtbild erhöhen das Sicherheitsgefühl und reduzieren Straftaten.

Wie kann mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? 

Christoph Pohl: Bezahlbarer Wohnraum muss eine kommunale Aufgabe mit hoher Priorität sein! Diese Aufgabe muss vom Land finanziell unterstützt werden. Die Realität in den Stadtverordnetenversammlungen zeigt häufig, dass beispielsweise Förderprogramme etc. nicht in Anspruch genommen werden, da es schlichtweg an den notwendigen Voraussetzungen wie zum Beispiel einem Mietspiegel fehlt.

Wie kann die Schulbildung verbessert werden? 

Christoph Pohl: Bildung muss ab dem Kindergarten bis hin zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss kostenlos sein. Dabei brauchen wir mehr qualifiziertes Personal mit gerechter Entlohnung. Konkret brauchen wir mehr Sozialarbeiter(innen) in Schulen und Grundschulen.

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