13.500 Euro für eine Familie

"Luxusstraße": Anwohner in Züschen ärgern sich über hohe Baukosten

Ärgern sich über teuren Straßenausbau: (von links) Wolfgang und Brigitte Knatz mit Nachbar Bernd Gabling. Foto: Yüce

Züschen. Luxusstraße. So nennen Brigitte und Wolfgang Knatz sowie Bernd Gabling die Straße Zur Lauge im Fritzlarer Stadtteil Züschen. Was wie ein Kompliment klingt, ist alles andere als das.

Denn die Anwohner sind verärgert über den ihrer Meinung nach luxuriösen und somit viel zu teuren Ausbau der Straße.

Mit insgesamt 156.000 Euro müssten sich die acht Anlieger an dem Ausbau - je nach Grundstücksgröße entlang der Straße - beteiligen, erklären sie. Für Familie Knatz bedeutet das 13.500 Euro und für Bernd Gabling insgesamt 9600 Euro. So steht es auf den Rechnungen, die sie von der Stadt Fritzlar erhalten haben.

Um das Geld an die Stadt überweisen zu können, mussten die Senioren Kredite aufnehmen. „So viel Geld hatten wir einfach nicht auf der hohen Kante. Wir hätten auch nicht gedacht, dass wir in unserem Alter nochmal eine Hypothek auf unser Haus aufnehmen müssen“, so der 75-jährige Wolfgang Knatz. Das Haus sei eigentlich längst abgezahlt gewesen und ihre Alterssicherung. Seit 1971 lebt das Paar in Züschen. „Es hat uns den Hals zugeschnürt, als wir die Rechnung erhalten haben“, sagt Brigitte Knatz.

Warum sie überhaupt zur Kasse gebeten wurden, können sie nicht verstehen: Denn die Straße Zur Lauge nutzen sie fast nicht, sagen sie. Grund dafür ist, dass der Eingang und die Zufahrt zu ihrem großen Eckgrundstück an der Straße Brückengarten liegen. Außerdem steht in der Rechnung, dass es sich um die „erstmalige Herstellung“ der Straße gehandelt habe. „Das sehen wir nicht so“, sagt Brigitte Knatz. Schließlich sei die Straße Zur Lauge schon fertig gewesen. Die Sackgasse sei eigentlich noch in Ordnung gewesen, sagen sie und zeigen Bilder.

Überhaupt sei ein luxuriöser Bau vorgenommen worden. „Eine dicke und somit teure Schotterschicht wurde aufgetragen und man hat teure Steine für den Bürgersteig gewählt“, sagt Bernd Gabling. Auf dem Gehweg gehe übrigens kaum jemand, fügt er an. Auch sei mit zweierlei Maß gemessen worden, denn in der Verlängerung der Straße - dem Neubaugebiet Schloss- und Stadtblick - habe man Parkbuchten angelegt und Bäume gepflanzt. „Auch auf unsere Kosten“, behauptet Knatz.

Verärgert ist das Trio auch über den Umgang der Stadt mit den Anwohnern. „Die Rechnung kam Ende November und wir sollten innerhalb von vier Wochen die ganze Summe zahlen. „Das ist doch gnadenlos“, sagt Gabling. „Eine Stundung sei nicht möglich, hat man mir bei der Stadtverwaltung gesagt“, so Brigitte Knatz. Sie hätte sich etwas mehr Kulanz und Menschlichkeit erhofft. Und Wolfgang Knatz hat den Eindruck, dass der Stadt das Schicksal der Anwohner egal sei. „Wir wurden von Beginn an schlecht informiert.“ Bürgermeister Hartmut Spogat habe sich keine Zeit für ihr Anliegen genommen.

Das alles wollen sich die Senioren nicht gefallen lassen und haben Anwälte eingeschaltet.

Das sagt der Bürgermeister

Nichts. Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Das sagt der Ortsbeirat

Mit dem Ergebnis des Ausbaus der Straßen Zur Lauge, Schloss- und Stadtblick, sei man sehr zufrieden, sagt Wolf Rudat. Schade sei, dass sich die Anwohner mit ihrem Problem nicht beim Ortsbeirat gemeldet hätten.

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