Lage im Fritzlarer Hospital angespannt

Medizinische Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis wegen Corona am Limit

Dr. Carsten Bismarck lehnt sich an ein Auto, das vor dem Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar abgestellt wurde.
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Trotz erheblicher Belastung laufe der Regelbetrieb im Hospital weiter – Dank des enormen Einsatzes der Mitarbeiter, sagt Dr. Carsten Bismarck.

Es wird eng auf den Corona-Stationen in den Kliniken – auch im Schwalm-Eder-Kreis. Im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar ist die Situation angespannt.

Fritzlar - Das sagt Dr. Carsten Bismarck, medizinischer Geschäftsführer des Hospitals: „Wir sehen in fast allen Altenheimen um uns herum einen zum Teil dramatischen Anstieg der Covid-Infektionen und Erkrankungen bei den Bewohnern und Pflegekräften. Das wirkt sich natürlich auch auf die Belastung unseres Hauses aus“, schildert er die Situation und wird noch deutlicher.

Denn es sind längst nicht nur die älteren Menschen, denen das Virus schwer zusetze: Auch jüngere Menschen kämpften gegen Corona um ihr Leben – „manchmal verlieren sie diesen Kampf auch“, sagt Bismarck. Und weiter: „Wir beklagen auch Verluste unter uns Medizinern, Pflegenden und Unterstützenden. Erst letzte Woche starb einer unserer ärztlichen Notarztkollegen aus der Region nach einem schweren Covid-Verlauf.“ Bismarck skizziert die Situation in der Klinik.

Corona in Schwalm-Eder: Die Infektionsstation wurden erweitert

„Wir haben die Covid-Infektionsstation deutlich erweitert, sodass zunächst alle Patienten aus Altenheimen, von den ambulanten Pflegediensten und Dialysen hier in Quarantäne getestet und therapiert werden können“, so Bismarck. Zudem gebe es einen deutlichen Anstieg der Patientenzahl mit Covid-Erkrankungen auf der Infektionsstation.

„Unsere Intensivstation ist derzeit mit fünf Covid-Patienten zusätzlich belegt. Vier von diesen müssen beatmet werden. Zwischenzeitlich hatten wir Anfang vergangener Woche sieben Beatmungspatienten auf der Intensivstation“, sagt Bismarck weiter.

Corona in Schwalm-Eder: Regelbetrieb am Hospital in Fritzlar noch gewährleistet

Es gelinge trotz der gestiegenen Belastung, den Krankenhausregelbetrieb sicherzustellen. „Mit klarer und sicherer Trennung von den Covid-Patienten“, betont er. Im Regelbetrieb gebe es kaum Einschränkungen. „Alle Operationen, Eingriffe, Entbindungen, Untersuchungen und Herz- und Gefäßinterventionen laufen wie geplant.“

Corona in Schwalm-Eder: Hospital ist „stolz auf alle Mitarbeiter“

Der Chefarzt betont, wie stolz die Klinikleitung auf alle Mitarbeiter sei. Ihr Einsatz gehe weit über das normale Engagement hinaus. „Wir sehen ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein für die Lage und eine klare Einsicht darin, im Team die Herausforderungen zu meistern.“ Die Mitarbeiter hätten 2020 trotz der hohen physischen und psychischen Belastung einen überragenden Job gemacht, sagt Bismarck.

Corona in Schwalm-Eder: Bisher Triage noch nicht notwendig

„Trotz der erheblichen Belastung in unserem Haus gab es bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Moment, indem im Rahmen der Triage eine Entscheidung über Leben oder Tod getroffen werden musste“, sagt Bismarck. Das liege auch daran, dass das Hospital im Verbund des Hessischen Versorgungsgebietes 1 eingebunden sei, zu dem alle Notfallkrankenhäuser Nordhessens gehören.

„Durch die kluge und vorausschauende Koordination der Verteilung kritischer Patienten in diesem Versorgungsgebiet, konnten bisher alle Patienten sicher einer medizinisch angemessenen Versorgung – zum Teil durch Verlegungen oder Zuweisungen in andere Krankenhäuser mit freien Kapazitäten – zugeführt werden.“

Corona in Schwalm-Eder: Corona-Impfung ist großes Glück

„Wir haben das große Glück, erstmals in der Geschichte der Menschheit durch den medizinischen Fortschritt und neue Synthesemethoden in kürzester Zeit eine neue Impfstoff-Generation entwickelt zu haben“, sagt Bismarck. Die Testungen und Anwenderstudien, die es gab, zeigten eine Wirksamkeit und Sicherheit für die geimpften Menschen. „Sicher werden wir auch Nebenwirkungen sehen, aber diese gibt es auch bei anderen Impfungen.“

Jeder müsse für sich selbst abschätzen, ob das Risiko von Impf-Nebenwirkungen, die auftreten könnten, das Risiko einer schweren Covid-Erkrankung mit allen, bis heute beschriebenen Komplikationen übersteige. Zu den Komplikationen zählt Bismarck auf: Langzeitschäden der inneren Organe mit Funktionseinschränkungen von Herz, Lunge, Nieren und der Muskulatur, kognitive Leistungseinschränkungen bis hin zum Gesamtorganversagen mit tödlichem Ausgang.

Das Hospital werde das Kreis-Gesundheitsamt personell und infrastrukturell bei der Betreuung des Impfzentrums unterstützen, so Bismarck. (Maja Yüce)

Die 7-Tage-Inzidenz im Schwalm-Eder-Kreis ist weiter hoch - seit Donnerstag (17.12.2020) gilt eine Ausgangssperre.

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