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Maysaa Knaan unterstützt nun die Familie Knaan aus Fritzlar

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Von: Christine Thiery

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Endlich ist die Tante da: Maysaa Knaan konnte aus der Türkei einreisen, um ihren verwitweten Bruder Ziad und dessen Kinder zu unterstützen. Von links Harun, Maysaa, Sidra, Ziad Knaan mit Sohn Adam auf dem Schoß.
Endlich ist die Tante da: Maysaa Knaan konnte aus der Türkei einreisen, um ihren verwitweten Bruder Ziad und dessen Kinder zu unterstützen. Von links Harun, Maysaa, Sidra, Ziad Knaan mit Sohn Adam auf dem Schoß. © Christine Thiery

Weihnachten brachte für die Fritzlarer Familie Knaan Hoffnung, denn nun ist Hilfe da: Ziad Knaans Schwester Maysaa reiste am Heiligen Abend aus Istanbul an.

Fritzlar – Maysaa Knaan kann nun ihren verwitweten Bruder bei der Erziehung der drei Kinder unterstützen. Die Familie feierte das erste Mal Weihnachten nach dem Tod der Mutter im Mai.

Der Weihnachtsbaum ist geschmückt, auf der Spitze prangt der Stern. Die Kinder freuen sich über die Geschenke der Tante und über den Besuch. Die Kinder unterhalten sich auf Kurdisch und Arabisch mit der Tante, die sie nun das erste Mal richtig kennenlernen – bislang sahen sie sich nur bei Videotelefonaten. Als Ziad Knaan mit seiner Frau Zenan und Tochter Sidra aus Syrien floh, war Sidra drei Jahre alt, die anderen Kinder waren noch gar nicht geboren.

Nun muss Maysaa erst einmal Deutsch lernen. Denn schon die Ankunft auf dem Flughafen in Frankfurt sei schwierig gewesen, weil sie sich nicht verständigen konnte. Die Polizei hatte sie festgehalten und erst nach zwei Stunden hatte sich das Problem lösen lassen. Dennoch war die Freude dann groß, auch bei der Bescherung unterm Baum.

Maysaa Knaans wichtigstes Dokument ist ein Visum

Die 25-Jährige aus Istanbul hatte nicht nur die Geschenke für die Kinder im Gepäck, ihr wichtigstes Dokument ist ein Visum. Dieses hatte sie nach langem Kampf und nur wegen „außergewöhnlicher Härte der Familienzusammenführung“ bekommen. Maysaa stammt wie ihr Bruder aus Syrien und floh wegen des Krieges nach Istanbul zur Familie, während Ziad Knaan 2016 mit seiner Frau Zenan und Tochter Sidra nach Deutschland kam. Die junge Familie hatte sich ein gutes Leben in Deutschland erhofft und bekam zwei weitere Kinder.

Es war ein harter Schicksalsschlag, als Mutter Zenan im Mai in Folge einer Krebserkrankung starb. Vater Ziad steht seitdem allein mit drei Kindern da (wir berichteten). Dass seine Schwester ihn nun unterstützen kann, sei eine Fügung. Allein könne er den Alltag der Familie nur schwer bewältigen, sagt er. Die beiden größeren Kinder besuchen die Grundschule, der kleine Adam geht in den Kindergarten. Ziad Knaan arbeitet als Lagerarbeiter bei der Gudensberger Rudolph Logistik Gruppe, er wird nun die Arbeitszeiten wieder aufstocken, die er für ein Jahr durch ein großzügiges Angebot der Firma und der Belegschaft reduzieren konnte.

Fritzlarer Flüchtlingshilfe setzte sich für die Familie ein

Ziad Knaan betont immer wieder, wie dankbar er für die Hilfe sei, die er durch Kollegen, Nachbarn und besonders durch Hilmar Liese und seine Frau erfahren hat, die sich bei der Fritzlarer Flüchtlingshilfe engagieren. Die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe Fritzlar standen lange im Austausch mit dem zuständigen Konsulat in der Türkei und der Deutschen Botschaft, um sich für die Einreise von Maysaa Knaan stark zu machen. Sie nahmen Kontakt mit dem Landrat und auch mit Bundestagsabgeordneten auf und setzten sich so für die Familie ein.

Mit der Hilfe seiner Schwester soll nun alles etwas leichter werden. Er wird ihr als erstes die Stadt, die Schule, den Kindergarten zeigen. Allerdings gibt es noch einige Steine im Weg. Er muss die Krankenversicherung seiner Schwester komplett übernehmen und hat für fünf Jahre eine Verzichtserklärung auf Sozialhilfebezug unterschreiben müssen. Auch den Deutschunterricht für die junge Frau muss er zahlen. Dennoch überwiegt die Hoffnung, dass nun alles wieder etwas besser wird. (Christine Thiery)

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