Ceres Award

Landwirt Martin Volke aus Fritzlar zählt zu den Besten Deutschlands

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Ein Team im Stall: Für Martin Volke (links) hat die artgerechte Haltung seiner Schweine oberste Priorität. Gemeinsam mit seinem Vater Erwin (rechts) und einigen Mitarbeitern wuppt er die Arbeit auf dem Hof. Nun könnte Martin Volke sogar zum Landwirt des Jahres gekürt werden.

Wer in den Stall von Martin Volke schaut, wird neugierig und glücklich angegrunzt. Der Fritzlarer Schweinehalter hat die Chance auf eine ganz besondere Auszeichnung.

Er zählt zu den besten 33 Landwirten im deutschsprachigen Raum und könnte im Oktober den mit 10.000 Euro dotierten Ceres Award gewinnen. Doch das alles ist für den 27-Jährigen Schweinehalter Martin Volke aus Fritzlar nur zweitrangig. Das Glück seiner Tiere steht uneingschränkt an erster Stelle.

Ein Leben ohne den Lindenhof kann sich Volke nicht vorstellen. Er ist mit den Tieren aufgewachsen, hat mit 15 Jahren einen Treckerführerschein gemacht und wuppt die Arbeit auf dem Feld, im Laden und im Stall mittlerweile gemeinsam mit seinem Team und seinem Vater auf eigene Faust.

Aber was ist eigentlich das Besondere an Volkes Art, Landwirtschaft zu betreiben? Was qualifiziert ihn für den Ceres Award?

Schweine leben wie in einer Wohngemeinschaft

„Das Tierwohl hat oberste Priorität“, erklärt Volke. Langsames Wachstum, Antibiotikafreiheit, Hygiene und Stressreduktion – das sind die Leitmotive, mit denen er jeden Morgen den Stall betritt. Und allein der ist schon einen Anblick wert.

„Meine Schweine leben ein bisschen wie in einer Wohngemeinschaft“, sagt der Landwirt. Die Buchten sind so aufgebaut, dass es ausreichend Platz für eine Futterecke, eine Spielecke, eine Kotecke und eine Schlafecke gibt. Übertrieben? Von wegen.

„Schweine sind äußerst empfindsam. Sie sind geistig auf dem Stand eines zweijährigen Kindes“, erklärt Volke. Deswegen darf neben der ausgewogenen Fütterung mit hofeigenem Getreide, Heu und Mineralfutter, einer guten Temperaturregulation durch Wärmetauscher und Kühltürme auch die gewisse Portion Liebe nicht fehlen.

Glücklich und zufrieden: Besucher dürfen die Schweine von Martin Volke nur durch die Scheibe sehen. So gelangen keine Keime in den Stall.

„Wenn ich auch nur leicht gestresst in den Stall komme, merken die Tiere das sofort“, sagt der Schweinehalter. Dann muss erst einmal eine Runde gekrault werden. „Es ist schon sehr süß, wenn die Schweine zur Begrüßung den Kopf über die Reling strecken.“

Stress für die Tiere vermeiden

Stress vermeiden ist ohnehin das A und O – „am besten bis zur letzten Sekunde auf dem Schlachthof.“ Dieser befindet sich in Bad Wildungen. Bevor Volkes Schweine dort geschlachtet werden, haben sie bereits eine Nacht auf dem Hof verbracht. „Allein die Anreise ist nämlich schon Stress genug“, sagt Volke.

Es sind zahllose Komponenten, die der Landwirt bei der Haltung seiner Tiere beachtet. Am Ende haben sie alle eine Auswirkung auf den Fleischgeschmack. Vater Erwin Volke kümmert sich vor allem um die Aufgaben als Metzger. Das Fleisch wird im Hofladen, auf Wochenmärkten und im Partyservice verkauft. Auch hier ist das Kernkriterium: Lange Wege vermeiden.

Führungen durch den Schweinestall

Martin Volke ist es wichtig, das Thema Tierwohl in den Köpfen der Menschen zu verankern. Daher bietet er samstags ab 10.30 Uhr regelmäßig Führungen an – natürlich nur im Besucherraum hinter der Scheibe. Für einen Gang durch den Stall müssen nämlich akribische Hygienevorschriften eingehalten werden.

Gerade Kinder mit dem Thema Fleisch vertraut zu machen, ist dem Landwirt wichtig: „Ich habe sogar schon mal einen Löffel Schweinefutter gegessen, um den Kindern zu zeigen, wie wichtig mir qualitatives Futter ist“, erzählt Volke.

Ob es am Ende für den Sieg in einer der Kategorien oder sogar für den Award reicht, das weiß Volke nicht. Eines steht jedenfalls fest: Das glückliche Grunzen seiner Schweine ist dem 27-Jährigen im Endeffekt wichtiger als jede Auszeichnung der Welt.

Das ist der Award

Mit dem Ceres Award wird am 16. Oktober in Berlin ein Landwirt ausgezeichnet, der mit seinem Betrieb Außergewöhnliches leistet und dabei nachhaltig Verantwortung für Mitmenschen, Tiere und Umwelt übernimmt. 

Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird von der Medienmarke „agrarheute“ vergeben. Neben dem „Landwirt des Jahres“ ermittelt die Jury Sieger in elf Einzelkategorien. Eine davon ist die Kategorie „Schweinehalter“.

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Weckewerk
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