Free Hugs in Nordhessen

Lassen Sie sich umarmen? Experiment am Weltknuddeltag in Fritzlar

+
Sie bot in Fritzlar kostenlose Umarmungen an: HNA-Redakteurin Dorothea Wagner.

Lassen sich Menschen ganz spontan auf der Straße umarmen? HNA-Redakteurin Dorothea Wagner hat am Weltknuddeltag in Fritzlar den Test gemacht und kostenlose Umarmungen verteilt.

Für die verrücktesten Anlässe gibt es mittlerweile einen Feiertag. Vor Kurzem wurde der Tag des Apfels und des Pfützenspringens gefeiert. Der Kalender der kuriosen Feiertage besagt auch, wann man Dosenbier und Marzipan verzehren, wann man Neujahrsvorsätze über Bord werfen sollte und eben auch, wann der richtige Zeitpunkt fürs Kuscheln ist. Nämlich am 21. Januar, der seit 1986 als Weltknuddeltag im Kalender steht.

Doch warum braucht es den überhaupt? Ist es tatsächlich so aus der Mode gekommen, anderen Menschen gegenüber Zuneigung auszudrücken? Ein Experiment in Fritzlar förderte Überraschendes zutage, als sich die HNA auf die Suche nach spontanen Umarmungen machte.

„Ach, heute ist doch dieser Kuscheltag“, sagt eine Frau. Sie weiß Bescheid. Wie viele Trends und Feiertage kommt der Weltknuddeltag oder auch „National Hug Day“ aus den USA und wird auf den Pfarrer Kevin Zaborney zurückgeführt. Dieser habe den Tag bewusst in die düstere Jahreszeit gelegt. Wenn es draußen ungemütlich ist, kann es zur saisonal bedingten Depression kommen. Umarmungen als Mittel gegen den Winterblues?

Free Hugs in Fritzlar zum Weltknuddeltag

Die erste Umarmung kommt schneller als erwartet. Vielleicht wirken die eisigen Temperaturen von minus vier Grad tatsächlich motivierend. Wärme ist schließlich ein willkommener Nebeneffekt von Umarmungen. Nach nur wenigen Minuten zeigt sich: Erstaunlich viele Fritzlarer nehmen das Angebot „Free Hugs“ (Gratis Umarmungen) gerne an.

Einige müssen erst überzeugt werden, doch die Vorteile liegen klar auf der Hand oder besser gesagt, im Gehirn. Dort entsteht Oxytocin – ein Hormon, das nicht nur bei der Geburt und der mütterlichen Fürsorge eine wichtige Rolle spielt. Das sogenannte Kuschelhormon kann Stress und Ängste reduzieren, sorgt für eine intensivere Bindung zwischen Paaren und aktiviert im Gehirn das Belohnungs- und Glückszentrum.

Eine natürliche Methode, das Oxytocin-Level zu erhöhen, sind Umarmungen. Dabei ist die Länge entscheidend. Eine flüchtige Umarmung reicht für einen spürbaren Effekt nicht aus.

Lesen Sie auch: Partner schätzen die Umarmung zwischendurch

Glückshormone durch Umarmungen

Auf dem Fritzlarer Marktplatz geizen die Passanten jedenfalls nicht mit Umarmungen. Die Bilanz des Experiments: Mehr als 90 Prozent der Passanten lassen sich knuddeln. Viele ergreifen selbst die Initiative. Andere ergeben sich schlichtweg den überfallartigen Annäherungsversuchen. „Ich merke schon, fliehen ist zwecklos“, sagt eine Frau und öffnet nach anfänglichem Zögern ihre Arme. „Eine Umarmung tut immer gut“, sagt die 16-jährige Virginia Orth aus Borken. Lediglich ein Mann winkt dankend ab. Er sei in einer Beziehung, und nicht auf eine Gratisportion Glückshormone angewiesen. Es sei ihm gegönnt.

Ebenfalls interessant: Massagen und Streicheleinheiten können Immunabwehr stärken

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.