Maschenweise Herzlichkeit: Stricken und häkeln für Neugeborene

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Bei ihnen laufen viele Fäden zusammen: Die Seniorinnen der Spinnstube des St. Elisabeth Seniorenstifts in Fritzlar stricken und häkeln Mützchen für Neugeborene. Bei der Übergabe dabei (von links) von der Spinnstube Irmgard Triebfürst, Anneliese Schmidt, Hebamme Joanna Atzert, Heimleiterin Sigrid Kaiser, Anna Kelber und Maria Spiekermann.

Fritzlar. Sie können stricken und häkeln und haben ein großes Herz für die ganz Kleinen: Die Damen der Spinnstube des St. Elisabeth Seniorenstift in Fritzlar. Seit einigen Wochen sind die zehn Frauen dabei, winzige Wollmützen herzustellen.

Die bekommen dann die Neugeborenen im Hospital zum Heiligen Geist. Dazu gibt es einen besonderen Aufnäher: „Geboren in Fritzlar“ steht darauf.

Geboren in Fritzlar: Greta Gäck bekam auch eine der von den Seniorinnen gestrickten Mützchen. Foto: Yüce

„Über 40 Babys kommen in dem Krankenhaus pro Monat zur Welt. Im vergangenen Jahr waren es sogar über 500 Babys“, sagt Sigrid Kaiser, die Leiterin des Seniorenstifts. Viel zu tun also für die Handarbeitsgruppe, die sich alle zwei Wochen trifft. Die Idee zu der Mützen-Aktion hatten der ehemalige Geschäftsführer des Hospitals Harald Umbach und die Hebammen. Umbach hatte die ersten Wollknäule und Aufnäher gesponsert.

Über 300 Mützchen 

„Es ist eine tolle Kooperation zwischen alt und jung“, sagt Hebammensprecherin Joanna Atzert. Schon über 300 Mützchen haben die Seniorinnen angefertigt. So wie jedes Kind, ist auch jede Mütze ein Unikat. „Manche Kinder haben ganz kleine Köpfe und ander größere“, sagt Irmgard Triebfürst, die 93 Jahre ist, zu den Strickerinnen gehört und selbst drei Kinder, sechs Enkel, vier Ur-Enkel und drei Ur-Ur-Enkel hat. „Momentan arbeite ich an einem Mützchen für mein neues Ur-Ur-Enkelchen, es wurde am Rosenmontag geboren“, sagt sie. Doch nicht nur Größe und Farbe unterscheidet die Strickmützen. „Mal sind kleine Bommeln dran, dann mal wieder Blümchen“, sagt die 86-jährige Maria Spiekermann und hält einige der kleinen Kopfbedeckungen hoch. Eines haben die Mützchen gemeinsam, sie wuden mit viel Herzlichkeit gestrickt. Den Damen der Spinnstube macht die Handarbeit noch mehr Freude, seitdem sie wissen, dass die Neugeborenen in Fritzlar mit ihren Mützchen die Klinik verlassen. Etwa eine Stunde dauere es, bis eine Mütze fertig sei. Derzeit sind sie aus Schurwolle. Eigentlich habe man nur Kopfbedeckungen für die Wintermonate herstellen wollen, doch weil die Aktion bei den Hebammen und vor allem den Eltern so gut ankomme, machen die Leiterin der Spinnstube, Anneliese Schmidt, und die Seniorinnen weiter. Im Sommer seien die Mützen dann aus Baumwolle. Zudem soll es künftig auch kleine Strümpfe für die Neugeborenen geben. Allerdings werden die fleißgen Handarbeiterinnen das Tempo nicht halten können: „Über 40 Mützen pro Monat, das ist etwas zu viel. Es soll ja kein Stress werden“, sagt Sigrid Kaiser.

Von dem Geschenk der Seniorinnen waren auch Julia und Dr. Christian Gäck ganz angetan. „Es ist eine tolle Idee“, sagte Gäck, als ihm gestern die Mütze für seine am Montag geborene Tochter Greta geschenkt wurde. Klar, dass Greta diese gleich aufgesetzt bekam.

912 Babys wurden 2014 an den beiden Geburtskliniken im Schwalm-Eder-Kreis (Fritzlar und Schwalmstadt) geboren. Das waren deutlich mehr Geburten als im Vorjahr: 836 Neugeborene wurden 2013 im Landkreis gezählt. 532 Babys kamen 2014 im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist zur Welt, sagte Frauenarzt Wolfgang Kersting kürzlich. Darauf sei er ein bisschen stolz: „Wir sind ein relativ kleines Team, da ist das eine sehr gute Zahl.“ Die Geburtenzahlen der vergangenen Jahre waren niedriger: 2013 gab es 474 Geburten, 2012 waren es 468 und 2011 kamen 489 Babys in Fritzlar zur Welt. „Wir merken hier natürlich schon, dass die Geburtsklinik in Wolfhagen geschlossen hat“, erklärt Hebammensprecherin Joanna Atzert.

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