Protestaktion in Fritzlar

Leere Stühle: Protest der Gastwirte auf dem Fritzlarer Marktplatz

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Platz für Protest: Auf dem Fritzlarer Marktplatz sollen bis zu 300 leere Stühle aufgestellt werden.

Umsatzeinbrüche von bis zu 100 Prozent: Die Folgen der Coronakrise treffen die Gastronomie hart. In Fritzlar schließen sich bis zu 20 Gastronomen der bundesweiten Aktion „1000 leere Stühle“ an.

Am Sonntag planen sie um 14 Uhr eine Kundgebung auf dem Marktplatz der Stadt. Damit wollen die Wirte auf ihre Lage aufmerksam machen. Ein Gespräch mit Armin Ochs vom Restaurant Das Nägel, ein Initiator der Aktion in Fritzlar.

Herr Ochs, auch Ihre Betriebe sind geschlossen. Wie geht es Ihnen?

Uns geht es ganz gut. Wir haben die Soforthilfe bekommen und sind momentan noch ganz gut aufgestellt. Aber wir haben Angst vor der Wiedereröffnung und den Auflagen, die es ganz sicher geben wird und muss. Es ist klar, dass es Regeln geben wird und wir passen uns auch gerne an, aber es muss wirtschaftlich umsetzbar sein. Alleine, wenn wir die Küche wieder bestücken, kostet das bis zu 6000 Euro, wenn dann nur wenige Gäste kommen dürfen und andere aus Sorge zuhause bleiben, schlagen wir die Ware nicht um und machen einen zusätzlichen Draufleger. So geht es nicht nur uns, ich spreche für alle Gastronomen. Wir haben konkrete Forderungen.

Welche sind die wichtigsten Forderungen?

Vor allem die baldige Wiedereröffnung unter wirtschaftlich zumutbaren Bedingungen. Wir brauchen einen klaren Fahrplan. Das Kurzarbeitergeld sollte ab Mai auf 80 beziehungsweise 87 Prozent aufgestockt werden. Eine weitere Forderung ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent auf alle gastronomischen Umsätze bei der Wiedereröffnung ohne Begrenzung. Außerdem ist zwingend ein Hilfspaket zur Wiedereröffnung für die Gastronomie nötig, um Umsatzeinbußen abzufedern.

Es gibt Einschränkungen und Verbote. Unter welchen Bedingungen findet die Kundgebung der Gastronomen statt?

Wir haben ein Konzept erarbeitet und es wurde vom Ordnungsamt der Stadt Fritzlar akzeptiert. Wir werden bis zu 300 leere Stühle aufstellen, eine lange Tafel eindecken. Sitzen darf dort aber natürlich niemand. Es wird einen Trauerzug zur Marktplatzbühne geben. Dort halte ich eine Trauerrede über unsere Situation und mit unseren Forderungen. Es gibt eine Schweigeminute zum Gedenken an die verstorbene Gastronomie 2020 und ein symbolisches letztes Trinkgeld.

Anders als sonst sind von den Gastronomen diesmal keine Gäste gewünscht.

Stimmt. Publikum ist nicht erwünscht, es wird aber einen Livestream im Internet geben, sodass die Aktion so und durch die Berichterstattung in der HNA öffentlich wird. Wir haben drei Ordner dabei, das Ordnungsamt und die Polizei sind auch anwesend. An die Abstandsregeln halten wir uns und tragen auch Mundschutz.

Livestream: das-naegel.de und auf der Facebook-Seite des Restaurants.

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