Platz auf dem Alten Friedhof

Der Löwe kehrt zurück: Fritzlarer Kriegerdenkmal wird wieder aufgebaut

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Längst Geschichte: Wo einst der Löwe aus Stein thronte, steht jetzt die Bonifatius-Skulptur.

Fritzlar. „Es braucht alles viel Zeit“, sagt Dr. Ulrich Skubella. Seit Jahren sorgt sich der Vorsitzende von Pro Fritzlar um das Kriegerdenkmal. Seit Jahren sucht er einen würdigen Ort, um an die im Deutsch-französischen Krieg 1870/71 Gefallenen zu erinnern. Ein Ort ist gefunden.

Noch in diesem Jahr soll das Denkmal auf dem Alten Friedhof in der Georgengasse aufgestellt werden. Vermutlich wird das dann bei Weitem nicht so zelebriert wie die Enthüllung vor 105 Jahren.

Die Aufstellung

„Das Kriegerdenkmal wurde am 8. Juni 1913 mit großem Pomp eingeweiht. Es war ein richtiges Volksfest“, erklärt Skubella. Das Denkmal stand ursprünglich auf einem freien Platz an der Gießener Straße. Auf der Säule thronte ein kupferner Adler. Zum Zeichen der Trauer waren dessen Flügel angelegt. Der Adler wurde im Fritzlarer Volksmund „die Ulle“ (die Eule) genannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Adler eingeschmolzen. „Kriegswichtiges Material war wichtiger als Pietät“, sagt Skubella.

Das zweite Denkmal

Ein weiteres Denkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs wurde später auf dem Domplatz errichtet – dort, wo heute die Bonifatius-Skulptur steht. Auf das Denkmal wurde eine Steinplatte und darauf ein Löwe aus Stein gesetzt. In den 1960er-Jahren wurde das Denkmal abgebaut. Wann genau und warum, das lässt sich laut Skubella nicht mehr nachvollziehen. Die Platten mit den Namen der Toten wurden auf den Friedhof gebracht. Die Steinplatte, auf der der Löwe stand, liegt noch heute auf dem Hof des Patrizierhauses. Die Löwenskulptur lagerte einige Jahr auf dem Hof des Museums Hochzeitshaus, bis die Kyffhäuser-Kameradschaft die Umsetzung des Löwen auf die Säule des Kriegerdenkmals von 1870/71 veranlasste. Technische Hilfe leistete damals die Bundeswehr.

Die Umsetzung

Doch nicht nur das Kriegerdenkmal für die im Deutsch-französischen Krieg Gefallenen, auch die Umgebung hat sich in den Jahrzehnten verändert. Das Bauwerk wurde von Autos und Containern eingerahmt. „Der Standort ist unwürdig. Das kann man so nicht gutheißen“, sagte Skubella 2016, als das Denkmal abgebaut wurde. Derzeit lagern die Teile im Bauhof – alle sauber nummeriert.

Der Verein Pro Fritzlar setzte sich für den Umzug auf den Alten Friedhof ein. Dort gibt es bereits andere Denkmäler und bemerkenswerte Grabsteine. Und dort gehört das Kriegerdenkmal laut Skubella auch hin. „Es ist ein Zeitdokument und gehört zur Fritzlarer Stadtgeschichte.“ Noch in diesem Jahr soll das Denkmal unterhalb der Kulturscheune aufgestellt werden.

Dann kommt auch die Steinplatte vom Patrizierhaus wieder ins Spiel. Sie soll ihren Platz neben dem Denkmal finden. Sie bildet den Sockel für eine Tafel, auf der Pro Fritzlar die geschichtlichen Zusammenhänge rund um das Kriegerdenkmal erklären möchte. Steinplatte und Steinlöwe sind dann wieder vereint – fast so wie einst auf dem Domplatz.

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